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Omega Kaliber 321

« Rückkehr einer Legende »

Für viele Uhrenliebhaber war es eine kleine Sensation, als Omega Anfang 2019 bekanntgab, sein legendäres Kaliber 321 wieder auferstehen zu lassen. In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Fakten rund um dieses besondere Uhrwerk zusammengetragen und werfen einen Blick auf die Historie dieses besonderen Produkts der Uhrmacherkunst.

Das originale Moonwatch-Kaliber kehrt zurück

Omegas Pressemitteilung vom 8. Januar 2019 ließ die Herzen von Liebhabern mechanischer Uhren und Technik-Nostalgikern rund um den Globus höherschlagen. Immerhin kündigte die renommierte Schweizer Uhrenmanufaktur nichts weniger als die Wiedererweckung einer Legende an: Mehr als 50 Jahre nach der Fertigung des bislang letzten Exemplars, so der Hersteller, wolle man die Produktion des Chronographen-Kalibers 321 wieder aufnehmen.

Dieses war in den 1940er Jahren entwickelt und auf den Markt gebracht worden und gehört bis heute zu den von Sammlern am meisten geschätzten Uhrwerken der Welt. Die große und über Jahrzehnte hinweg anhaltende Beliebtheit verdankt es zum einen seiner Robustheit und Zuverlässigkeit und zum anderen seiner Eleganz und seinem ästhetisch besonders ansprechenden, filigranen Design. Weltweiten Ruhm erlangte es durch seinen Einsatz in der Omega Speedmaster, die letztlich zur Moonwatch werden sollte.

Von der Seamaster zur Speedmaster: die „Karriere“ des Kalibers 321

Das Omega Kaliber 321 ist ein Chronographenwerk mit Handaufzug, das zunächst in Modellen der Kollektion Seamaster verbaut wurde. Diese war bereits in den vierziger Jahren lanciert worden, umfasste damals aber noch keine Taucheruhren, sondern lediglich Modelle mit einer gewissen Wasserdichtigkeit. Als im Jahr 1957 die Speedmaster-Kollektion neu auf den Markt kam, fand das mittlerweile vielfach erprobte und bewährte Kaliber auch dort Verwendung.

Sein charakteristisches technisches Merkmal war das aus einem Stück gefertigte Monoblock-Säulenrad. Der Bau eines Säulenrad-Uhrwerkes verlangt eine besonders präzise Arbeitsweise bei Konstruktion und Herstellung, weshalb sich diese Werke bei Sammlern von mechanischen Uhren besonderer Wertschätzung erfreuen. Die Verbindung von hoher Ganggenauigkeit bei gleichzeitiger Robustheit und Zuverlässigkeit prädestinierte das Kaliber 321 geradezu für einen Aufgabenbereich, der in den 1950er Jahren gerade erst im Entstehen begriffen war, die 1960er Jahre aber bereits in entscheidender Weise prägen sollte: die bemannte Raumfahrt.

„Ritterschlag“ von der NASA

Als die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA nach einem geeigneten Uhrenmodell für ihre bevorstehenden bemannten Weltraummissionen suchte, fiel die Wahl 1962 nach kritischer Prüfung und umfangreichen, anspruchsvollen Testreihen auf Omegas Modell Speedmaster. Der Handaufzug-Chronograph konnte sich damit gegen alle anderen Wettbewerber durchsetzen und wurde so zum treuen Begleiter eines jeden amerikanischen Astronauten im Weltall. Das erste von der NASA getestete und zertifizierte Modell war jenes mit der Referenznummer ST 105.003. Am Arm von Ed White war diese Version mit dabei, als er den ersten „Weltraumspaziergang“ eines amerikanischen Astronauten unternahm.

In den Modellen mit der Referenznummer ST 105.012 kam das erfolgreiche Speedmaster-Kaliber ebenfalls zum Einsatz und wurde auf diese Weise zum Herzstück der „Moonwatch“ – jener Armbanduhr also, die im Juli 1969 von Neil Armstrong und Buzz Aldrin getragen wurde, während diese als erste Menschen den Mond betraten. Neben dem Omega Kaliber 321 und dessen bewährten Qualitäten ist es vor allem der Beteiligung an der Mondlandung zu verdanken, dass ausgerechnet dieser Chronograph zu einer der großen Uhrenikonen des 20. Jahrhunderts schlechthin geworden ist und bis heute zu den beliebtesten Chronographen-Klassikern im Luxussegment gehört.

