Armbanduhr liegt neben Kompass
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Uhr entmagnetisieren

« Wie Magnetismus im Alltag unsere Uhren weniger Präzise laufen lässt »

Egal ob in der Elektrotechnik, Medizin oder Industrie: Magnetfelder erfüllen wichtige bis lebensrettende Aufgaben. Uhrenliebhabern sind sie allerdings ein Dorn im Auge, weil sie die Präzision mechanischer Zeitanzeiger spürbar reduzieren können. Wir erklären die Ursachen für Magnetismus im Alltag, wie Sie eine betroffene Uhr entmagnetisieren und welche Mittel die Hersteller einsetzen, um ihre Modelle resistenter gegen Magnetfelder zu machen.

Quellen des Magnetismus im Alltag

Elektrogeräte prägen nahezu jeden Aspekt unseres täglichen Lebens: Vom Induktionskochfeld über das Smartphone bis zum Bluetooth-Kopfhörer breiten sich zahlreiche Magnetfelder aus, die eine schädigende Wirkung auf die Genauigkeit mechanischer Uhren haben können. Ein gewisser Einfluss lässt sich also nicht vermeiden. Die Frage ist, welche Quellen die stärksten Übeltäter sind und ob sie gezielt vom Zeitanzeiger ferngehalten werden können. Die Antwort lautet ja: Wer Soundbars, PCs und Tablets von der Uhr trennt, vermeidet die heftigsten Auswirkungen. Vermeintlich harmlose Objekte wie Mixer oder Damenhandtaschen mit Magnetverschluss zählen ebenfalls zu den größten Verursachern einer gestörten Ganggenauigkeit.

Jemand arbeitet am Laptop, Tasse Kaffee, Armbanduhr liegen daneben, möglicherweise muss man die Uhr entmagnetisieren
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Was passiert, wenn ein mechanisches Kaliber magnetisiert ist?

Beim Thema Magnetismus spielt die Unterscheidung von Quarz- und mechanischen Uhren eine zentrale Rolle. Während erstere eine weitestgehende Resistenz besitzen und lediglich während ihres Aufenthalts im Magnetfeld unpräzise laufen, ist die Wirkung bei Handaufzugs- und Automatikmodellen nachhaltig. Ihre Funktionsweise basiert auf dutzenden, oftmals sogar hunderten beweglichen Metallteilen, die für einen exakten Gang perfekt miteinander harmonieren müssen. Kommt jetzt ein Magnet ins Spiel, gerät die Symphonie aus dem Gleichgewicht. Abhängig von der Intensität der Quelle und der Dauer der Beeinflussung sind verschiedene Folgen denkbar – von wenigen Sekunden täglicher Ungenauigkeit bis zum kompletten Stillstand des Kalibers. Das Hauptproblem ist die empfindliche Spiralfeder, deren Windungen durch Magnetfelder näher „zusammenrücken“, eine unnötig hohe Kraft erzeugen und das Tempo der Schwingung beschleunigen. Im Ergebnis läuft der Zeitanzeiger zu schnell.

Mechanische Armbanduhr, zerlegt - möglicherweise muss man die Uhr entmagnetisieren
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Magnetisierte Uhr erkennen

Ist diese Gangveränderung stark genug, liefert sie bereits ein aussagekräftiges Indiz für eine Magnetisierung. Doch auch mechanische Fehler oder eine benötigte Wartung könnten der Grund sein. Bevor man eine Uhr entmagnetisieren lässt, empfiehlt sich daher ein zusätzlicher Test: Legt man einen Kompass neben das Meisterstück und beobachtet eine Ablenkung der Nadel, kann man eine magnetisierte Uhr erkennen. Glücklicherweise handelt es sich dabei um den harmlosesten „Schaden“, der einem Zeitanzeiger widerfahren kann – wer seine Armbanduhr entmagnetisieren lässt, behebt das Problem innerhalb weniger Sekunden und hat keine langfristigen Beeinträchtigungen an der Uhr zu erwarten.

