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Von Uhren, Namen und Spitznamen

«Die kuriosen Bezeichnungen von Uhrenmodellen»

Unzählige Referenzen, breite Modellfamilien und lange Geschichten: Bei den meisten Traditionsmarken ist es eine Mammutaufgabe, sich die exakten Uhrennamen ihrer Editionen zu merken. Kein Wunder also, dass die letzten Jahrzehnte viele einprägsame Spitznamen für einige der berühmtesten Zeitanzeiger hervorgebracht haben. Von lustig bis ernst, von Farben, Formen und Geschichten – freuen Sie sich auf eine spannende Reise durch die Welt der Uhrennamen.  

Der „Panda“: Favorit unter den Uhrennamen 

Im Gegensatz zu Pepsi, Hulk oder Batman handelt es sich beim Panda allerdings um keine Spezialität von Rolex: In der ganzen Uhrenbranche findet der Name des seltenen Bären bei schwarz-weißen Zifferblättern Verwendung. Am berühmtesten ist das „Original Panda Dial“, das wie bei der Daytona Ref. 6265 über drei schwarze Totalisatoren auf drei, sechs und neun Uhr verfügt – eine Konstellation, die unmittelbar an das Gesicht des Bambusfressers erinnert. Etwas realitätsferner zeigt sich das „Inverted Panda Dial“, bei dem weiße Hilfszifferblätter auf einen schwarzen Hintergrund treffen – wie zum Beispiel bei der Breitling Top Time Ref. 810. Andere Anordnungen, die nur teilweise an das Gesicht des Bären erinnern, fallen in die Rubrik der „Semi-Pandas“. Sie verfügen entweder über eine andere Anordnung oder lediglich zwei Totalisatoren, wie die Hamilton American Classic Referenznummer H38416711 demonstriert. 

Hamilton American Classic Intra-Matic Auto Chrono - Uhren, Namen und Spitznamen

 

Wenn die Form entscheidet  

Doch nicht nur Farben, sondern auch markante Formen können der Grund für kuriose Uhrennamen sein. Kaum eine Modellreihe zeigt das besser als die Tissot Banana: Ihr längliches, gebogenes Gehäuse wurde erstmals vor über 100 Jahren lanciert und feiert in der aktuellen Heritage-Serie des Schweizer Herstellers sein Comeback. Entscheidet man sich dann noch für eine goldfarbene Ausführung der Tissot, so ist der Weg zur gleichnamigen Frucht wirklich nicht mehr weit. Alles andere als länglich präsentiert sich hingegen die Breitling Navitimer Ref. 816, unter Fans liebevoll als „Spiegelei“ bezeichnet. Um diesen Uhrennamen zu verstehen, muss man schon genauer hinsehen: Zwar liefern der große Durchmesser und der orangefarbene Sekundenzeiger erste Hinweise auf den Namensursprung, doch entscheidend ist das gewölbte Glas im Profil. Trotzdem braucht es noch reichlich Fantasie, um dabei an ein Ei in der Pfanne zu denken. 

Tissot Heritage Banana - Uhren, Namen und Spitznamen

Wesentlich einleuchtender ist die Bezeichnung unseres nächsten Kandidaten, der Seiko Referenznummer 6138-0040: Ihr gewaltiger Durchmesser von rund 44 x 46 Millimetern, ihre Dicke von über 16 Millimetern und ihr gewölbtes Glas brachten ihr den berühmten Namen „Bullhead“ ein. Das komplette Gegenteil dieses Designs finden wir in Glashütte, wo die kantige Nomos Tetra seit 1992 für Aufsehen sorgt. Passenderweise nach ihrem quadratischen Gehäuse benannt, geht die flache Dresswatch mit zeitloser Modernität und vielen exotischen Farbvarianten auf Kundenfang. Erst kürzlich wurde die Nomos Tetra um vier „Sinfonie“-Modelle zu Ehren Ludwig van Beethovens erweitert – wer elegante Abwechslung am Handgelenk sucht, ist hier richtig. Und auch diese Namen sind interessant: Sie heißen:  

  • Ode an die Freude 
  • Unsterbliche Geliebte 

NOMOS Glashütte Tetra Ode an die Freude - Uhren, Namen und Spitznamen            NOMOS Glashütte Tetra unsterbliche Geliebte - Uhren, Namen und Spitznamen

