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Die Geschichte der Rolex Milgauss

« Besondere Uhr für besondere Einsätze »

Die Rolex Milgauss ist eine Uhr wie keine andere: Sie bietet ein Maximum an Wiedererkennungswert, drängt sich dabei aber weder von der Größe noch von der äußeren Form her besonders in den Vordergrund. Vielmehr bietet sie einen dezenten Hauch von Exotic und einen Vorteil, von dem besonders die Angehörigen bestimmter naturwissenschaftlicher und technischer Berufe profitieren. Wir werfen einen Blick auf diese außergewöhnliche Uhr, die bereits seit gut einem halben Jahrhundert auf dem Markt und nach wie vor gefragt ist.

Milgauss – eine kleine, aber feine Modelllinie

Wenn der Name Rolex fällt, denken viele Uhrenfans vor allem an Modelle wie die Cosmograph Daytona, die Datejust oder die Submariner, während die Milgauss im öffentlichen Bewusstsein deutlich weniger präsent ist. Gleichwohl gehört sie längst zu den Eckpfeilern des Sortiments und hat eine im Vergleich zu den anderen Modelllinien vielleicht etwas kleinere, aber umso treuere Fangemeinde. Als Massenprodukt war die im Jahr 1956 erstmals öffentlich vorgestellte Rolex Milgauss allerdings von vornherein nicht geplant. Vielmehr wurde sie speziell für Menschen entwickelt, die bis dahin häufig mit Problemen rechnen mussten, wenn sie ihre Armbanduhr auch bei der Arbeit trugen.

Dazu gehören vor allem Ingenieure und Techniker, aber auch Naturwissenschaftler und bestimmte Ärzte, die während ihrer Tätigkeit häufiger starken Magnetfeldern ausgesetzt sind. Diese können den präzisen Gang einer mechanischen Uhr empfindlich stören. Schon seit den 1920er Jahren hatten sich verschiedene Uhrenhersteller deshalb mit der Frage beschäftigt, wie ein Uhrwerk gegen den Einfluss von Magnetkräften abgeschirmt werden könne. Antimagnetische Eigenschaften wurden bald ebenso zu einem Qualitätskriterium hochwertiger Luxusuhren wie Ganggenauigkeit, Wasserdichtigkeit und Stoßsicherheit. Schon bei einer magnetischen Flussdichte von 50 bis 100 Gauss kann die Genauigkeit einer mechanischen Uhr spürbar beeinträchtigt werden, sodass hochwertige handelsübliche Uhren immer häufiger gegen derartige Einflüsse abgeschirmt wurden.

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Die Milgauss war jedoch die erste mechanische Uhr, die darüber hinaus auch gegen starke Magnetfelder von bis zu 1.000 Gauss unempfindlich war. Sie wurde daher schnell zur bevorzugten Armbanduhr vieler Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler, insbesondere auch im Bereich der Kernforschung und ermöglichte es beispielsweise den bei der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) tätigen Mitarbeitern, ihre Armbanduhr auch bei der Arbeit nicht ablegen zu müssen. Die Widerstandsfähigkeit gegen Magnetfelder von bis zu 1.000 Gauss war letztlich auch für die Wahl der Modellbezeichnung ausschlaggebend, denn diese setzt sich neben der nach dem Physiker Johann Carl Friedrich Gauß benannten Einheit für die magnetische Flussdichte aus dem französischen Wort „mille“ für „tausend“ zusammen.

