Beständiger Trend Keramikuhren

« Von der antiken Töpferware bis zum High-Tech-Uhrenmaterial »

Keramik ist ein Werkstoff, der aufgrund seiner Eigenschaften in unterschiedlichen Bereichen verwendet wird. Das gilt auch für das Luxusuhrensegment, wo verschiedene Keramikuhren sowie metallene Uhrengehäuse mit keramischen Details zu finden sind. Unser Beitrag wirft ein kurzes Schlaglicht auf die Geschichte eines faszinierenden Materials sowie einige Beispiele für dessen Verwendung in den aktuellen Kollektionen namhafter Uhrenhersteller.

Seit Jahrtausenden genutzter Werkstoff

Fachsprachlich werden verschiedene anorganische nichtmetallische Werkstoffe als Keramik beziehungsweise als keramische Massen bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Steinzeug, Steingut und Porzellan. Grundsätzlich kann zwischen Tonkeramik und Glaskeramik unterschieden werden. Die Bezeichnung leitet sich von dem altgriechischen Wort „Keramos“ her, mit dem in der Antike sowohl Tonminerale als auch verschiedene formbeständige Produkte bezeichnet wurden, die durch Brennen daraus hergestellt wurden.

Die Fähigkeit zur Herstellung von Gegenständen daraus besaßen die Menschen jedoch schon weitaus länger. Archäologische Funde belegen, dass bereits vor etwa 30.000 Jahren Kleinplastiken aus Lösslehm hergestellt worden und in offenen Feuerstellen gebrannt worden sind. Die Verwendbarkeit von Ton zur Herstellung von Töpferware wurde vermutlich in mehreren geographischen Regionen unabhängig voneinander entdeckt, so beispielsweise im Norden Asiens, wo im sibirischen Amur-Gebiet die bislang ältesten Tongefäße der Welt gefunden wurden.

Die mesolithische Jomon-Kultur in Japan stellte ebenfalls bereits Keramikgefäße her, wie etwa 15.000 Jahre alte Funde belegen.

Sehr alte Keramikfunde wurden zudem in China und in der Ukraine, im Sudan sowie auf dem Gebiet des heutigen Mali in Westafrika und im Nildelta nachgewiesen. Erfolgte die Herstellung früher Keramikprodukte wohl immer im „offenen Feldbrand“, so sind seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. in China erste Töpferöfen nachweisbar.

Omega Speedmaster Moonwatch Dark Side of the Moon Pitch Black Gehaeuse KeramikSpätestens seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. waren sie auch im Vorderen Orient sowie in Mitteleuropa in Gebrauch. Angesichts ihrer frühen Verbreitung ist es nicht erstaunlich, dass keramische Fundstücke bei der Datierung und Identifizierung von archäologischen Kulturen eine zentrale Rolle spielen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten – auch in der Uhrenindustrie

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Herstellungsverfahren für Keramikprodukte und deren Einsatzmöglichkeiten immer mehr erweitert.

Heute werden längst nicht mehr nur Geschirr, Vasen, Ofenkacheln, Dachziegel, Backsteine oder Wand- und Bodenfliesen aus keramischen Materialien hergestellt, sondern noch zahlreiche weitere Produkte. Für die Herstellung elektrotechnischer Geräte und Anlagen sowie in der Medizin, in der Raumfahrt, im Maschinenbau, im Fahrzeugbau und in verschiedenen anderen Branchen werden Gegenstände und Bauteile aus Keramik verwendet.

Ein weiterer Anwendungsbereich ist seit mit Jahren wachsender Beliebtheit die Uhrenindustrie.

Das Spektrum reicht dabei von kompletten Uhrengehäusen über Armbänder bis hin zu einzelnen Bauelementen wie Lünetten.

Rado: ein innovativer Pionier im Segment Keramikuhren

Als besonders innovativ und engagiert bei der Erforschung und Nutzung neuer High-Tech-Materialien erweist sich seit Jahrzehnten immer wieder die seit 1983 unter dem Dach der Swatch Group angesiedelte Marke Rado.

Diese war aus einer 1917 von den Gebrüdern Schlup im schweizerischen Lengnau gegründeten Uhrenfabrik hervorgegangen, die zunächst ausschließlich Rohwerke für andere Uhrenhersteller produziert und 1937 die Rado Watch Co. Ltd. als Tochtergesellschaft gegründet hatte.

Rado sorgte 1962 für Aufsehen in der Uhrenbranche, als das Unternehmen das Modell DiaStar lancierte, welches als erste kratzfeste Uhr der Welt gilt.

Seither setzt der Hersteller in starkem Maße auf verschiedene High-Tech-Werkstoffe, die selbst oder in Kooperation mit der Georges Ruedin S.A., die ebenfalls zur Swatch Group gehört, entwickelt werden. Neben dem von zahlreichen anderen Luxusuhrenherstellern ebenfalls verwendeten Saphirglas gehören dazu Hartmetall, Lanthan, polykristalliner Diamant sowie technische Keramik.

So wurde 1986 mit dem Modell Rado Integral eine Uhr vorgestellt, deren Gehäuse komplett mit kratzfestem Saphirglas bedeckt war und die an einem Armband aus kratzfester, ultraharter Keramik getragen wurde. 1990 folgte das Modell Ceramica, bei dem Gehäuse und Armband komplett aus dem harten Werkstoff bestanden, und die 1997 lancierte Vision 1 war als erste Uhr der Welt aus polykristallinem Diamant gefertigt, – um nur einige wichtige Meilensteine in der Kollektion der Marke zu nennen, die heute unter anderem die Produktlinien HyperChrome, DiaMaster, Captain Cook, Centrix oder die Ceramica.

