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Uhrmacherwerkzeug: Wir stellen die wichtigsten Uhrenwerkzeuge vor

Uhren sind äußerst empfindliche, feinmechanische Produkte. Bei ihrer Herstellung und ebenso bei ihrer Pflege und Wartung sowie bei eventuell notwendigen Reparaturen ist daher besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Ohne das richtige Uhrmacherwerkzeug geht es dabei nicht. In diesem Beitrag stellen wir unseren Lesern vom Uhrenöffner bis zum Uhrenhalter eine Auswahl der wichtigsten Uhrenwerkzeuge vor, die auch für Hobbyuhrmacher und passionierte Uhrensammler von Interesse sein können.

Warum sollte man spezielles Uhrmacherwerkzeug verwenden?

Das Öffnen oder Reparieren von Uhren sollte grundsätzlich einem qualifizierten Uhrmachermeister vorbehalten bleiben. Zu groß ist schließlich das Risiko für einen Laien, das Uhrwerk bei einem unsachgemäßen Reparaturversuch zu beschädigen oder auf dem Uhrengehäuse hässliche Kratzer zu hinterlassen.

Nahaufnahme einer mechanischen Uhr
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Wer sich intensiv mit dem Aufbau und mit der Funktion von mechanischen Uhren beschäftigt hat und wirklich gut damit auskennt, mag mit diesem Risiko weniger stark konfrontiert sein. Es besteht dann jedoch immer noch die Gefahr, eventuelle Garantieansprüche gegen Hersteller zu verlieren, wenn sich herausstellt, dass das betreffende Gehäuse nicht ausschließlich in den Werkstätten des Herstellers selbst oder bei einem von ihm autorisierten Uhrmacher geöffnet oder repariert worden ist, sondern auch durch einen Dritten, der vom Hersteller nicht dazu autorisiert war.

Uhrmacher
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Bei älteren Modellen spielt dieser Aspekt sicherlich keine Rolle mehr. Und es ist auch durchaus verständlich, dass jemand mit einem leidenschaftlichen Interesse für mechanische Uhren sich irgendwann auch einmal selbst Einblick in eines dieser faszinierenden Meisterwerke verschaffen will und dabei möglicherweise auch Reparaturen vornehmen, Teile austauschen oder vielleicht sogar eine nicht mehr funktionsfähige Uhr wieder instand setzen möchte.

In all diesen Fällen ist spezielles Uhrmacherwerkzeug unabdingbar.

Selbst diejenigen, die nur gelegentlich selbst die Batterie ihrer Quarzuhr wechseln beziehungsweise ein Uhrenarmband kürzen oder austauschen wollen, sollten keinesfalls mit dem erstbesten Werkzeug loslegen, das sie in ihrem heimischen Werkzeugkoffer finden. Immerhin drohen erhebliche Schäden, angefangen von verkratzten Oberflächen über deformierte Gehäusekanten bis zur Zerstörung des Uhrglases oder wesentlicher Bestandteile des Uhrwerkes, wenn Uhren unsanft oder ohne passendes Werkzeug „bearbeitet“ werden.

Uhrenwerkzeug zum Öffnen von Gehäuseböden

Das Öffnen des Uhrengehäuses ist stets der erste Arbeitsschritt einer Wartung oder einer Reparatur. Auch zum Batteriewechsel und für eine fachgerechte Reinigung der Uhr muss der Gehäuseboden entfernt werden. Die konkrete Vorgehensweise und das dazu erforderliche Uhrenwerkzeug richten sich dabei jeweils nach der Art und der Befestigung des Gehäusebodens. Zum einen gibt es sogenannte gepresste Böden. Diese werden so weit in das Gehäuse hineingedrückt, bis sie von selbst in der gewünschten Position bleiben und fest sitzen. Alternativ dazu können Uhrenböden durch eine Schraubverbindung mit dem Gehäuse verbunden sein. Im Falle von gepressten Böden wird ein sogenanntes Gehäusemesser als Uhrenöffner verwendet. Hierzu ist der Boden mit einer Einkerbung an der Seite versehen.

Uhrenwerkzeug zum Oeffnen von Gehaeuseboeden
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Das Gehäusemesser, dessen Form häufig einem Skalpell oder einem Federmesser ähnelt, wird mit seiner Klinge an der Einkerbung angesetzt, und mit etwas Druck sowie einer entsprechenden Handbewegung lässt sich dann der Deckel lösen, bis er schließlich aus dem Uhrengehäuse herausspringt. Für das Öffnen von geschraubten Böden stehen ebenfalls spezielle Uhrenöffner-Werkzeuge zur Verfügung. Diese greifen an drei Stellen in entsprechende Aussparungen des Gehäusebodens. Das Werkzeug wird dann fest, aber behutsam an die Uhr angepresst und sein Griff so entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht, dass sich der Boden löst und vollständig herausschrauben lässt. Hochwertige Uhrenöffner besitzen mehrere Einstellmöglichkeiten, mit denen sich die Abstände zwischen den Backen und somit zwischen den in die Aussparungen des Uhrenbodens greifenden Einsätzen an unterschiedliche Uhrengrößen anpassen lassen.

Zudem werden die Uhrenöffner mit einer ausreichenden Zahl von unterschiedlichen Einsätzen geliefert, sodass sie für verschiedene Uhrenmodelle verwendet werden können.