Oyster-Gehäuse, patentierter innerer Schutzschirm und Blitzzeiger

Im Laufe der Jahre hat sich das Design der Rolex Milgauss nur unwesentlich verändert. Sie ist nach wie vor in einem Oyster-Gehäuse untergebracht, das bei den heutigen Versionen einen Durchmesser von 40 Millimetern aufweist. Von Anfang an integrierte man in das Gehäuse einen patentierten Schutzschirm, der aus ferromagnetischen Legierungen gefertigt wurde und das Uhrwerk gegen magnetische Einflüsse abschirmte. Seit dem Jahr 2000 wurden die antimagnetischen Schutzmaßnahmen noch weiter intensiviert, indem nun auch bestimmte Uhrwerksbauteile aus paramagnetischen Materialien hergestellt werden. Das zentrale äußere Erkennungsmerkmal des Modells war von Anfang an der blitzförmig gestaltete Sekundenzeiger, den es so bei keinem anderen Uhrenmodell gibt und der neben seiner Form auch durch den markanten orangefarbenen Ton auffällt.

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In den 1960er Jahren hatte man zeitweise auf diese besondere Gestaltung des Sekundenzeigers verzichtet, was einige Kritiker als einen der Auslöser für den zwischenzeitlichen Bedeutungsverlust der Modellreihe betrachten. Tatsächlich war ein so starker Magnetfeldschutz wie ihn die Rolex Milgauss bot, nur für einen relativ überschaubaren Kreis von potenziellen Käufern notwendig. Dieser Umstand und die allgemein rückläufigen Verkaufszahlen mechanischer Uhren im Zuge der sogenannten Quarzkrise der 1970er Jahre führten dazu, dass die Rolex Milgauss 1988 sogar vorübergehend aus dem Sortiment genommen wurde. Wer eines der bis dahin produzierten Exemplare besitzt, kann sich heute glücklich schätzen, denn die Modelle der 1960er bis 1980er Jahre sind heute begehrte Sammlerstücke, die nicht selten zu fünfstelligen Euro-Preisen gehandelt werden.

Renaissance eines Klassikers

Nachdem das Interesse an mechanischen Luxusuhren in den 1990er Jahren wieder stark zugenommen hatte, erinnerte man sich jedoch wieder an diesen besonders charaktervollen Klassiker und wagte im Jahr 2007 einen Relaunch. Die „neue“ Milgauss ist nicht nur an ihrem blitzförmigen Sekundenzeiger, sondern ebenso an dem leicht grünlichen Saphirglas zu erkennen, dass es so bei keinem anderen Rolex-Modell gibt. Zur weiteren Optimierung des Magnetfeldschutzes wurde das Werk nunmehr in einer Art Container aus Weicheisen mit einem verschraubten Innendeckel untergebracht, der lediglich zwei kleine Öffnungen für die Wellen von Aufzug und Zeigern besitzt. Auf eine Anzeige des Tagesdatums wurde vor diesem Hintergrund verzichtet.

Die bislang jüngste Version dieser kleinen, aber feinen Modellreihe präsentierte Rolex auf der Baselworld 2014. Sie hat ein Zifferblatt, das in einem intensiven Elektroblau schimmert. Davon heben sich der Blitzzeiger und die Minutenindizes mit ihrem kraftvollen Orangeton deutlich ab. Die Stundenindizes und die Zeiger sind mit Leuchtmasse beschichtet, sodass auch im Dunklen eine gute Ablesbarkeit gewährleistet ist. Wie alle Modelle mit Oyster-Gehäuse ist auch die Milgauss bis zu 10 Bar oder 100 Metern wasserdicht. Für eine hohe Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit sorgt das von der Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC) mit einem Chronometer-Zertifikat ausgezeichnete Kaliber 3131.

Weitere Farbvarianten erhältlich

Heute hat die Rolex Milgauss nicht nur unter Ingenieuren, Ärzten und Technikern ihre Liebhaber, sondern wird auch von Sportlern und anderen Menschen bevorzugt, die gern eine robuste, schlichte und dennoch sehr individuelle Uhr tragen möchten. Neben dem blauen Zifferblatt sind auch Versionen mit schwarzem oder weißem Zifferblatt erhältlich, wobei Letzteres mit einem klaren Saphirglas statt der sonst üblichen grünlichen Ausführung kombiniert wird.