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Uhren im Weltall

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Zur Ausstattung jedes Weltraumpiloten gehört natürlich auch eine Uhr und so verbinden sich mit vielen großen Ereignissen der Raumfahrtgeschichte auch immer exklusive Uhrenmodelle. Erfahren Sie, welche Uhren schon den Orbit bereist haben und welches Masterpiece als bisher einzige Uhr auf dem Mond landete.

Poljot Sturmanskie Fliegerchrono
@wikipedia – Gordito1869

Die erste Uhr im All

Am 12. April 1961 begann mit dem Start der ersten sowjetischen Rakete das Kapitel der bemannten Raumfahrt: Juri Gagarin flog als erster Mensch mit dem Raumschiff Wostok 1 ins All und mit ihm die erste Uhr, eine „Sturmanskie“, gefertigt in der ersten Moskauer Uhrenfabrik. 106 Minuten lang dauerte dieser erste Flug, von dem sowohl der Pilot als auch seine Uhr wohlbehalten wieder auf die Erde zurückkamen. Die russischen Armbanduhren sind bis heute bei Sammlern beliebt, auch wenn hier eher die Robustheit des Zeitanzeigers geschätzt wird. Entwickelt für den eher rauen Einsatz in der russischen Armee verbindet der Kenner mit diesen Uhren nicht den Luxus, wie er von einer Rolex oder Tag Heuer geboten wird.

Eine Stoppuhr von Tag Heuer umkreist die Erde

Als John Glenn am 20. Februar 1962 dreimal in fünf Stunden die Erde im Weltraum mit der Raumkapsel Friendship 7 umkreiste, trug der amerikanische Pilot mit seiner Stoppuhr Reference 2915A von Tag Heuer eine Schweizer Präzisionsuhr. „Was soll man über einen Tag sagen, an dem man vier wunderbare Sonnenuntergänge gesehen hat?“ äußerte sich der US-Astronaut Glenn später über den Tag, den Elon Musk, CEO und Gründer des privaten amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX fünfzig Jahre später als „Ein großer Tag für Amerika und für die ganze Welt. Und zweifellos ein wichtiger Schritt in der Raumfahrt“ bezeichnet hat. Am 25. Mai 1961, knapp sechs Wochen nach dem ersten bemannten Weltraumflug, gab der amerikanische Präsident John F. Kennedy in einer Sitzung des Kongresses bekannt, einen bemannten Raumflug zum Mond und zurück zu unternehmen, noch bevor das Jahrzehnt abgelaufen sei. Der Wettstreit um die Vorherrschaft im Weltall zwischen den Sowjets und Amerikanern hatte damit begonnen. Für die Weltraummission hatte Glenn extra ein von der NASA angefertigtes Gummiband am Handgelenk, an dem die Tag Heuer befestigt war. Inzwischen hat die von John Glenn im Original getragene Uhr im National Air & Space Museum in Washington D.C. einen verdienten Platz gefunden, aber auch in der Schweiz wird die Uhr als Replikat gezeigt, im Tag Heuer 360° Museum in La Chaux de Fonds.

Nach 50 Jahren Neuauflage von Tag Heuer

Tag Heuer Carrera Calibre 1887 Chronograph SpaceX Limited EditionZum 50-jährigen Jahrestag des Weltraumflugs der Reference 2915A brachte Tag Heuer mit der Carrera Calibre 1887 SpaceX ein Nachfolgemodell heraus, das sich in seiner Gestaltung an dem Vorbild orientiert. Das Gehäuse, in dem das hochmoderne Automatikwerk des Kalibers 1887 tickt, ist ein klein wenig größer als das historische Original. Auch die Carrera Calibre 1887 SpaceX wurde im Weltall getestet. Die Dragonkapsel der SpaceX Falcon-9-Rakete brachte die Uhr zur ISS, der internationalen Raumstation und schmückt jetzt als Gravur den Boden der Uhr. Optisch ist die Carrera eine echte Reminiszenz an die Reference 2915A: Die arabischen Ziffern sind die gleichen, wie bei Glenn. Ein braunes Lederarmband, wie es in den 60er Jahren modern war, komplettiert die Armbanduhren.

Mit dem Breitling Navitimer hoch hinaus

Ein Vierteljahr nach John Glenn startete der amerikanische Astronaut Malcolm Scott Carpenter mit seinem Raumschiff Aurora 7 und umkreiste dreimal unseren blauen Planeten, bevor er wieder sicher auf der Erde landete. An seinem Arm flog ein Breitling Navitimer mit hinaus ins Weltall, der bis heute zu den Klassikern gezählt wird und immer wieder neue Auflagen erlebt. Der Chronograph Breitling Navitimer Cosmonaute zeigt alle 24 Stunden in einem Rund an, so dass Carpenter immer die korrekte Uhrzeit im All ablesen konnte, egal ob im dunklen All gerade Tag oder Nacht herrschten. Die Breitling Navitimer Cosmonaute wird seit mehr als einem halben Jahrhundert von Breitling immer wieder aufgelegt und wahlweise mit einem Gehäuse aus Rotgold oder Edelstahl gefertigt. Eine Edition mit einem Gehäuse aus schwarzem Stahl wurde 2013 entwickelt, von der lediglich 1.000 Armbanduhren gefertigt wurden. Das Gehäuse des Breitling Navitimer verfügt über einen Durchmesser von 43 Millimeter, die Mechanik wird von Hand aufgezogen und hat eine Gangreserve von insgesamt 70 Stunden. Die Lünette ist mit einem Rechenschieber versehen, so dass Navigation, die Berechnung der Durchschnittsgeschwindigkeit, Steig- und Sinkflugraten und die Berechnung des Verbrauchs an Treibstoff direkt auf der Uhr durchgeführt werden können. Der Breitling Navitimer Cosmonaute hat – wie die Tag Heuer – ein Ziffernblatt von 1 bis 24 und zeigt somit den ganzen Tag in lediglich einer Umdrehung an.

