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Swatch Group verlässt die Uhrenmesse

« Keine Swatch auf Baselworld 2019 »

18 Marken, über 36.000 Mitarbeiter und Präsenz in allen Preissegmenten – die Swatch Group ist das mit Abstand größte Unternehmen der Uhrenbranche. Entsprechend groß war der Schock, als der Gigant Ende Juli seinen Rückzug von der Baselworld bekanntgab. Damit verliert die Weltmesse für Uhren und Schmuck seinen größten Aussteller – droht nun etwa eine Kettenreaktion oder gar das zukünftige Aus der Veranstaltung? Sicher ist, dass eine erfolgreiche Zukunft der Baselworld nur mit weitreichenden Veränderungen möglich ist.

Warum die Trennung?

Zunächst scheint der Rückzug von Swatch unsinnig, schließlich gilt die Uhrenmesse als wichtigstes Event in der Branche. In Basel treffen die Größen der Industrie aufeinander, es werden Kontakte geschlossen, Geschäfte vereinbart. Doch in den letzten Jahren ist die Bedeutung der Messe zurückgegangen – während sie früher als „der Ort“ schlechthin galt, um Uhren an Konzessionäre zu verkaufen, finden die wichtigen Geschäfte heutzutage woanders statt. Das Zeitalter der Digitalisierung ermöglicht den Marken völlig neue Wege zur Produktvorstellung, zudem erfreut sich der SIHH (Salon de la Haute Horlogerie) in Genf steigender Beliebtheit. Größen wie Girard-Perregaux oder A. Lange & Söhne sind längst nicht mehr in Basel, sondern in Genf anzutreffen.

Der CEO von Swatch, Nick Hayek, führt weitere Gründe für den Ausstieg an. So sei vor allem der bestimmende, in einigen Kreisen sogar als arrogant gescholtene, Umgang mit den Ausstellern, seitens der Messeleitung, problematisch. Statt sie in Veränderungen einzubinden, konzentriere sich die verantwortliche MCH Group vor allem auf die Amortisierung des neuen Gebäudes – umgerechnet rund 380 Mio. Euro kostete der 2013 eröffnete Neubau des renommierten Architekturbüros Herzog & de Meuron. Entsprechend hoch sind die Kosten für die Swatch Group, kleinere Aussteller sowie Besucher der Messe.

Der Kostenpunkt dürfte entscheidend dafür sein, warum es zukünftig keine Swatch auf der Baselworld zu sehen gibt.

Schlicht und einfach stehen die Kosten nicht im Verhältnis zum Ertrag, den Swatch durch die Präsentation von Omega, Tissot, Longines und Co. generiert. Darüber hinaus präferieren die Marken seit einiger Zeit ohnehin die Eröffnung eigener Boutiquen, wodurch Konzessionäre an Bedeutung verlieren. Auf diese und andere aktuelle Herausforderungen scheint die Messe momentan keine Antwort zu haben, ein attraktives Konzept zur Neugestaltung wurde noch nicht realisiert.

Swatch – der Riese der Uhrenindustrie

Es bedarf keiner genauen Betrachtung, um die gewaltigen Ausmaße der Swatch Group zu erkennen: Die Holding umfasst 37 Tochtergesellschaften in rund 50 Ländern, 2016 belief sich der Umsatz auf rund 7,5 Milliarden Franken. Deutliche Präsenz zeigt der Konzern in allen Preissegmenten der Uhrenindustrie. So gehören zum Luxussegment etwa Blancpain, Breguet, Omega und Glashütte Original, während sich im starken Mittelsegment neben Tissot und Certina auch Rado, Union Glashütte und Hamilton bewegen. Erwähnenswert ist zudem, dass mit der ETA SA der größte Zulieferer von Kalibern aller Klassen zum Unternehmen gehört.

Damit wird klar, dass die renommierte Uhrenmesse aus Basel mit dem Rückzug ihres größten Ausstellers einen beachtlichen Verlust erleidet – er wird auf rund 50 Mio. Franken geschätzt. Berücksichtigt man zudem die nun geringere Attraktivität für Besucher und andere Aussteller, sind weitere Gewinn-Schmälerungen zu erwarten. Steht die Messe also nun am Abgrund? Wohl eher nicht.

Und wie steht es um die Zukunft der Baselworld?

Auch wenn es 2019 keine Swatch auf der Baselworld geben wird, lebt die Messe (vorerst) weiter. Angesichts der reichen Historie der Veranstaltung wäre alles andere überaus bedauerlich – bereits 1917 fand im Rahmen der Basler Mustermesse die erste Uhren- und Schmuckmesse statt. Anfang der 1930er Jahre war die Beliebtheit schon so groß, dass der Veranstaltung ein eigener Pavillon zugesprochen wurde. 1973 erfolgte mit der Öffnung für ausländische Aussteller eine weitere Vergrößerung.

Man konnte den steigenden Erfolg der Uhrenindustrie buchstäblich am Wachstum der Baselworld ablesen.

In jüngster Zeit hingegen hat die Messe mit gravierenden Problemen zu kämpfen, 2018 nahmen mit rund 650 Ausstellern nur halb so viele teil wie im Vorjahr. Wenige Jahre zuvor konnten noch etwa 2000 Aussteller verzeichnet werden.

Trotz der bedrohlichen Lage sind wichtige Stützen des Events noch intakt – wenngleich Certina, Hamilton und Rado nun nicht mehr anzutreffen sind, haben Rolex und Patek Philippe bereits ihre Teilnahme 2019 zugesagt. Auch Breitling gab bekannt, im nächsten Jahr auszustellen. Dieses Fundament wird durch die Tatsache gestärkt, dass auch LVMH im Jahr 2019 dabei sein wird – zum Luxusgüterkonzern gehören unter anderem Tag Heuer, Hublot und Zenith.

Die Lage erfordert Veränderungen

Kurzfristig scheint das Bestehen der Baselworld also sicher zu sein. Langfristig müssen sich die Organisatoren jedoch Gedanken darüber machen, wie die Attraktivität der Veranstaltung wieder auf Spitzenniveau gebracht werden kann – definitiv kein Kinderspiel. Sollten zukünftig weitere Marken fehlen, die eine ähnliche Symbolkraft wie Breguet, Blancpain oder Glashütte Original haben, würde dies unvermeidlich das Ende der traditionsreichen Messe bedeuten.

Wenn es aber gelingt, in den kommenden Jahren einen Neuanfang mit kreativen, modernen Ideen zu starten, könnte die Swatch Group und mit ihr Marken wie Omega, Longines und Union Glashütte auf das Parkett in Basel zurückkehren.

Hört man jedenfalls auf die Worte des Messechefs Michel Loris-Melikoff, besteht Grund zur Hoffnung: Bereits 2019 soll die Messe „kreativ und in einer neuen Denkart“ ausgetragen werden.

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