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Frankenwatches, Redial oder Replikat?

Es ist der Albtraum jedes Uhrenliebhabers: Das scheinbar perfekte Vintage-Modell vom Gebrauchtmarkt, eigentlich gedacht als Erfüllung eines langjährigen Traumes, erweist sich nach dem Kauf als Fälschung. Doch wesentlich verbreiteter als reine Replikate sind sogenannte Frankenwatches, also Mischungen aus originalen und nachträglich verbauten Teilen. Was diese „Omega“ „Rolex“ oder „Breitling“ so gefährlich macht und wie Sie das Risiko eines Fehlgriffs deutlich reduzieren können, verraten wir Ihnen im Folgenden.

Frankensteins Gestalt am Handgelenk

Die Namensherkunft der Frankenwatch könnte trefflicher kaum sein: Ähnlich wie Viktor Frankensteins Menschengestalt, die er im berühmten Roman Mary Shelleys aus fremden Teilen zusammensetzt, blickt auch der verbastelte Zeitanzeiger auf eine fragwürdige Historie zurück.

Ursprünglich als originales Modell in den Produktionsstätten des betreffenden Herstellers entstanden, wurde er im Laufe seines Lebens ein- oder gar mehrfach mit fremden Komponenten ausgestattet.

Dabei ist die Kreativität nahezu unbegrenzt: Mal stammen die Austauschteile von baugleichen oder unterschiedlichen Referenzen derselben Marke, ein anderes Mal vielleicht von anderen Manufakturen oder aus der minderwertigen Eigenproduktion des Verkäufers.

Neben der unsicheren Qualität fremder Bestandteile erweist sich auch die Abgrenzung von Frankenwatches als erhebliches Problem: Wann sind sie noch „echt“ und welcher Punkt markiert die Grenze zum Replikat?

Breitling Avenger Blackbird 44 in der Version V17311101B1W1

Niemand würde auf die Idee kommen, einen Zeitanzeiger nur wegen eines ausgetauschten Armbands oder einer neuen Krone als Frankenwatch zu bezeichnen. Bei einem neu lackierten oder ersetzten Zifferblatt ändern sich die Ansichten dazu jedoch schnell. Die Festlegung einer Trennlinie ist somit eng an den persönlichen Geschmack eines jeden Käufers geknüpft.

Von der Politur bis zur Fälschung: Die Abstufungen

Um Frankenwatches genauer definieren zu können, müssen wir zunächst etwas Ordnung in den Kosmos der Gebrauchtuhren bringen. Dabei unterscheiden wir, abgesehen von gänzlich originalen Uhren, zwischen leichten Veränderungen, mittelschweren Modifikationen und Replikaten.

Leichte Veränderungen werden üblicherweise nicht mit Frankenwatches verbunden: Zu ihnen zählen etwa Polituren, ausgewechselte Schließen oder andere Umgestaltungen, die die wichtigen Charakterzüge der Uhr unberührt lassen. Beim sogenannten Redial kann von dieser Milde oft keine Rede mehr sein. Denn der Begriff trifft auf sämtliche Zifferblätter zu, die Änderungen gegenüber dem Original erfahren haben – das Spektrum reicht hier von simplen Aufwertungen bis hin zum vollständigen Austausch.

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Ob die Zone der Frankenwatches damit erreicht wird, hängt vom individuellen Fall ab: Während eine Rechtfertigung des Begriffs bei professionellen Restaurierungen unmöglich ist, zählen Umlackierungen oder Wechsel des Zifferblatts zu den Paradebeispielen für die unbeliebten Mischuhren. Aber auch Modifikationen des Uhrwerks, neue Zeiger oder etwa ausgetauschte Zahlenringe der Datumsanzeigen fallen in die Rubrik der mittelschweren Umgestaltungen.

