Wie viel wiegt ein Uhrengehaeuse
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Wie viel wiegt ein Uhrengehäuse

« Wovon hängt das Gewicht einer Uhr ab? »

Die einen mögen es federleicht, die anderen kräftig und schwer: Das Uhrengehäuse. In unzähligen Formen, diversen Größen und verschiedenen Materialien erhältlich, deckt es vom 20-Gramm-Athleten bis zum 300-Gramm-Boliden ein weites Spektrum ab. Doch welche Faktoren beeinflussen das Gewicht eines Uhrengehäuses am stärksten? In diesem Artikel erfahren Sie, wovon die Masse eines Zeitanzeigers abhängt und worauf Sie achten sollten, um das ideale Gewicht am Handgelenk zu erhalten.

Wie viel wiegt ein Uhrengehäuse? Zahlen und Fakten

Um ein Gefühl für die verschiedenen Gewichte von Uhrengehäusen zu bekommen, hilft ein Blick auf extreme Beispiele. Einer der massivsten Zeitanzeiger am Markt ist die Omega Ploprof, ein 282 Gramm schwerer Edelstahl-Gigant mit 1.200 Metern Tauchtiefe und stolzen Maßen von 55 x 48 Millimetern.

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Sein Gewicht beträgt das Sechsfache einer Rado True Diamonds Damenuhr, deren 30 Millimeter schlankes Keramikgehäuse inklusive Keramikband knapp 50 Gramm erreicht.

Rado True Automatic Diamonds in der Version R27056732 aus schwarzer Hightech-Keramik

Die meisten berühmten Uhrengehäuse bewegen sich zwischen 100 und 200 Gramm: So wiegt eine stählerne Rolex Submariner 150 Gramm, während die typische Omega Seamaster 300M 190 Gramm auf die Waage bringt.

Omega Seamaster 300 Co-Axial Master Chronometer 41 mm in der Version 234-30-41-21-03-001

Die Angaben beziehen sich auf Edelstahl und können erheblich variieren, sobald leichte Werkstoffe wie Keramik oder massive Edelmetalle wie Gold ins Spiel kommen.

Das Material: Faktor Nummer Eins

Die zentrale Beeinflussung des Uhrengewichts findet durch das Gehäusematerial des Zeitanzeigers statt. Am weitesten verbreitet ist Edelstahl, genauer ausgedrückt in der 316L-Variante, die eine spezifische Masse von 7,9 Gramm pro Kubikzentimeter besitzt. Wer vom „Standard“ abweicht und ein anderes Material ausprobiert, wird erhebliche Abweichungen feststellen: So kommt reines Titan auf zarte 4,5 Gramm, wodurch der robuste Werkstoff die Fähigkeit besitzt, selbst die größten Boliden wie Leichtgewichte am Handgelenk erscheinen zu lassen. Gleiches gilt für Keramik, die die Masse von Titan in vielen Fällen sogar unterschreitet.

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Grob kann man sagen, dass Uhrengehäuse aus Keramik und Titan halb so schwer wie Edelstahlvarianten sind. In Bezug auf die kompletten Zeitanzeiger ist der Unterschied kleiner, weil andere Komponenten wie das Uhrwerk, das Glas und das Zifferblatt ihre Masse behalten. Ein Beispiel: Der Breitling Avenger 45 Chronograph aus Edelstahl wiegt 160 Gramm, während die gleichgroße Avenger Automatic 45 Seawolf Night Mission aus Titan 127 Gramm erreicht.

Breitling Avenger Chronograph 45 in der Version A13317101C1X1 wie-viel-wiegt-ein-uhrengehaeuse

Uhrengehäuse aus Gold und Platin übersteigen die Masse von Edelstahl spürbar. So weist reines Gold eine Dichte von 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter auf, sodass typische 750er-Gehäuse (18 Karat) rund 15 Gramm erreichen. Noch schwerer ist Platin, das satte 21,45 Gramm pro Kubikzentimeter an den Tag legt. Weil das Edelmetall im Gegensatz zu Gold in 95-prozentiger statt 75-prozentiger Reinheit (Platin 950) verarbeitet wird, bringen Uhrengehäuse aus Platin rund 20 Gramm pro Kubikzentimeter auf die Waage. Mehr geht nicht.

Die Ausmaße: Sind große Uhren immer schwerer?

Am Handgelenk ist zwischen der faktischen und der gefühlten Masse zu unterscheiden. Leichte Uhren können – wie beispielsweise die Blancpain Fifty Fathoms Automatique aus Titan – beträchtliche Ausmaße erreichen. Trägt man einen Durchmesser von 45 Millimetern und eine Höhe von 15,4 Millimetern am Handgelenk, entsteht trotz der Leichtigkeit der Eindruck eines massiven, schweren Instruments.

