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Der Automatik-Chronograph

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Viele Menschen, die sich für hochwertige mechanische Armbanduhren begeistern, nennen auch einen oder mehrere Chronographen ihr Eigen. In der Regel handelt es sich dabei um sportliche analoge Armbanduhren für Herren, doch auch in Flugzeugen, auf Schiffen und an anderen Stellen sind unterschiedliche Arten von Chronographen anzutreffen. Gemeinsam ist ihnen allen die Fähigkeit, neben der „normalen“ Zeitanzeige auch als Stoppuhr zu fungieren.

Ein „Zeitschreiber“

breitling-transocean-chronograph-unitime-kaliber-breitling-05Der Begriff Chronograph hat seine Wurzeln im Altgriechischen und bedeutet in wörtlicher Übersetzung so viel wie „Zeitschreiber“. Es handelt sich also um eine Uhr, mit der bestimmte Zeiten gemessen werden können.

Chronographen sind übrigens nicht mit Chronometern zu verwechseln. Letztere zeichnen sich zwar durch eine besonders hohe und geprüfte Ganggenauigkeit aus, verfügen aber keineswegs in jedem Fall über eine Stoppfunktion.

Je nach ihrem Verwendungszweck, ihrem Design oder eventuellen Komplikationen können verschiedene Arten von Chronographen unterschieden werden.

Wenn heute von einem Chronographen die Rede ist, handelt es sich in den meisten Fällen um Armbanduhren, die mit einer entsprechenden Funktion ausgestattet sind. Im unteren oder mittleren Preissegment verfügen die Armbanduhren in der Regel über ein Quarz-Uhrwerk. Höherwertige Modelle bis hin zum Luxussegment sind dagegen meist mit einem Automatik-Uhrwerk ausgestattet und werden deshalb auch als Automatik-Chronograph bezeichnet.

tag-heuer-monza-calibre-17-automatic-chronograph-kaliber-17Äußerliche Merkmale: „Drücker“ und zusätzliche Zifferblätter

In vielen Fällen sind Chronographen schon auf den ersten Blick von anderen Uhren zu unterscheiden. Denn meist finden sich auf dem Hauptzifferblatt noch weitere kleinere Zifferblätter, die sogenannten Totalisatoren. Sie zeigen beim Stoppen der Zeit beispielsweise die gemessenen Minuten oder Stunden an.

Die Anzeige der Sekunden hingegen erfolgt üblicherweise durch einen Zeiger auf dem Hauptzifferblatt, der von der Gestaltung her meist dem Sekundenzeiger einer klassischen Drei-Zeiger-Uhr ähnelt. Damit die Sekunden der Tageszeit auch während eines Stoppvorganges weiter angezeigt werden können, übernimmt meist ein Zeiger auf einem der Totalisatoren diese Funktion.

Ein weiteres typisches Merkmal vieler Armbanduhren dieser Art sind die neben der Krone angeordneten Taster beziehungsweise „Drücker“, von denen der obere als Start- und Stopptaste dient, während die Betätigung des unteren dafür sorgt, dass der große Stoppzeiger des Hauptzifferblatts nach dem Stoppvorgang wieder in seine Ausgangsposition bei der Zwölf zurückkehrt.

Wer ist der Erfinder?

Die Frage, wer als Erfinder des ersten Chronographen gelten könne, wird häufig kontrovers diskutiert, und es werden in diesem Zusammenhang zahlreiche unterschiedliche Namen genannt. Fakt ist, dass es bereits seit dem 18. Jahrhundert immer wieder entsprechende Bestrebungen gab und dass mehrere Personen durch ihre verschiedenen Erfindungen wesentliche Beiträge zur Entwicklung eines Uhrentyps geleistet haben, den wir heute als Chronographen kennen.

Als erstes anerkanntes Modell in der Geschichte gilt eine 1815 begonnene und im folgenden Jahr fertiggestellte Astronomieuhr von Louis Moinet, der sogenannte Terzzähler. Diese Uhr war mit einem zentralen Zeiger zur Anzeige von Sechzigstel Sekunden sowie mit Drucktasten zum Starten und Stoppen einer Zeitmessung sowie mit einer Rückstellungsfunktion ausgestattet. Erste Vorformen wurden jedoch bereits einige Jahrzehnte früher entwickelt, darunter ein Modell mit einem anhaltbaren Sekundenzeiger. Dabei wurde allerdings beim Stoppen das komplette Uhrwerk angehalten, sodass die Phasen des zwischenzeitlichen Stillstands beim Messen von Zwischenzeiten am Ende hinzuaddiert werden mussten.

