@wikipedia – Schwizgebel

Uhrenmuseum

« Uhrentouren für Liebhaber »

Wer sich für die kleinen und großen Meisterwerke interessiert, mit dem die Menschen in früherer und heutiger Zeit den Lauf der Zeit messen oder für die Meilensteine großer Uhrenmanufakturen, für den ist ein Besuch im Uhrenmuseum eine Reise durch viele Jahrhunderte der Technikgeschichte. An vielen Orten, an denen hochwertige mechanische Uhren entwickelt und hergestellt werden, zeigt ein Uhrenmuseum mehr als nur die Geschichte einer einzigen Uhrenmarke.

Die Geschichte der Zeitmessung

Während des Früh- und Hochmittelalters brauchten die meisten Menschen keine Uhr. Sie nahmen den Lauf der Zeit nicht linear wahr, sondern als einen ewigen Wechsel zwischen Tag und Nacht und als Kreislauf der Jahreszeiten, in denen sich Saat, Wachstum, Ernte und Ruhezeiten ständig wiederholten. Augustinus erklärte, dass die Zeit von Gott gegeben sei, sie wurde von der Natur und ihren immer wiederkehrenden Zyklen bestimmt. Sonnenaufgang und Untergang waren die Fixpunkte, durch die der Arbeitstag begrenzt wurde. Nur die Mönche in den Klöstern mussten die Zeit in kleineren Einheiten messen, hatte doch Benedikt von Nursia in seinen Ordensregeln bestimmt, dass es feste Zeiten für Gebet, Lesung, Mahlzeit, Arbeit und Schlaf geben müsse.

Ab dem 14. Jahrhundert entwickelten die Menschen mechanische Uhren, mit denen sich immer kleinere Zeiteinheiten bestimmen ließen. Die erste mechanische Uhr wurde 1335 in einer Urkunde erwähnt und hing in der Mailänder Kapelle des Visconti-Palastes. Bereits ein Jahr später wurde eine öffentliche Turmuhr an einer Mailänder Kirche installiert. Sie schlug die Stunden und gab damit den Takt der Zeit vor. Die erste öffentliche Uhr in Deutschland wurde 1364 in Augsburg installiert, 1375 folgten Hamburg und 1385 Köln. Die meisten dieser Uhren besaßen lediglich einen Stundenzeiger und verkündeten den Menschen mit Glockenschlag, wenn wieder eine Stunde verstrichen war.

Für diese Uhren mussten die Städte damals ein Vermögen bezahlen, schließlich kostete nicht nur die komplizierte Mechanik viel Geld, sondern auch der ständige Unterhalt: Sie mussten gewartet, justiert und immer wieder nachgebessert werden. Als das Mittelalter schließlich zu Ende ging, war die Zeit eine andere geworden. Sie war nicht mehr von Gott gegeben, sondern weltlich und jeder einzelne Mensch war für sie verantwortlich. Die immer genauere Messung der Zeit schuf einen regelrechten Bewusstseinswandel in der Gesellschaft und manche Philosophen bezeichneten Uhren als die Schlüsselmaschinen des Industriezeitalters.

Eine Reise durch die Zeit

Das Uhrenmuseum in Glashütte

@wikipedia – © 1971markus@wikipedia.de
@wikipedia – © 1971markus@wikipedia.de

Wer den Ortseingang von Glashütte passiert, wird mit den Worten: „Hier lebt die Zeit“ begrüßt und begegnet Uhren auf Schritt und Tritt. Selbst die Grundschule trägt einen kleinen Uhrenturm auf ihrem Dach. Mehrere bedeutende deutsche Hersteller mechanischer Uhren haben in Glashütte ihren Sitz: Glashütte Original, Union Glashütte, Bruno Söhnle und A.Lange & Söhne, sind aber nicht die einzigen, die hier Uhren produzieren. Seit sich 1845 Ferdinand Adolph Lange als erster Uhrmachermeister hier niederließ, ist die Tradition ungebrochen. So verwundert es wenig, dass hier das Deutsche Uhrenmuseum seinen Sitz hat.

Im Zentrum der kleinen Stadt gelegen, versammelt das Deutsche Uhrenmuseum zahlreiche Ausstellungsstücke zur Geschichte der Horologie und der damit verbundenen Handwerkskunst unter seinem Dach. Selbst die Zeit, in der die Hersteller einst verstaatlicht waren, wird beschrieben und mit Exponaten unterstützt. Neben Taschenuhren, Armbanduhren und Präzisionspendeluhren können im Deutschen Uhrenmuseum in Glashütte die historischen Werkzeuge der Uhrmacher und andere Chronometer besichtigt werden.

