Die Uhr aus Titan oder Edelstahl – Daraus werden Luxusuhren gemacht

« Unter den Materialien, aus denen Luxusuhren gefertigt werden, finden sich „Klassiker“ wie Edelstahl oder Gold, aber auch zahlreiche exotische Rohstoffe, die teils aus ästhetischen Gründen, teils aber wegen ihrer spezifischen Materialeigenschaften verwendet werden. Einige Materialien wurden sogar eigens für die Herstellung hochwertiger Uhren neu entwickelt. Zentral ist oft die Frage, ob die Uhr aus Titan oder Edelstahl besser ist. Wir stellen die Materialeigenschaften verschiedener Werkstoffe vor, die in der modernen Manufaktur zum Einsatz kommen. » 

 Material für Luxusuhren im Wandel der Zeit

Die Vorstellungen davon, welches Material besonders wertvoll sei, haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert – vor allem infolge des technischen Fortschritts und in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe. Die ersten Räderuhren, die in Europa gefertigt wurden, bestanden aus Eisen und teilweise sogar aus Holz. Auch wenn heute niemand mehr diese beiden Materialien mit Luxusuhren in Verbindung bringen würde, handelte es sich doch zum Beispiel bei den aus Holz gefertigten Uhren um handwerklich höchst anspruchsvolle Arbeiten, die nahezu ausschließlich für Fürsten und hohe Geistliche hergestellt wurden. Später, in der Renaissance, gewann das zunehmend für die Herstellung von Uhren und Uhrwerken eingesetzte Messing rasch an Bedeutung. Es ist aktuell immer noch ein wichtiges Ausgangsmaterial für die Uhrenindustrie – allerdings keineswegs mehr auf das Luxussegment beschränkt.

Holz, Eisen, Edelmetalle und Perlmutt

  • Edelmetalle, vor allem Gold, sowie Edelsteine hingegen erfreuten sich schon in der Antike besonderer Wertschätzung und haben ihren luxuriösen Charakter bis heute nicht verloren.
  • Perlmutt ist ebenfalls schon seit vielen Jahrhunderten gern zu wertvollen kunsthandwerklichen Produkten verarbeitet worden und fand bald auch bei der Herstellung hochwertiger Uhren Verwendung, wie uns heute etwa die Tag Heuer Aquaracer zeigt.
    TAG Heuer Aquaracer Quarz 27mm in der Version WBD1413.BA0741
  • Besonders beliebt ist Perlmutt als Material für Zifferblätter, wo es jedoch teilweise durch preisgünstigere Imitate ersetzt wird, die zumindest einen ähnlichen optischen Effekt haben.
  • Natürlich sind ebenso Edelsteine an Luxusuhren zu finden. So gibt es Modelle, die regelrechte Juwelierarbeiten sind und deren Gehäuse mit Brillanten oder anderen Edelsteinen verziert sind. Genauso zur Markierung der Indizes auf dem Zifferblatt werden stellenweise Brillanten eingesetzt. Bekannt für seine tanzenden Diamanten sind die schmucken High-End-Uhren der Kollektionen Chopard Happy Diamonds und Happy Sport.
    Chopard Happy Diamonds Joaillerie Chopard Happy Sport in der Version 274808-5012 in 18 K. Roségold
  • Neben ästhetischen Effekten haben Edelsteine in mechanischen Uhren jedoch auch eine ganz praktische Funktion, denn sie dienen als Lagersteine, um den Verschleiß und die Reibung im Uhrwerk auf ein Minimum zu reduzieren. Hierfür werden allerdings bereits seit vielen Jahren anstelle natürlicher Edelsteine meist synthetische Rubine oder andere synthetische Korunde verwendet.

Luxusuhren: Gold in allen Variationen

Heute spielt Gold bei der Herstellung von Luxusuhren neben Edelstahl nach wie vor eine bedeutende Rolle. Viele Luxusuhrenhersteller wie beispielsweise Rolex oder Omega haben eine Reihe von Top-Modellen aus verschiedenen Goldlegierungen in ihrem Sortiment.

Rolex Datejust 41 in der Version 126334 mit azzurblauem Zifferblatt und römischen Zahlen | Gehäuse :Edelstahl/18kt Weißgold

Zum Teil handelt es sich sogar um Massivgoldgehäuse, die an Lederarmbändern getragen werden, zum Teil sind aber ebenso die Armbänder aus Massivgold gefertigt. Neben dem klassischen Gelbgold erfreuen sich genauso Uhren aus Rotgold, einer Goldlegierung mit höherem Kupferanteil, oder aus Weißgold wachsender Beliebtheit.

