Komplikationen

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In der Horlogerie bezeichnen Komplikationen aufwändige Zusatzfunktionen in mechanischen Uhren, die über das gängige Anzeigen der Zeit inklusive Sekunde, Minute und Stunde hinausgehen. Dabei unterscheidet man zwischen den sogenannten kleinen und großen Komplikationen. Gerade letztere sind äußerst komplex und werden von kunstfertiger Meisterhand hergestellt.

Große und kleine Komplikationen

Die Grundfunktion einer jeden Uhr ist das Anzeigen der Zeit. Alle weiteren Funktionen, die darüber hinausgehen, werden Komplikationen genannt. Die Komplexität dieser Funktionen nimmt dabei eine weitreichende Bandbreite ein. Das kann etwa die Anzeige des Datums oder des Wochentages ebenso sein wie eine zweite Zeitzone, die Mondphasen, Drehlünette oder die Gangreserve, die bei automatischen Uhren zum Einsatz kommt. Bei allen Funktionen handelt es sich um kleine Komplikationen, die noch sehr weit verbreitet sind und in vielen Modellen zum Einsatz kommen. Daneben gibt es noch die großen Komplikationen, die deutlich komplizierter in der Anfertigung sind, weshalb sie in nicht ganz so vielen Zeitanzeigern zu finden sind. Zu diesen gehören der ewige Kalender, die Minutenrepetition oder das Tourbillon. Diese sind gewissermaßen die Königsklasse der Haute Horlogerie und, allein mit mechanischen Mitteln gefertigt, meisterhafte Kontruktionen. An diesen seltenen Meisterstücken setzten die begabtesten Uhrmacher in den Manufakturen jedes einzelne Teil zu diesem komplizierten Werk zusammen, Stück für Stück, Einzelteil für Einzelteil – ein wahres Kunstwerk entsteht.

Breguet Classique Automatic Herrenuhr weißgoldDie Leistungen, die große Komplikationen vollbringen können, lassen sich am ewigen Kalender verdeutlichen, der sehr beliebt ist. Mit diesem können mechanische Uhren den Tag, das Datum, den Monat, gelegentlich auch das Jahr und die Mondphase anzeigen – bis zum Jahr 2100 wird bis dahin mitunter keine einzige Korrektur benötigt. Dabei hat unser Kalender eine ganze Reihe an Ausnahmen, die diese Komplikation berücksichtigen muss. Mit seinen feinen Zahnrädern, Federn und Spiralen wechselt das Werk die Monate und berücksichtigt nicht nur deren unterschiedlichen Längen von 28, 30 und 31 Tagen, sondern sogar den 29. Februar, der alle vier Jahre im Schaltjahr hinzukommt.

Die Repetition als Gipfel der Uhrmacherkunst

Die Repetition gehört zu den kompliziertesten Funktionen, die in eine Armbanduhr eingebaut werden können. Diese sorgt dafür, dass das Uhrwerk in zeitlichen Abständen durch einen Schalter am Gehäuse zum Klingen gebracht wird. Auf diese Weise können, je nach Mechanismus, die vollen und auch die Viertelstunden akustisch angezeigt werden. Es gibt sogar automatische Varianten, die eine Repetition haben, mit der Fünf-Minuten-Intervalle oder Minuten angezeigt werden. Insbesondere letztere erweist sich als eine Anfertigung, die in ihrer Komplexität als eine der höchsten Disziplinen in der Uhrmacherei gilt. Dabei wird die Stunde durch einen tiefen, die Minuten durch einen hohen Ton angezeigt. Die Viertelstunden werden durch zwei aufeinanderfolgende Tonsequenzen dargestellt. Dieser Mechanismus besteht aus mehr als 100 Einzelteilen, die mit höchster Filigranität in die Zeitanzeiger eingearbeitet werden müssen. Langjährige Erfahrung ist notwendig, um sich dieser Aufgabe zu widmen und selbst dann beschäftigt sie Experten mit Leichtigkeit 200 bis 300 Stunden.

Breguet Grandes Complications Herrenuhr TourbillonWeitere Komplikationen

Zu den großen und sehr aufwändigen Komplikationen gehört ebenso, wie oben bereits erwähnt, das von Abraham-Louis Breguet entwickelte Tourbillon, das seit mehr als 200 Jahren als Meisterstück der Uhrmacherkunst gilt. Dabei wird die Unruh in einem kleinen, um sich selbst drehenden Käfig montiert. Ursprünglich für Taschenuhren erfunden, um den Einfluss der Schwerkraft auf diese zu verringern und deren Ganggenauigkeit zu erhöhen, ist dieser Effekt bei Armbanduhren kaum noch messbar, da diese ständig mit dem Arm bewegt werden. Als stilsicheres Accessoire im Accessoire erfreut sich die Konstruktion dennoch weiterhin großer Beliebtheit.