Und genau solche Wandlungen sind es, die eine Frankenwatch ausmachen: Nicht harmlos, aber auch nicht extrem. Ein wahrlich teuflischer Mittelweg, der den ursprünglichen Charakter des Zeitanzeigers ausmerzt und gleichzeitig für einen schweren Abschied sorgt – immerhin ist ein Großteil der Uhr ja echt. In dieser Hinsicht sind selbst die verhassten Replikate im Vorteil, weil sie den Gang zur Mülltonne durch ihre gänzliche Falschheit wesentlich erleichtern.

Redial erkennen: Diese Tricks helfen

Um spätere Enttäuschungen durch aufgedeckte Frankenwatches zu vermeiden, ist eine gründliche Überprüfung des Modells vor dem Kauf unverzichtbar. Redials, ein besonders häufiges Merkmal der Misch-Uhren, lassen sich in der Regel durch wenige Merkmale enttarnen.

Omega De Ville Prestige Co-Axial in der Version 424-55-33-20-55-009 in 18K Gelbgold mit Diamantbesatz

Als erstes wäre da die Farbe: Da viele Umgestalter auf die Entfernung der Indizes beim Auftragen eines neuen Lacks verzichten, weisen die Ränder dieser Indizes häufig Farbspuren auf. Ein weiterer, erstaunlich weit verbreiteter Fehler ist die unsymmetrische Positionierung der Minuterie: Hat sie nicht an allen Stellen denselben Abstand zum Rand des Zifferblatts, ist vom Kauf abzuraten. Aber auch die Patina, also die natürliche Alterung der Zifferblattfarbe, kann einiges über die Historie des Zeitanzeigers verraten.

Während „zu“ neuwertige Farben bei jahrzehntealten Modellen ohnehin fragwürdig und leicht erkennbar sind, gestaltet sich die Identifikation bei alten Redials wesentlich schwieriger – schließlich haben sie bereits eine eigene Patina entwickelt. Darum ist eine detaillierte Recherche des favorisierten Modells elementar: Wie sieht die Referenz bei anderen Händlern aus und welche Unterschiede sind auffällig? Entspricht die Druckqualität des Zifferblatts dem Originalmodell? Fragen wie diese helfen erheblich bei der Feststellung der Echtheit.

Auf dem Weg zum Replikat: Frankenwatches der Extreme

Doch nicht nur ein Redial, sondern auch mechanische Modifikationen im Innern, trügerische Schriftzüge zur Vortäuschung eines massiven Goldgehäuses oder verdächtig helle Leuchtindizes können auf das Vorliegen einer Frankenwatch hinweisen. Oftmals sind die Veränderungen sogar so schwerwiegend, dass vom Original kaum noch etwas übrig ist.

Omega Seamaster 300 in der Version 234-93-41-21-99-001

Wer Frankenwatches wirksam vermeiden möchte, sollte auf Bildabgleiche und Datenbanken der Hersteller zurückgreifen, um das konkrete Modell einem bestimmten Produktionszeitraum zuzuordnen. So verfügt Omega beispielsweise über eine eigene Datenbank zur Verifizierung der Uhren. Nicht zuletzt spielt auch die Reputation des Händlers eine tragende Rolle: Ein vertrauenswürdiges Erscheinungsbild, ehrliche Produktbeschreibungen und seriöse Antworten auf etwaige Fragen deuten auf echte Uhren statt verbastelte Mischvarianten hin.

Fazit: Augen auf beim Uhrenkauf

Frankenwatches zählen in vielerlei Hinsicht zu den problematischsten Aspekten des Uhrenmarktes: Ihre Abgrenzung von Replikaten fällt schwer, ihre Qualität ist unsicher und ihre Verbreitung nimmt erschreckende Ausmaße an.

Ganz egal, ob eine vergleichsweise harmlose Veränderung durch Redials oder eine schwerwiegende Modifikation am Rande zum Replikat vorliegt – die große Vielzahl der Uhrenliebhaber ist zu Recht abgeschreckt von Frankensteins Kreationen. Bereits ein wenig Recherche und Kontrolle genügt, um die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit den horologischen Tiefpunkten drastisch zu reduzieren.

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