Bemerkenswerter Weise gelang es Omegas Speedmaster bei einem Ende der 1970er Jahre durchgeführten erneuten Auswahlverfahren der NASA, die Konkurrenz wiederum hinter sich zu lassen und damit ihren Status als offizielle Uhr für die bemannten Weltraummissionen der Amerikaner eindrucksvoll zu bestätigen.

Zu dieser Zeit arbeitete in den Chronographen allerdings nicht mehr das Kaliber 321, sondern bereits eine Nachfolgerversion, die kostengünstiger herzustellen war und eine noch größere Präzision erreichte.

Ein zweites Leben für das Omega Kaliber 312 – Herausforderung für Uhrmacher und Ingenieure

Wenngleich die Speedmaster in den rund 50 Jahren seit der ersten bemannten Mondlandung äußerlich nur sehr behutsam modernisiert worden ist, hat sich ihr technisches Innenleben seitdem doch spürbar gewandelt. Das liegt zum einen daran, dass Käufer von hochwertigen Uhren heute oft Modelle mit automatischem Aufzug bevorzugen, während ein Handaufzug-Chronograph eher etwas für ausgesprochene Retro-Fans ist. Zur Zeit der Mondmission von Apollo 11 war die Technologie des automatischen Aufzugs zwar bereits seit längerer Zeit verfügbar, zunächst allerdings nur für herkömmliche Drei-Zeiger-Uhren und nicht für Chronographen. Die ersten mechanischen Chronographen mit Automatikwerken konnten nach mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit erst Anfang 1969, also wenige Monate vor Beginn der Mission, der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Omega Speedmaster Professional Moonwatch in der Version 31130423001006

In den folgenden Jahren wurden dann auch immer mehr Chronographen, darunter auch Omegas Moonwatch, mit automatischen Aufzugsmechanismen ausgerüstet und der Handaufzug verlor insgesamt weiter an Bedeutung. Als die Entscheidung für einen Relaunch der berühmten Speedmaster-Kaliber mit Handaufzug fiel, bedeutet dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für Omegas Uhrmacher und Ingenieure. Ein eigens dazu eingesetztes Expertenteam arbeitete zwei Jahre lang unter strengster Geheimhaltung an der Rekonstruktion von Kaliber 321. Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung und Entwicklung wirkten dabei eng mit Historikern und besonders erfahrenen Uhrmachern zusammen. Dabei wurde umfangreiches historisches Material einschließlich der Originalpläne gesammelt und ausgewertet.

Omega Speedmaster Professional Moonwatch in der Version 31133423001001

Zugleich untersuchte man eine originale Speedmaster ST 105.003, die von dem Astronauten Eugene „Gene“ Cernan – dem bislang letzten Menschen auf dem Mond – im Jahr 1972 während der Mission Apollo 17 getragen worden war, mithilfe eines digitalen Scanning-Verfahrens. Auf diesem Wege konnten detaillierte Vorgaben für das Design entwickelt und bei der Fertigung der Neuauflage erfolgreich umgesetzt werden.

Das Omega Kaliber 321: Symbol einer Epoche

Das Resultat ist eine authentische Rekonstruktion eines Uhrwerkes, das zu Recht als Symbol der „Mond-Epoche“ in Omegas Unternehmensgeschichte bezeichnet werden kann. Omegas Präsident und CEO Raynald Aeschlimann zeigte sich in diesem Zusammenhang erstaunt darüber, wie viele Fans das Kaliber 321 auch ein halbes Jahrhundert nach der Einstellung seiner Produktion noch hatte und dass es unter Liebhabern noch immer darüber gesprochen wird.

Man freue sich, deren Wünschen nun mit der bis ins kleinste Detail rekonstruierten Neuauflage gerecht werden zu können und habe dafür große Anstrengungen unternommen.

Das zu neuem Leben erweckte Omega Kaliber 321 wird direkt am Hauptsitz der Firma in Biel hergestellt, wo speziell für diesen Zweck eine eigene Werkstatt eingerichtet wurde. Dort wird jedes einzelne Exemplar von einem bestimmten Uhrmacher gefertigt.

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