Constellation Chronnometer 35 mm in der Version 123.50.35.20.58.001 in 18 K. Gelbgold

Eine farblich ähnliche Alternative zu Weißgold ist auch das noch seltenere und teurere Platin. Mitunter wird Gold mit anderen Materialien kombiniert, so beispielsweise bei den Rolesor-Modellen von Rolex. Die Bezeichnung für diese Kombination von Gold und Edelstahl hatte sich der Hersteller bereits im Jahr 1933 als Markennamen eintragen lassen, und sie gehört auch bei neuen Kreationen von Rolex zum Standard einiger Modelle.

Titanuhren im Vergleich zu Edelstahluhren

In der Reihe der hochwertigen Uhrenmaterialien darf selbstverständlich Titan nicht fehlen, das weit über das Segment der Luxusuhren hinaus vor allem wegen seiner besonderen physikalischen Eigenschaften geschätzt wird. Insbesondere das geringe Gewicht bei gleichzeitig hoher Festigkeit sowie die gute Korrosionsbeständigkeit zeichnen dieses Material aus. Die MÜHLE Glashütte Seebataillon GMT ist eine solche Titanuhr. Da die Seebataillons der Deutschen Marine bereits mit der Ausrüstung umfangreich zu tragen hatten, entschied man sich bei der Armbanduhr für eine leichtere Titanvariante. Auch dieses Material wird in der High-Tech-Forschung diverser Uhrenmanufakturen weiterentwickelt. Breitlight, wie es bei der Breitling Avenger Hurricane 45 zum Einsatz kommt, ist 3,3 mal leichter als Titan und 5,8 mal leichter als Stahl und dabei noch härter – ein beeindruckendes Uhrenmaterial.

MÜHLE Glashütte Seebataillon GMT in der Version M1-28-62-KB Breitling Avenger Hurricane 45 in der Version XB0180E41B1S1 aus Breitlight®

Breitlight statt Titan oder Edelstahl? Neue Hightechmaterialien erobern das Luxussegment

In den vergangenen Jahrzehnten haben jedoch auch immer wieder neue Materialien das Luxussegment erobert. So ist es heute beispielsweise durchaus möglich, dass für eine Uhr mit Kautschukband ein vier- oder fünfstelliger Euro-Betrag fällig wird, wenn es sich dabei um ein Modell aus einer der international renommierten Schweizer Uhrenmanufakturen handelt.

Ein weiteres noch relativ „junges“ Material für hochwertige Uhrengehäuse ist Keramik. Nachdem IWC und Rado Mitte der 1980er Jahre erste Uhren aus Keramik auf den Markt gebracht hatten, folgten im Laufe der Jahre immer neue Modelle und Varianten. Mit einer Saphirglas-Beschichtung versehen, ist dieses Material nicht nur leicht, sondern äußerst resistent gegenüber Kratzern. Waren die ersten Keramikuhren noch in dunklen Tönen gehalten, stellte Rado in den 1990er Jahren dann die erste vollständig weiße Uhr aus Keramik vor. Inzwischen sind auch andere Farben üblich, was die neue und exklusive Rado True Thinline Les Couleurs™ Le Corbusier Spectacular Ultramarine 4320K eindrucksvoll in Blau beweist.

Rado True Quarz Diamonds | Gehäuse : Keramik     Rado True Thinline Les Couleurs™ Le Corbusier Spectacular Ultramarine 4320K in der Version R27092622 | Gehäuse : Keramik

Klassiker sind außer in der Rado True Kollektion ebenso mit der Chanel J12 in den Schwestermodellen White Ceramic und Black Ceramic zu finden. Die Bell & Ross BR 03-92 Ceramic ist ebenso eine beliebte Keramikuhr.

Chanel J12 Black Ceramic in der Version H2569 in schwarzer Hightech-Keramik mit 8 DiamantenChanel J12 White Ceramic in der Version H2570 in weißer Hightech-Keramik mit 8 Diamanten und Perlmutt-Zifferblatt  Bell & Ross BR 03-92 RADIOCOMPASS in der Version BR0392-RCO-CE/SRB aus Keramik mattschwarz mit Kautschukband

Ein Beispiel für eine komplette Kollektion von Keramikuhren ist die Kollektion Force von Junghans, deren Modelle mit Funk-Solarwerken ausgestattet sind.

   junghans-kollektion-force-018143644   Junghans Force Mega Solar in der Version 018/1002.00

Welche Uhr: Keramik, Titan oder Edelstahl?