Girard-Perregaux und andere Uhrenmuseen in La-Chaux-de-Fonds

Hoch über La-Chaux-de-Fonds, einem Hochtal auf 1000 Metern Höhe im Schweizer Jura, liegt auf einem Hügel die Villa Marguerite, in deren ersten Stock das firmeneigene Uhrenmuseum von Girard-Perregaux seinen Sitz hat. Das kleine Privatmuseum illustriert die mehr als zweihundertjährige Tradition des Hauses Girard-Perregaux, doch es ist nicht das einzige Uhrenmuseum, welches hier seine Schätze präsentiert.

@wikipedia – Tomleighmartin
@wikipedia – Tomleighmartin

Schließlich steht in La-Chaux-de-Fonds gewissermaßen die Wiege der Horlogerie und im Internationalen Uhrenmuseum, dem „Musée International d’Horlogerie“, können die Besucher an über 4500 Exponaten die Geschichte der Zeitmessung erleben.

Von der antiken Sonnenuhr bis zur modernen Atomuhr reicht die Bandbreite der Ausstellungsstücke, die hier nicht nur präsentiert, sondern auch konserviert und – wenn nötig – fachgerecht restauriert werden können. Wer das Museum betritt, kann die großen Zahnräder, Unruhen und Hemmungen der Turmuhrenwerke mit den 150 Teilen einer mechanischen Armbanduhr vergleichen, deren kleinste Teile für das bloße Auge kaum noch sichtbar sind.

Das Uhrenmuseum von Longines

Der Name der Marke Longines leitete sich von dem Standort der Werksgebäude ab, die vor Saint-Imier in den „langen Wiesen“ errichtet wurden. Hier ist inzwischen auch das Uhrenmuseum von Longines beheimatet, das sich der fast 200 Jahre andauernden Geschichte der Compagnie des Montres Longines Francillon SA widmet.

Selbstverständlich sind die Fabrikate von Longines ausgestellt, unter denen zahlreiche Taschenuhren und Armbanduhren aus den unterschiedlichsten Epochen stammen, dazu Chronographen und Navigationsinstrumente.

Das Omega-Museum

Das im Schweizer Kanton Bern gelegene Städtchen Biel beherbergt mit dem Omega-Museum das älteste Museum der Schweiz, in dem sich alles nur um die Geschichte einer einzigen Uhrenmarke dreht. Seit das Uhrenmuseum im Mai 2010 nach einer tiefgreifenden Renovierung wieder geöffnet wurde, lassen sich hier rund 4000 Uhren von Omega bestaunen. Dazu gibt es viel Historie auf alten Fotografien, fein ziselierte Gravuren und historische Werkzeuge zu besichtigen.

Zu diesen historischen Stücken gehört beispielsweise die originale Werkbank von Louis Brandt, an dem der Uhrmacher 1848 die ersten Uhren einst herstellte. In der größten zweisprachigen Schweizer Stadt werden nicht nur die Präzisionsuhren von Omega – das inzwischen zur Swatch-Gruppe gehört, sondern auch die Swatch-Uhren selbst und die Uhren von Rolex produziert.

Der Schwarzwald als zweite deutsche Wiege

Uhrenmuseen werden touristisch immer beliebter und mit dem Schwarzwald und seinen zahlreichen Museen zum Thema Kuckucksuhr hat auch der deutsche Hersteller Junghans ein eigenes Museum für Liebhaber eröffnet. Seit 2011 stellt das Unternehmen im kleinen aber feinen Rahmen die 150 jährige Firmentradition zur Schau.

Wunderbar für einen Tagesausflug

Die wirklich großen Orte der Horologie sind in vielen Fällen also nur wenige Zeigerschläge entfernt, sodass ein Besuch für Liebhaber ein Muss ist. Die Uhrenmuseen in Deutschland und der Schweiz stellen allerhand Sehenswertes aus und freuen sich über Ihren Besuch!

überprüfen Sie auch

Uhren mit Weckfunktion

« Die Luxusklasse der Armbandwecker » Egal ob Mondphasen, Chronographen oder Kalender – visuelle Komplikationen …

Gehäuseöffner und Gehäuseschließer

Gehäuseöffner und Gehäuseschließer

« Wie Uhrmacher Uhren öffnen » Egal ob Wartung, Batteriewechsel oder Echtheitsprüfung: Viele Arbeitsschritte am …

Wir erklären die Komplikation Minutenrepetition

Das Tourbillon – höchste aller Komplikationen? Nicht ganz. Die wahre Königin des mechanischen Uhrenbaus ist …