Julien Tornare

« Zenith CEO gilt als Erneuerer »

Rote Zahlen statt altem Glanz: Als Julien Tornare im Mai 2017 das Ruder bei Zenith übernimmt, fehlt der Schweizer Traditionsmarke eine klare Strategie. Der neue CEO greift entschlossen durch und renoviert den Hersteller auf sämtlichen Ebenen – neue Produkte, ein neues Marketing und ein geschärftes Profil sollen der 1865 gegründeten Manufaktur zu neuen Erfolgen verhelfen. Im Fokus Tornares steht nicht nur die Neudefinition der Luxusklasse, sondern vor allem das Interesse der jungen Generation.

Von Richemont zu LVMH: Ein radikaler Wechsel

Nachdem Aldo Magada im Januar 2017 seinen Rücktritt als Zeniths CEO bekanntgibt, sucht die zum Pariser Luxusgüterkonzern LVMH gehörende Marke eine neue Orientierung. Zunächst übernimmt Jean-Claude Biver persönlich die Führung des Herstellers: Durch seine großen Erfolge als Erneuerer Omegas und Hublots berühmt geworden, gilt er als eine moderne Legende der Schweizer Uhrenindustrie.

In seiner Funktion als Leiter der Uhrensparte LVMHs sucht Biver nach einer innovativen Führungspersönlichkeit für das Sorgenkind Zenith – mit Erfolg: Nur wenige Monate später fällt seine Wahl auf Julien Tornare, einen studierten Wirtschaftswissenschaftler aus Genf. Seine Karriere in der horologischen Branche beginnt Tornare 1997 als Verkaufsbereichsleiter bei Raymond Weil, gefolgt von einer Position als Verkaufsleiter für die Schweizer Region bei Vacheron Constantin im Jahr 2000.

Anschließend für das Nordamerika- und Asien-Pazifik-Geschäft der zum Richemont-Konzern gehörenden Luxusmarke tätig, erarbeitet sich Tornare den Ruf eines energischen und motivierten Meisters seines Fachs.

Nach 17 Jahren bei Vacheron Constantin führt ihn das Verlangen nach einer neuen Arbeitsumgebung zum konkurrierenden LVMH-Konzern, wo er als CEO Zeniths mit der gründlichen Erneuerung des schwächelnden Herstellers betraut wird.

Der Plan: Starke Produktoffensive mit Zukunftsorientierung

Eine beträchtliche Verantwortung, schließlich hängen über 150 Jahre Unternehmensgeschichte an der Marke mit dem fünfzackigen Stern.

In Le Locle vom Uhrmacher Georges Favre-Jacot als „Fabrique des Billodes“ gegründet, spezialisierte sich Zenith bereits früh auf die Fertigung hauseigener Hochleistungskaliber und wird heutzutage fast ausschließlich mit einem Uhrwerk assoziiert: Dem berühmten El Primero aus 1969. Seine hohe Frequenz von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, aber auch die komplexe Handarbeit seiner Produktion macht das Kaliber seit 50 Jahren zu einem Meisterwerk seiner Klasse.

Zenith Chronomaster El Primero in der Version 03-2150-400-69-M2150

Auch Julien Tornare weiß um das reiche Erbe des Uhrwerks. Doch statt sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen, setzt der fortschrittliche CEO auf eine stetige Weiterentwicklung des Kalibers: So werden in den nächsten Jahren sämtliche bestehende Varianten durch das neue El Primero 3600 ersetzt, eine völlig umgestaltete Ausführung des Innovationsträgers. An der bisherigen Aufstellung der Kollektionen will Tornare festhalten: So bleiben die eleganten Elite- und funktionalen Pilot-Modelle ebenso im Programm wie die berühmte Chronomaster.

Beim Produktfortfolio geht es dem Markenchef nicht um eine Revolution – vielmehr steht eine Reduktion der Varianten und damit Schärfung des Profils im Vordergrund. So soll eine deutliche Abgrenzung zu anderen Luxusmarken erreicht werden.

Individualität und die junge Generation im Fokus

Diese Abgrenzung will Julien Tornare vor allem durch Substanz und nicht etwa pures Marketing erreichen. So soll die Schweizer Marke zukünftig ausschließlich Manufakturwerke anbieten und ihre hohen Qualitätsstandards in die Aufmerksamkeit der Kundschaft rücken.

Es geht darum, sich als gleichstarker Player wie Omega oder Rolex zu positionieren und dem Käufer ein individuelles Erlebnis zu bieten. Eine Uhr, die nicht jeder hat.

Einen Zeitanzeiger, der im Gegensatz zu einer Datejust oder Seamaster keine Weltberühmtheit ist – und gerade deshalb eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Tornare will diese Botschaft vor allem an junge Enthusiasten richten, die bei ihrer ersten Luxusuhr häufig auf Nummer sicher gehen und eine prestigeträchtige Rolex kaufen. Der CEO betont: „Sie sollen wissen, dass es auf Authentizität ankommt.“

Qualität zum angemessenen Preis

Aber auch in puncto Verkaufs- und Preispolitik verfolgt Tornare sehr klare Strategien. So reduzierte er die Anzahl der Verkaufspunkte innerhalb der ersten zwei Jahre von 841 auf rund 600, um die Qualität des Vertriebs zu verbessern. „Weniger, aber besser“ lautet hier das Credo. Eine verständliche Idee – schließlich muss das Level der Dienstleistung zur Exklusivität des Produkts passen.

Zenith Defy Classic in der Version 49-9002-670-01-R792

Als hauptsächlichen Preisrahmen Zeniths definiert Julien Tornare etwa 5.000 bis 13.000 Euro, wobei der jeweilige Betrag eine angemessene Forderung darstellen soll. Es geht darum, einen echten Wert zu seinem korrekten Preis anzubieten – und nicht etwa Höchstpreise zu verlangen.

Defy-Kollektion: Neuerfindung des High-End-Segments

Oberhalb des durchschnittlichen Preisrahmens verfolgt Tornare eine Stärkung und Erneuerung der Flaggschiffe aus Le Locle. Er ist davon überzeugt, dass Tourbillons und andere High-End-Komplikationen einen essenziellen Teil des Markenkerns darstellen. Doch wie gewohnt, geht ohne kreative Veränderung nichts: So konzentriert sich der seltene Luxus zukünftig auf die Defy-Kollektion, deren skelettierte Editionen bewusst modern gehalten sind. Eine mutige Distanzierung von den klassischen Patek Philippes und Vacheron Constantins dieser Liga.

Besonders stolz ist Zenith auf die Double Tourbillon: Für 112.000 Euro genießt der glückliche Besitzer eine Vereinigung des El Primero-Kalibers mit zwei separaten Tourbillons. Besser könnte die Marke ihre mechanische Kompetenz wohl kaum unter Beweis stellen. Während die Umstrukturierung des Herstellers voranschreitet, arbeitet Julien Tornare bereits an der zukünftigen Aufstellung Zeniths.

Eine vielversprechende Zukunft, betrachtet man die bisherigen Leistungen des Managers: Ihm ist es gelungen, einer großen Traditionsmarke neuen Glanz zu verleihen und den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens drastisch zu erhöhen. Das verdient Lob. Wir können gespannt sein, welche Überraschungen Tornare in den nächsten Jahren für uns bereithält.

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