Was spricht denn heute eigentlich noch für das Material Edelstahl? Edelstahl hat Renommee, ist traditionsreich und vertrauenswürdig. Dennoch: Titanuhren und Keramikuhren sind fest, temperaturbeständig, haben gute Eigenschaften in Sachen Dehnbarkeit. Titan und Keramik sind härter als Edelstahl und sehen damit länger schön aus. Die Materialien sind auch für Allergiker geeignet und überzeugen mit edler Optik und Haptik. Nachteile bestehen lediglich bei der Fertigung, die aufwendiger und teurer ist. Vergleichen wir allerdings den Titanuhren-Hersteller Rado mit den Edelstahlmodellen mancher Luxusuhrenmanufaktur, dann scheint das keine Auswirkung auf den Preis zu haben. Allerdings: wer es geschafft hat, einen kleinen Kratzer in sein Titangehäuse zu bekommen, wird diesen nicht mehr ohne Weiteres wegpolieren können.

Hier ist Edelstahl bequemer. Dennoch: Titan ist deutlich härter und dabei leichter. Auch das gern für Sportuhren verwendete Keramik ist leicht, dank seiner extremen Härte immun gegen die meisten Kratzer oder Dellen. Fällt die Keramikuhr allerdings zu unsanft auf einen harten Boden, besteht die kleine Gefahr, dass das Gehäuse bricht. Edelstahl, Titan oder Keramik? Es bleibt eine persönliche Entscheidung. Eine tolle Alternative könnten Modelle der Serie Oris ProDiver GMT mit Gehäuse aus Keramik und Titan sein.

Oris ProDiver GMT in der Version 01 748 7748 7154-07 8 26 74PEB in Titan

Auf zu den Sternen…

…oder zumindest zu den Meteoriten lautet das Motto weniger exklusiver Manufakturen. So bietet beispielsweise Rolex mit einer Variation der Rolex Daytona eine Uhr an, deren Zifferblatt aus dem kristallinen Material des Gibeon-Meteoriten hergestellt wurde. Auch andere Hersteller nutzen Gesteine aus dem Kosmos, die bereits Jahrmillionen gereist sind, um Zifferblättern eine ganz besondere Aura zu verleihen.

Rolex Cosmograph Daytona in der Version 116500LN

So ist auf dem Zifferblatt der Omega Speedmaster Moonwatch Co-Axial Chronograph 44,25mm Meteorite das Originalmaterial eines Meteoriten zu sehen, wodurch der besondere Bezug der als Moonwatch bekannten Speedmaster zur Raumfahrt unterstrichen werden soll.

Omega Speedmaster Moonwatch Co-Axial Chronograph 44,25mm Meteorite in der Version 311.63.44.51.99.002

Gleichermaßen andere Hersteller von Luxusuhren haben schon extraterrestrisches Material verwendet. So findet sich in der Master-Linie von Jaeger-LeCoultre ebenfalls ein Modell mit Zifferblatt aus Meteoritengestein, das von dem mehr als vier Milliarden Jahre alten Meteoriten „Muonionalusta“ stammt. Von einem Asteroiden zwischen Mars und Jupiter stammend, ging er vor rund 800.000 Jahren in Schweden nieder.

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Etwas bodenständiger sind da Kreationen, die verschiedenste Gesteinsarten von unserem Planeten verwenden, um Armbanduhren luxuriös, männlich und markant aussehen zu lassen. Bereits 1985 lancierte Tissot mit der Rockwatch einen Zeitanzeiger, dessen Gehäuse aus Granit war und begründete eine ganz eigene Materialperspektive unter den Manufakturen.

Materialeigenschaften erschließen neue Gestaltungsmöglichkeiten für Luxusuhren

Die stetige Suche der Uhrenindustrie nach neuen Materialvarianten hat keineswegs nur ästhetische Gründe. Besonders im Vergleich von Titan und Edelstahl geht es vielmehr oft um spezifische Materialeigenschaften wie einen geringen Wartungsbedarf, eine besondere Leichtigkeit oder die Robustheit gegenüber mechanischen Beanspruchungen und Witterungseinflüssen. Diese Eigenschaften finden sich bei Titan ebenso wie bei Keramik oder verschiedenen Metalllegierungen. Doch auch neue gestalterische Möglichkeiten sind für Hersteller von Luxusuhren häufig ein Grund, ein neues, bis dahin noch nicht für die Herstellung von Uhren verwendetes Material einzusetzen. So dürfen wir gespannt sein, welche Materialevolution Uhrenliebhaber als nächstes in Erstaunen versetzt.

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