Oft einfach als weitere Uhrenvariante bezeichnet, stellt der Chronograph tatsächlich eine Komplikation mit seinen Funktionen dar. In ihm steckt eine mechanische Stoppuhr, mit der der Träger einen vergehenden Zeitraum exakt messen kann. Moderne Ausführungen zeichnen sich durch höchste Präzision aus. Beispielsweise entwickelte Tag Heuer einen Chronographen als offiziellen Zeitnehmer für das Indy 500-Rennen, der die Zeit auf eine tausendstel Sekunde genau messen kann.

Breguet Grandes Complications Herrenuhr Tourbillon PlatinWenn es um Genauigkeit geht, kann die Seconde Foudroyante ebenso mit einer präzisen Arbeitsweise aufwarten. Sie wird auch die blitzende Sekunde genannt und zeigt die Bruchteile der Sekunde auf einem zusätzlichen Hilfszifferblatt an. Bei modernen Ausführungen ist eine Genauigkeit von einer achtel Sekunde möglich. Diese äußerst seltene Spezialität wird heute von Jaquet SA für Graham wieder gebaut.

Zuletzt betrachten wir noch die Rattrapante: Der Name für diese Komplikation stammt aus dem Französischen: „rattraper“ heißt einfangen, einholen. Rattrapante ist ein zweiter Sekundenzeiger, auch als Schleppzeiger bezeichnet, der mit diesem synchronisiert ist, sich jedoch separat anhalten lässt. Bereits 1922 wurden die ersten Uhren mit Rattrapante von Patek Philippe auf den Markt gebracht.

Von Uhrmachern und Kadraturisten

Zur Namensgebung für die zusätzlichen Funktionen in mechanischen Uhren kam es, weil sich rund um den Genfer See die besten Uhrmacher der Schweiz angesiedelt hatten. Dort war Französisch die übliche Sprache. Complication hieß daraus übersetzt einfach „Erschwernis“. Wurden mechanische oder automatische Uhren nicht nur mit einer, sondern sogar mit mehreren Komplikationen versehen, wurden sie Grande Complication genannt, die heute eine eigene Meisterklasse bilden. Vom Federwerk wird zunächst das eigentliche Uhrwerk, das Räderwerk, angetrieben, damit die Stunden, Minuten und Sekunden angezeigt werden können. Werden weitere Werke vom Federwerk angetrieben, werden diese Komplikationen genannt. Unter dem Begriff Kadraturen sind sie ebenfalls bekannt und für deren Fertigung gibt es sogar einen eigenen Beruf. Gemeinsam mit dem Uhrmacher fertigt der Kadraturist die zusätzlichen Funktionen. Die bislang meisten der komplexen Ergänzungen stecken im Calibre 89 von Patek Philippe: In dieser stecken insgesamt 33 unterschiedliche Komplikationen, was sie zu einer der teuersten Uhren macht. 6,6 Millionen Schweizer Franken brachte ein solches Modell mit Grande Complication 2004 auf einer Auktion ein.

Komplikationen im Breitling Chronomat 44

Breitling Chronomat 44 in Stahl poliertJeder weiß: Uhren sollen die Zeit anzeigen. Doch seit jeher haben sich geschickte und kreative Uhrmacher daran gemacht, immer aufwändigere Zusatzfunktionen zu entwickeln und große Manufakturen können mit vielfältigen Extras aufwarten. So hat Breitling etwa mit dem Chronomat 44 eine Armbanduhr entwickelt, die über ein System von zwei Zeitzonen verfügt und für Vielreisende und Piloten einen leicht zu bedienenden Chronographen darstellt. Mit einem Blick lässt sich neben der Heimatzeit auch die gerade gültige Ortszeit bestimmen. Mit dem 24-Stunden-Kreis der Lünette können sogar Tag und Nacht eindeutig an den Uhren abgelesen werden. Wer die Zeitzonen einstellen möchte, braucht lediglich die Krone herauszuziehen, damit sich diese entweder vor- oder rückwärts drehen lässt. Die präzisen Minuten werden durch diese Einstellung nicht verändert. Die Datumsanzeige übernimmt dabei automatisch das lokale Datum. Außerdem verfügt der Chronomat 44 von Breitling über weitere Komplikationen: Mit ihm lässt sich – wie mit jedem Chronographen – auch die Zeit stoppen. Auf den silberfarbenen Hilfszifferblättern lassen sich die gestoppten Zeiten besonders vor dem schwarzen Hauptzifferblatt ausgezeichnet ablesen. Das Modell ist, wie viele andere automatische Uhren von Breitling, zertifiziert und verfügt also über einen Nachweis ihrer extrem hohen Genauigkeit.

Tag Heuer Carrera Calibre HEUER 02 T Automatik Chronograph 45 mm TourbillonKomplikationen sind für Liebhaber

Sicherlich erfüllen viele Komplikationen noch immer einen praktischen Zweck, wie etwa die Datumsanzeige und Stoppfunktionen, doch auch wenn andere Funktionen wie das Tourbillon ihren praktischen Nutzen nicht mehr so zur Geltung bringen können, wie früher, legen sie dennoch Zeugnis für die meisterhafte Expertise der großen Uhrmacher ab und erfreuen noch immer Liebhaber von hochwertigen Uhren mit ihrer filigranen Verarbeitung und der großen Leistung die hinter den Komplikationen steckt.