Das Gehäuse in Rotgold, Edelstahl und schwarzem Edelstahl

Das Gehäuse aus Edelstahl hat ein schwarzes Hauptziffernblatt, weiße Zeiger und weiße Hilfszifferblätter. Die Zifferblätter des Gehäuses in Rotgold und schwarzem Stahl sind ebenfalls schwarz, hier setzen die Zeiger rote Akzente. Auf der Unterseite des Gehäuses sind die Insignien der Mission Aurora 7 eingraviert, als Erinnerung an den Flug von Malcolm Scott Carpenter. Dass die Armbanduhren Breitling Navitimer den Namen Cosmonaute trägt, könnte der Herkunft der Uhr geschuldet sein: Der Firmensitz von Breitling befindet sich in La Chaux-de-Fonds, an der Grenze zu Frankreich im Jura. Dort wird in der Hauptsache französisch gesprochen und Cosmonaute ist die französische Bezeichnung der Astronauten.

Der Mann im Mond trug eine Omega Speedmaster

Zwar trug bereits Walter Schirra als fünfter Mann im All 1962 eine Omega Speedmaster, doch richtig berühmt wurden die Armbanduhren erst, als die Omega Speedmaster mit Buzz Aldrin 1969 – Neil Armstrong hatte mit seiner Speedmaster die kaputte Uhr in der Mondlandefähre ersetzt – als erste Uhr – und bis heute einzige – auf dem Mond landete.  Vorher bestand die Omega Speedmaster alle Tests der NASA, vertrug klirrende Kälte ebenso wie Hitze von 93 Grad Celsius, überstand Vibrationen, Stöße und Schwerelosigkeit und ließ sich auch von magnetischen Felder nicht beirren. Im März 1965 erklärte die NASA deswegen die Omega Speedmaster als „flugtauglich für alle bemannten Weltraummissionen“. Bis heute gehören die Armbanduhren der Omega Speedmaster sowohl für die russischen aber auch die amerikanischen Kosmonauten und Astronauten zu ihrer Ausrüstung und ist die einzige Uhr, die für Außenarbeiten an der ISS im Weltall zugelassen ist.

An allen Missionen im Weltall beteiligt

Omega Speedmaster Professional Moonwatch Kaliber 1863Den Titel Moonwatch trägt die Omega Speedmaster bis heute. Sie begeistert durch ihre Robustheit, die von Präzision und guter Ablesbarkeit ergänzt wird. Die Uhrwerke in der Omega Speedmaster besitzen einen Handaufzug und wurden ständig weiterentwickelt. War in der ersten Moonwatch noch das Kaliber 321, wird sie jetzt mit dem Kaliber 1863 ausgeliefert. Für die Missionen der NASA stehen neben der Omega Speedmaster mit der G-Shock eine Armbanduhr von Casio und die Timex Ironman Triathlon Data Link parat, die richtige Zeit anzuzeigen.

Auch Armbanduhren von Fortis erlebten die Schwerelosigkeit

Das Uhrwerk Lemania 5100 von Fortis ist sicherlich das Uhrwerk, das die härtesten Tests über sich ergehen lassen musste. Dafür wurde es in der Hochgeschwindigkeitszentrifuge des TsF-18 des Trainingszentrums der Kosmonauten in der Nähe von Moskau bis an seine physikalischen Grenzen getestet. Dabei wirkte eine Kraft von 12G auf das Fortis-Uhrwerk ein, das Zwölffache der Anziehungskraft der Erde. Für den Einsatz in einem Jagdflugzeug beispielsweise muss die Ausstattung lediglich 9G aushalten. Auch den Parabelflug, der die Schwerelosigkeit simuliert, überstand das Uhrwerk tadellos und überzeugte durch seine präzise Leistung. Selbst ein Vakuumtest in der Druckkammer des Trainingszentrums blieb ohne Auswirkungen auf die Präzision. Nachdem das Uhrwerk von Fortis in den Tests seine Tauglichkeit bewiesen hatte, durfte es mit der Mission Sojus TM 19 ins All und wurde im freien Weltraum getragen. Über elf Stunden lang mussten die Chronographen von Fortis Temperaturen zwischen 130 Grad Celsius und minus 170 Grad Celsius überstehen: So groß ist die Differenz zwischen Erdschatten und direkter Sonneneinstrahlung. Die russischen Kosmonauten tragen die Chronographen von Fortis seit 1994 als offizielle Ausrüstung. Dank Schweizer Neutralität sind die markanten Armbanduhren von Fortis aber nicht nur in Russland, sondern auf der ganzen Welt beliebt. Und das nicht nur bei Piloten.