  • Götterfunken 
  • Fidelio 

NOMOS Glashütte Tetra Götterfunken        NOMOS Glashütte Tetra Fidelio

Bunte Farben, bunte Namen: Spitzenreiter Rolex 

Geht es um die Berühmtheit und schiere Anzahl origineller Spitznamen, belegt die fünfzackige Krone aus Genf mühelos den ersten Platz. Das Besondere bei Rolex: Nicht die Kollektionen selbst, sondern einzelne Farbvarianten – meist der Submariner oder GMT-Master – werden mithilfe dieser einprägsamen Kosenamen unterschieden. Allen voran die Submariner Ref. 116610LV, besser bekannt als „Hulk“: Nach dem furiosen Monster der gleichnamigen Marvel-Comics benannt, sticht sie durch die grüne Gestaltung von Lünette und Zifferblatt aus der Masse der Taucheruhren hervor. Bleiben wir bei Superhelden, fällt mit der „Batman“ eine weitere Berühmtheit des Rolex-Universums ins Auge: Dabei geht es um die GMT Master II Referenznummer 116710BLNR, deren blau-schwarze Lünette und schwarzes Zifferblatt an die nächtliche Erscheinung des Fledermausmannes aus Gotham City erinnern.  

Diese zwei Beispiele sind nur ein kleiner Auszug jenes Lexikons an Kosenamen, die die Rolex-Fangemeinde über die Jahre etabliert hat. Was bei den weltberühmten „Pepsi“ Modellen mit blau-roter Lünette (zum Beispiel der GMT-Master II Ref. 16710) beginnt, geht über die blaue „Schlumpf“ (Submariner Date Referenznummer 116619LB) und endet bei der „Fat Lady“, einer übergroßen Variante der GMT-Master II von 1983 (Referenznummer 16760). Hinzu kommt die Daytona Ref. 6265, deren schwarz-weißes Zifferblatt sehr trefflich zum Spitznamen „Panda“ geführt hat.  

Historisch inspirierte Uhrennamen 

In anderen Fällen hingegen führten historische Leistungen, Traditionen und wichtige Ereignisse zur Schaffung origineller Uhrennamen. Eine Tatsache, die keine Kollektion stärker verdeutlicht als die Omega Speedmaster: Während die Speedmaster Professional (heutige Referenz 311.30.42.30.01.005) durch ihren Einsatz bei der ersten Mondlandung im Jahr 1969 und die Begleitung aller sechs Apollo-Missionen der NASA zur „Moonwatch“ wurde, erlangte die Ref. CK2998 als „First Omega In Space“ (FOIS) am Handgelenk des US-Astronauten Walter Schirra Berühmtheit. Häufig wird sie deshalb einfach Omega Speedmaster Walter Schirra genannt. Ein weiterer NASA-Astronaut, Ed White, lieferte die Namensvorlage für die Moonwatch-Referenz 105.003: Sie zierte sein Handgelenk beim ersten Weltraumspaziergang der Menschheitsgeschichte im Jahr 1965 und hört auf den Namen ihres berühmten Trägers.  

Omega Speedmaster Professional Moonwatch Omega Speedmaster Moonwatch "First Omega in Space"

Auch bei Longines – genauer gesagt in der Heritage Kollektion des Schweizer Herstellers – finden wir zahlreiche Namensbezüge zu historischen Leistungen. So ist die Taucheruhr Skin Diver (Referenznummer L2.822.4.56) etwa nach einer speziellen Art des Tauchens benannt, bei der man zeitweise ohne Taucheranzug und Sauerstoffgerät in größere Tiefen vordringt. Als die originale Skin Diver im Jahr 1959 erschien, erfreute sich diese Art des Tauchens einer noch größeren Beliebtheit als heute. Andere Modelle wie beispielsweise die „Lindbergh Hour Angle Watch“ sind direkt nach ihren historischen Vätern benannt: So entwarf Charles Lindbergh den Vorläufer der heutigen Stundenwinkeluhr, als er von seinem berühmten Atlantikflug zurückkehrte und die mangelhafte Ausstattung der bisherigen Zeitanzeiger kritisierte. Ebenfalls prominent sind die Longines „Weems“-Editionen, benannt nach dem amerikanischen Kommandanten Philip van Horn Weems. Er war es, der in den 1920ern eine der ersten brauchbaren Navigationsuhren der Horologie entwarf. 

Longines Heritage Skin Diver 42mm Longines Heritage Lindbergh's Atlantic Voyage Watch

Fazit: Die hohe Bedeutung der Uhrennamen 

Egal ob kurios, lustig oder ernst: Einprägsame Uhrennamen verleihen der Branche ein lebendiges Gesicht und sind ein unverzichtbarer Bestandteil vieler berühmter Zeitanzeiger. Dabei ist die Vielfalt der Spitz- und Herstellernamen gewaltig und ragt weit über die Menge unserer Beispiele hinaus. Für Enthusiasten lohnt es sich, einen näheren Blick auf die Welt der originellen Bezeichnungen zu werfen und damit zum echten Experten zu werden. 

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