Der Durchbruch: Sekunden stoppen bei weiter laufendem Uhrwerk

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung von Uhren mit ersten einfachen Stoppfunktionen zum vollwertigen Chronographen folgte im Jahr 1831. Damals gelang dem Österreicher Joseph Thaddäus Winnerl – einem Mitarbeiter der Manufaktur Breguet – der Bau einer Uhr, deren Sekundenzeiger sich separat anhalten ließ. Später erfand Winnerl sogar einen Zeitmesser mit zwei übereinander angeordneten Sekundenzeigern, welche sich nacheinander stoppen ließen. Die auf diese Wiese gemessene Zeit wurde als Differenz errechnet.

Technisch erforderte dies den Einbau von zwei separaten, aber miteinander gekoppelten Stoppmechanismen. Für diese Komplikation werden auch die Bezeichnungen Schleppzeiger, Rattrapante oder nachspringende Sekunde verwendet. Als Adolphe Nicole 1844 das sogenannte „Nullstellherz“ erfand, mit dem sich ein Zeiger mittels Knopfdruck zurück auf Null stellen lässt, ebnete er damit endgültig den Weg zur Herstellung der ersten vollwertigen Chronographen-Taschenuhr, die der Öffentlichkeit 1862 präsentiert wurde. Mit der zunehmenden Verbreitung von Armbanduhren wuchs auch das Interesse an Modellen mit Stoppuhr in diesem Format.

Ab 1933 setzte sich dabei immer mehr die von Breitling entwickelte Lösung durch, bei der zwei separate Drücker das Starten und Stoppen beziehungsweise die Rückstellung auf die Nullposition ermöglichen. Nach diesem Prinzip arbeitende Chronographen erlauben ein mehrmaliges Anhalten und anschließendes Weiterlaufenlassen des Messzeigers.

Der Automatik-Chronograph: anspruchsvolle Technik für zuverlässige Funktion

Nachdem sich Automatikuhren immer stärker als Alternative zu mechanischen Uhren mit Handaufzug etablierten, lag es nahe, auch automatisch angetriebene Chronographen zu produzieren. Zwar hatte Albert Piguet bereits 1946 den Prototypen mit Automatik-Aufzug entwickelt, doch sollte es danach noch mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis der erste in Serie gefertigte Automatik-Chronograph auf den Markt gebracht wurde.

Dies gelang Zenith/Movado im Januar 1969. Damit hatte sich dieser Hersteller gegen seine Wettbewerber von Breitling/Heuer und Seiko durchsetzen können, die ebenfalls an solchen Projekten gearbeitet hatten. Um die Pionierrolle zu betonen, nannte Zenith/Movado seinen Pionier „El Primero“, was übersetzt „der Erste“ bedeutet. Nur wenig später drohten die aufkommenden Quarzuhren diese mechanischen Meisterwerke vom Markt zu verdrängen, doch das ab Mitte der 1980er Jahre neu erwachende Interesse an hochwertigen mechanischen Uhren eröffnete auch den mechanischen Chronographen neue Perspektiven.

Inzwischen ist der Automatik-Chronograph deutlich weiter verbreitet als mechanische Zeitmesser mit Handaufzug. Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, dass sich der automatische Aufzug bei hochwertigen Armbanduhren ganz generell großer Beliebtheit erfreut, erspart er dem Besitzer einer solchen Uhr doch das regelmäßige Aufziehen von Hand ebenso wie den gelegentlichen Kauf einer Batterie.

Komplexe technische Lösungen auf kleinstem Raum vereint

Ein Automatik-Chronograph stellt bei der Herstellung besonders hohe Anforderungen an das handwerkliche Können der Uhrmacher. Schließlich gilt es, unter den typischerweise relativ beschränkten Platzverhältnissen in den Gehäusen von Armbanduhren nicht nur ein Chronographenwerk zu verbauen, das gegenüber einem einfachen Uhrwerk deutlich komplexer ist, sondern auch noch den automatischen Aufzug mit seinem Rotor, der ebenfalls aufwendiger ist als ein herkömmlicher Handaufzug.

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Als das wahrscheinlich erfolgreichste automatisch angetriebene Chronographenwerk gilt das Kaliber Valjoux 7750 aus dem Hause ETA, das in einigen Varianten angeboten wird und heute in der Mehrheit der Automatik-Armbanduhren zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Bekannte andere Automatik-Werke im Chronographensegment sind zudem das Manufakturkaliber 4130 von Rolex oder das Lemaina 5100, welches allerdings nicht mehr hergestellt wird.

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Einige mechanische Chronographen sind zu regelrechten Ikonen der Uhrengeschichte geworden und werden bereits seit Jahrzehnten nahezu unverändert produziert. Dazu gehören beispielsweise die als „Moonwatch“ bekannt gewordene Speedmaster von Omega sowie die besonders in der Edelstahlversion bei vielen Sammlern sehr begehrte Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona. Die Faszination, die Uhren wie diese und andere Modelle auf immer wieder neue Generationen von Uhrenliebhabern ausüben, dürfte dafür sorgen, dass der Automatik-Chronograph auch im Zeitalter von Smartphones und Smartwatches mit Stoppfunktionen seine Fangemeinde nicht verlieren wird.