Das richtige Uhrenwerkzeug zum Schließen von Uhrenböden

Ist die Uhr gereinigt oder repariert, muss sie wieder fachgerecht geschlossen werden. Bei einem geschraubten Boden wird dazu einfach in umgekehrter Reihenfolge vorgegangen wie beim Öffnen. Mithilfe des Uhrenöffners wird der eingeschraubte Boden wieder fest angezogen – diesmal im Uhrzeigersinn. Um zu gewährleisten, dass die Wasserdichtigkeit der Uhr nicht beeinträchtigt wird, sondern in vollem Umfang erhalten bleibt, empfiehlt sich vor dem Wiederverschließen eine sorgfältige Überprüfung des Dichtungsringes, der wegen seiner Form auch häufig als O-Ring bezeichnet wird. Sind Beschädigungen erkennbar und seien sie noch so klein, sollte der O-Ring auf jeden Fall ausgetauscht werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, ihn vor dem Schließen des Deckels mit etwas Silikonfett einzuschmieren.

Mechanische Uhrenreparatur
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Beim Schließen von gepressten Gehäuseboden stellt sich die Situation dagegen etwas anders dar. Hierbei besteht das Risiko, den O-Ring durch ein unsachgemäßes Einpressen des Bodens zu verkanten oder zu beschädigen. Geschieht dies, so verliert das Gehäuse seine Wasserdichtigkeit. Zudem können auch Staub und andere Verschmutzungen in das Innere eindringen. Bei unsachgemäßem Einpressen mit zu viel Kraft gegen eine harte Unterlage kann außerdem auch das Uhrglas beschädigt werden. Um solche Schäden zu vermeiden, nutzen Uhrmacher zum Einpressen des Bodens spezielle Hebelpressen beziehungsweise Boden-Einpresszwingen. Die Hebelwirkung ermöglicht es zum einen, den Kraftaufwand beim Einpressen relativ gering zu halten, zum anderen lässt sich der Krafteinsatz dank dem Hebel besser dosieren.

Reparatur von Armbanduhren
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Eine hochwertige Hebelpresse wird in der Regel mit wenigstens sechs verschiedenen Aufsätzen und Druckplatten geliefert. Diese ermöglichen eine Anpassung an fast jede gängige Gehäusegröße und tragen dazu bei, Kratzer zu vermeiden. Die Druckplatten aus Kunststoff sind dabei immer metallenen Platten vorzuziehen, denn bei Metallplatten ist das Risiko, das Uhrengehäuse zu verkratzen, wesentlich größer. Mittels passender Aufsätze wird sichergestellt, dass die Druckplatte den Uhrenboden gleichmäßig und schonend in das Gehäuse hineinpresst und dass die Uhr währenddessen jederzeit sicher fixiert ist.

Federstegbesteck, Uhrenhalter und sonstiges Uhrmacherwerkzeug

Neben den passenden Werkzeugen und Hilfsmitteln zum Öffnen und Schließen von Uhrengehäusen gibt es noch diverses weiteres Uhrenwerkzeug, das für professionelle Uhrmacher unverzichtbar ist und ambitionierten Hobbyuhrmachern ebenfalls gute Dienste leisten kann. Hier sind zunächst einmal Uhrenhalter zu nennen, mit denen sich eine Uhr auf schonende Weise in der gewünschten Arbeitsposition arretieren lässt. Zudem kommen regelmäßig verschiedene Pinzetten, Poliertücher und sehr feine Schraubendreher in unterschiedlichen Größen zum Einsatz.

Federstegbesteck, Uhrenhalter und sonstiges Uhrmacherwerkzeug
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Ein besonders wichtiges und charakteristisches Uhrmacherwerkzeug ist eine Lupe mit entsprechender Vergrößerung. Selbst für jene, die nicht die Absicht haben, bis ins Innere ihrer Uhr vorzudringen, lohnt sich eventuell die Anschaffung eines Uhrenwerkzeugs: Es handelt sich um ein Federstegbesteck, das zum Kürzen, Verlängern oder Austauschen von Armbändern verwendet wird.

Qualitäts-Uhrmacherwerkzeug statt Billigware

Am Markt wird inzwischen eine ganze Reihe von Uhrmacherwerkzeug-Sets angeboten. Dabei variieren Ausstattungsumfang und Preise erheblich. Die Angebote am oberen Ende der Preisskala sind dabei primär für professionelle Anwender interessant und für alle anderen Anwender sicherlich entbehrlich.

Qualitaets-Uhrmacherwerkzeug statt Billigware
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Vorsicht ist jedoch bei allzu günstigem Uhrmacherwerkzeug geboten. Denn zu groß ist die Gefahr, dass der auffallend niedrige Preis durch Kompromisse hinsichtlich der Material- und Verarbeitungsqualität erkauft wurde. Ist dies der Fall, drohen Beschädigungen von Werkzeugen und Uhren, wobei der materielle Schaden schnell einen Betrag erreichen kann, der deutlich höher ist als die vermeintliche Ersparnis beim Uhrenwerkzeug-Kauf.

An Rolex, Omega oder Breitling würde sich damit ein Uhrenkenner niemals wagen!

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