Rado Captain Cook High-Tech Ceramic Diver in der Version R32129158    Rado Centrix Automatic Diamonds in der Version R30941702

Die Vision 1 wurde 2001 sogar als härteste Uhr der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

Bis heute stehen Keramikuhren und Uhren aus anderen innovativen und extrem widerstandsfähigen Materialien im Fokus dieses Herstellers, der für seine Produkte bereits mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet worden ist.

Omega Ceragold

Andere Anbieter im Luxussegment haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls intensiv mit dem Thema Keramikuhren auseinandergesetzt und dabei jeweils eigene Lösungen gefunden. So hat Omega zum einen eigene Modelle – wie die Omega Speedmaster Dark Side of the Moon mit Co-Axial-Kaliber – und zum anderen unter dem Namen Ceragold eine neue Möglichkeit zur Verbindung von Gold und Keramik entwickelt.

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Der ersten öffentlichen Präsentation der neuen Ceragold-Technik im Jahr 2012 war eine rund fünfjährige Entwicklungsphase vorausgegangen. Das Verfahren wird beispielsweise genutzt, um Keramiklünetten wie bei der Seamaster Planet Ocean Ceragold mit Elementen aus Gold auszulegen. Dabei werden zunächst mittels eines Lasers Aussparungen für Indizes und Ziffern in den aus Keramik gefertigten Drehring hineingraviert.

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Im nächsten Schritt werden diese Aussparungen nach einem auf galvanischen Ablagerungen basierenden Prozess so mit Gold gefüllt, dass dieses praktisch auf der Keramik „wächst“. Die technologische Herausforderung besteht dabei darin, dass eigentlich nur Metalle, nicht aber keramische Werkstoffe galvanisch behandelt werden können. Die Lösung des Problems sind kleine Löcher, die in den Boden der Gravierungen gebohrt und dann mit Gold gefüllt werden. Auf diese Weise entstehen Bindepunkte, die zu einer verbesserten Anhaftung des Goldes führen. Die innovative Ceragold-Technologie erzeugt eine sehr glatte, einheitliche Oberfläche.

Omega Seamaster Planet Ocean 600 M Co-Axial Master Chronometer 43,5mm in der Version 215.63.44.21.03.001 aus 18 K. Sedna-Gold mit Ceragold Keramiklünette.

Material der Superlative

Keramikuhren sind High-End-Uhren und das zeigen nicht nur die Vertrteter von Rado oder Omega. Das leichte Material mit der außergewöhnlichen Kratzfestigkeit fand auch bei den eleganten Damenuhren der Chanel J12 Linie großen Anklang. Puristisch glänzende Schönheiten wie Yin und Yang sind die Black Ceramic und die White Ceramic der Uhrenkollektion.

Chanel J12 Black Ceramic in der Version H2569 in schwarzer Hightech-Keramik mit 8 Diamanten Chanel J12 White Ceramic in der Version H2570 in weißer Hightech-Keramik mit 8 Diamanten und Perlmutt-Zifferblatt

Optisch noch offensiver geht es die Manufaktur Hublot an, die zahlreiche Keramikuhren im Portfolio hat. Besonders hervorheben möchten wir die besondere und doch elegante Hublot Orlinski Blue Ceramic 40 mm aus der Classic Fusion Kollektion, weil wir finden, dass Keramik kaum beeindruckender sein könnte als hier.

Hublot Classic Fusion Orlinski Blue Ceramic 40 mm in der Version 550.ES.5100.RX.ORL21 Hublot Big Bang Unico Titanium Ceramic in der Version 421.NM.1170.RX

Hochwertige Keramikuhren schon im mittleren Segment erhältlich

Es liegt auf der Hand, dass Uhren wie die Ceragold-Modelle von Omega schon allein wegen des dabei verwendeten Edelmetalls im oberen Preissegment des Luxusuhrenmarktes angesiedelt sind. Doch auch Uhrenliebhaber, die nicht unbedingt gleich einen höheren vier- oder fünfstelligen Euro-Betrag investieren möchten oder können, brauchen bei der Auswahl einer Armbanduhr nicht auf die Schönheit und Funktionalität keramischer Materialien zu verzichten.

Bereits im mittleren Segment finden sich mehrere Keramikuhren von renommierten Herstellern. Bei Herrenarmbanduhren kommt hier zum Beispiel die Junghans Force Mega Solar infrage, eine High-End-Keramikuhr mit Multifrequenz-Funk-Solarwerk inkl. Autoscan, Großdatum und Sleep-Mode.

Junghans Force Mega Solar in der Version 018/1002.00

Ein Pendant für weibliche Uhrenfans mit einer Vorliebe für den Werkstoff ist die Tag Heuer Aquaracer Quarz 35 mit weißem Zifferblatt. Wenn auch nicht mehr ganz mittleres Preissegment lohnt sich der Einstieg hier. Darüber hinaus führen neben Rado, Omega, Rolex und Junghans auch Hersteller wie Oris und andere ganze Keramikuhren oder Modelle mit Lünetten aus Keramik in ihren Sortimenten.

Tag Heuer Aquaracer Quarz 35mm

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