Armbanduhr liegt neben einem Kompass - möglicherweise muss man die Uhr entmagnetisieren
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Behebung des Problems: Armbanduhr entmagnetisieren

Wer eine Uhr entmagnetisieren möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder den Gang zum professionellen Uhrmacher oder die eigenständige Realisierung. Setzt man auf den Experten, profitiert man von der Sicherheit einer hundertprozentigen Durchführung und einer schnellen, günstigen Prozedur. Eine Armbanduhr zu entmagnetisieren, dauert im Geschäft ein paar Minuten und dürfte die 20-Euro-Marke nur in Ausnahmefällen überschreiten – viele Händler bieten den Service für eigene Kunden sogar gratis an. Sammler und Liebhaber, die selten mit den Auswirkungen einer Magnetisierung zu tun haben, treffen mit der Fehlerbehebung beim Experten die richtige Entscheidung und können im selben Zug auch die restliche Funktionstüchtigkeit des Zeitanzeigers überprüfen lassen. Wer magnetische Quellen im privaten wie beruflichen Umfeld nicht vermeiden kann, wird dem Problem häufiger begegnen und sollte darüber nachdenken, seine Uhr selbst zu entmagnetisieren.

Kunde mit einer Armbanduhr im Uhrengschäft - möglicherweise muss man die Uhr entmagnetisieren
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Wie verwendet man einen Uhren-Entmagnetisierer?

Die Lösung heißt Uhren-Entmagnetisierer und ist eine simple Apparatur, deren Bedienung keine Fachkenntnisse erfordert. Das qualitative Spektrum ist groß: Während professionelle Geräte für den Einsatz beim Uhrmacher hunderte Euro kosten, sind die günstigen Geräte im Internet bereits für zehn Euro erhältlich. Dabei handelt es sich meist um chinesische Importe, die EU-weite Sicherheitsstandards wie das CE-Zeichen vermissen lassen – Benutzung auf eigene Gefahr. Erfahrungsgemäß erfüllen sie ihren Zweck aber reibungslos und können eine Armbanduhr so entmagnetisieren, dass anschließend keine Gangstörung mehr vorliegt.

Zur Bedienung: Will man die Uhr entmagnetisieren, legt man sie mit dem Gehäuseboden auf die Kontaktfläche des Gerätes, schaltet letzteres ein und lässt den Zeitanzeiger wenige Sekunden darauf liegen. Während der Entmagnetisierer noch eingeschaltet ist, entfernt man die Uhr langsam von der Kontaktfläche und wiederholt den Vorgang, falls das Problem nicht behoben wurde. Woher man weiß, ob die Magnetisierung entfernt wurde? Falls die Gangabweichungen vorher extrem waren und mehrere Minuten täglich betrugen, genügt es, einen Tag zu warten und die Zeit zu vergleichen. Wer feinere Effekte messen möchte, benötigt eine sogenannte Zeitwaage – jenes Messgerät, das auch beim Uhrmacher zum Einsatz kommt.

Zeitwaage für eine Armbanduhr
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Vorsorge: Antimagnetische Zeitanzeiger kaufen

Wir sehen: Es ist kein Hexenwerk, eine Armbanduhr zu entmagnetisieren. Nichtsdestotrotz betreiben renommierte Hersteller wie Rolex, Omega oder Sinn einen großen Aufwand, um ihre Modelle widerstandsfähiger gegen Magnetfelder zu machen. Vor allem Träger, die regelmäßigen Magnetfeldern nicht ausweichen können, profitieren von diesen Technologien und sparen sich den regelmäßigen Aufwand, ihre Uhr zu entmagnetisieren.

Rolex Cosmograph DaytonaSinn 910 Jubiläum

Die Ansätze sind unterschiedlich: Während Weicheisenkäfige wie etwa bei der Rolex Milgauss eine Abschirmung des Uhrwerks von der Außenwelt erzielen, lösen moderne Komponenten wie Silizium-Spiralfedern das Problem „von innen“ und erreichen die höchstmögliche Resistenz. Omegas Co-Axial-Kaliber wie sie unter anderem bei der De Ville Prestige zum Einsatz kommen, versprechen beispielsweise eine Unempfindlichkeit bis 15.000 Gauß, was rund 1,2 Millionen Ampere pro Meter und damit dem Magnetfeld eines typischen Induktionsfelds entspricht.

Rolex Milgauss Omega De Ville Prestige Co-Axial

Wichtig: Auch diese Uhren können magnetisiert werden, halten den Feldern aber wesentlich besser stand als ungeschützte Zeitanzeiger. In jedem Fall gilt: Wer seine Armbanduhr entmagnetisieren lässt, kann das Problem mangelnder Ganggenauigkeit oftmals spielend leicht aus dem Weg räumen.

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