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Andersherum existieren relativ kleine Modelle wie die 40 Millimeter umfassende Chopard L.U.C. XPS, deren Platingehäuse eine Masse besitzt, die man vor dem ersten Hochheben nie erwarten würde. Trotz des hohen Gewichts sorgt die schlanke Linie für eine gefühlt niedrigere Masse.

Chopard LUC XPS in der Version 161946-9001 in Platin

Um die Frage der Überschrift zu beantworten: Große Uhren sind nur schwerer als kleinere Varianten, wenn alle anderen Faktoren (Material, Uhrwerk etc.) konstant gehalten werden. Separat betrachtet, haben die Ausmaße keine hohe Erklärungskraft für die Schwere des Uhrengehäuses.

Was wiegt ein Uhrwerk? Der Einfluss des Kalibers

Einen wichtigen Beitrag zur Masse der Uhr leistet neben dem Gehäuse das verbaute Kaliber. Quarzwerke besitzen oftmals inklusive Batterie eine Leichtigkeit, die unterhalb der typischen fünf Gramm eines DIN A4-Blatts liegt und deshalb zu vernachlässigen ist. Interessanter wird es im Falle mechanischer Werke: So bringt das berühmte Rolex-Automatikwerk 1556 aus der Day-Date ohne Krone und Welle 23 Gramm auf die Waage, was keineswegs einen Spitzenwert darstellt. Chronographen wiegen je nach Ausführung rund 50 Prozent mehr.

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Neben den Komplikationen spielt die Materialwahl eine tragende Rolle: Wird der Aufzugsrotor wie bei A. Lange & Söhne aus einer Massivgold-Platin-Kombination produziert oder gar das komplette Kaliber aus Gold gefertigt (siehe F.P. Journe), steigt die Masse dramatisch an. Kombiniert man diese High-End-Fertigung mit einem massiven Uhrengehäuse, wird aus der vermeintlich leichten Dresswatch schnell ein mächtiger Eishockeypuck am Handgelenk.

Schwere Uhren, schwere Schließe: Die perfekte Balance

Bisher unerwähnt blieb der Einfluss des Armbands auf das Uhrengewicht. Während Kautschuk-, Leder- und NATO-Bänder typischerweise eine geringe Masse aufweisen, gelten für Massivbänder die material- und größentechnischen Gesetze des Gehäuses: Titan ist leicht, Edelstahl mittelschwer und Gold schwer. Ein besonderer Fall tritt ein, wenn schwere Gold- und Platinuhren von Breguet, Blancpain oder anderen High-End-Manufakturen auf ein traditionelles Lederband mit Dornschließe treffen.

Blancpain Villeret Quantieme Complet in der Version 6654 3642 55B wie-viel-wiegt-ein-uhrengehaeuse

Letztere ist zu leicht, um auf der Unterseite des Handgelenks ein angemessenes Gegengewicht zum schweren Uhrengehäuse der Oberseite zu kreieren. Das Ergebnis: Der Zeitanzeiger fühlt sich instabil und schlecht balanciert an. Die Lösung: Investiert man bei schweren Uhren in eine massive Faltschließe, wirkt das Gesamtpaket aus Band und Zeitanzeiger fest verankert am Arm des Trägers.

Glas, Zeiger, Zifferblatt: Der Einfluss weiterer Komponenten

Obwohl man sie zunächst in der Gewichtskalkulation vernachlässigen würde, haben Zeiger, applizierte Indizes und das Uhrenglas gemeinsam betrachtet einen spürbaren Einfluss auf die Masse.

Rolex Sea-Dweller Deepsea Referenz 116660 aus Februar 2018 in einem sehr guten, nahezu neuwertigen Zustand wie-viel-wiegt-ein-uhrengehaeuse

Ein Beispiel: Breguet fertigt seine Zifferblätter aus massivem Gold, welches in den meisten Modellen versilbert wird und optisch keine hohe Masse erahnen lässt. Auch dicke, gewölbte Uhrengläser, wie sie in professionellen Divern (z. B. Rolex Deep Sea) zum Einsatz kommen, steigern die Schwere des Zeitanzeigers um einige Gramm.

Kurzum: Jede Komponente, selbst die Zeiger und Indizes, räumen den Herstellern einen Spielraum von maximaler Leichtigkeit bis höchster Schwere ein. Was am Ende verbaut wird, hängt vom Design, der Positionierung und dem Budget der Uhr ab.

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