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La Chaux-de-Fonds in der Vorstellung

« Uhren-Nabel der Welt »

Ville à la campagne – den Namen „Stadt auf dem Land“ trägt die Schweizer Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds nicht umsonst: Obwohl sie eine der größten Ortschaften im Hochjura ist, zeichnet sie sich durch einen ungewöhnlich ländlichen Charakter aus. Ihre ansässige Uhrenindustrie prägt diesen Ort seit Jahrhunderten und macht sie zu einem der wichtigsten Orte der Branche – lernen wir auf einer kleinen Reise den Uhren-Nabel der Welt kennen!

Geschichte erleben im Uhrenmuseum

Mit rund 40.000 Einwohnern gehört die im westlichen Kanton Neuenburg gelegene Stadt zu den größten der Region. Sie ist nicht nur wegen ihrer hohen Lage von etwa 1000 Metern ü. NN, sondern vor allem aufgrund ihrer Bebauung in Schachbrettform außergewöhnlich. Die rechtwinklig angelegten Straßen werden von Jugendstilhäusern gesäumt und halten eine Vielzahl kultureller Sehenswürdigkeiten bereit: Neben Bauwerken von Le Corbusier und der berühmten Turmuhr des Grand Temple, die lange Zeit als Zeitbasis des Ortes fungierte, finden sich fünf Museen unterschiedlicher Spezialisierung. Nicht umsonst wurde La Chaux-de-Fonds im Jahr 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt – zusammen mit dem nur 8 Kilometer entfernten und ebenfalls für seine Uhrenindustrie berühmten Le Locle.

Uhrenbegeisterte werden unter diesen Museen einen klaren Favoriten haben: Mit dem Internationalen Uhrenmuseum besitzt die Neuenburger Stadt eine der wichtigsten Ausstellungen des Fachgebiets. Von einem idyllischen Park umgeben, wird die Geschichte der Zeitmessung hier anhand vieler seltener und erstaunlicher Instrumente lebendig gemacht. Natürlich gibt es auch die prestigeträchtigen Marken zu bewundern, vertreten mit den exklusivsten Meisterstücken ihrer Uhrmacher. Highlights unter den mehr als 4500 Exponaten sind einige originale Werke Abraham Louis Breguets, eine astronomische Uhr aus dem 14. Jahrhundert sowie ein Schiffschronometer des Schweizer Pioniers Ferdinand Berthoud.

Große Marken, reiche Historie

Erstmals im Jahr 1350 urkundlich erwähnt, entwickelte sich La Chaux-de-Fonds im Laufe des 18. Jahrhunderts vom bäuerlichen Dorf zur Industriegemeinde.

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Der eigentliche Aufschwung aber kam mit der Uhrenindustrie: bahnbrechende Innovationen ab 1800 ermöglichten die Herstellung immer zuverlässigerer Zeitanzeiger – sie konnten nun in größeren Stückzahlen verkauft werden als zuvor und schufen zahlreiche Arbeitsplätze. Mit TAG Heuer und Girard-Perregaux waren zwei der heute berühmtesten Hersteller an diesem Prozess beteiligt und haben ihren Hauptsitz noch immer in der hochgelegenen Stadt.

Als besonders innovativ erwies sich das 1860 von Edouard Heuer gegründete Unternehmen: Mit dem ersten Patent für einen Stoppuhrmechanismus 1882, dem ersten auf Hundertstelsekunden genauen Chronograph im Jahr 1916 und dem ersten Quarzchronograph mit Analoganzeige im Jahr 1983 trug TAG Heuer im Verlauf seiner Geschichte massiv zum Fortschritt der Uhrenindustrie bei.

Dabei wurde die Marke gar nicht in La Chaux-de-Fonds, sondern im 15 km entfernten Saint-Imier gegründet. Die Stadt scheint geistreiche Uhrmacher also nicht nur hervorzubringen, sondern auch anzuziehen.

Geburtsort unzähliger Innovationen

Eine weitere Prominenz unter den ansässigen Herstellern ist Girard-Perregaux: Die Nobelmarke gehört zu den exklusivsten Manufakturen weltweit und erlangte durch Leistungen wie dem besonders präzisen Gyromatic-Werk von 1957 Bekanntheit.

Wer komplexe und sündhaft teure Komplikationen sucht, ist hier ebenfalls an der richtigen Adresse: Tourbillons und ewige Kalender zählen ebenso zum Repertoire Girard-Perregaux´ wie exklusive Chronographen.

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Heute gehört die Marke, ebenso wie die im Nachbarort Le Locle ansässige Manufaktur von Ulysse Nardin, zum Kering-Konzern. Dass die Verbundenheit zur Uhrenstadt trotz internationaler Verflechtungen weiterhin offensichtlich ist, macht die Marken gleichermaßen sympathisch wie glaubwürdig.

Magnet für neue Hersteller

La Chaux-de-Fonds ist in den letzten Jahrzehnten aber auch Heimat vieler kleinerer Hersteller geworden, die den fortschrittlichen Ruf der Stadt mit immer neuen und kreativen Zeitanzeigern verteidigen. So zum Beispiel das 1955 gegründete Unternehmen Corum, das auf den oberen Preisbereich spezialisiert ist und seinen Kunden sehr ungewöhnliche Modelle präsentiert. Welche der größeren Marken bietet schon ein Modell, dessen Zifferblatt aus einer gültigen 20-Dollar-Münze besteht?

Ganz im Gegensatz zu den ausgefallenen Kollektionen von Corum präsentiert sich die 1911 gegründete Marke Ebel betont klassisch, was den erfolgreichen Serien „1911“ und „Sport Classique“ anzusehen ist. Wer eines der Meisterstücke von Ebel trägt, fühlt sich in die ruhmreichen Zeiten des 19. und frühen 20. Jahrhundert versetzt, als La Chaux-de-Fonds seinen beispiellosen Aufstieg zur Uhrenstadt durchlebte.

Vulcain gehört sicher nicht zu den bekanntesten, wohl aber den markantesten Anbietern luxuriöser Uhren. Die bereits 1858 gegründete Manufaktur legte mehrfach ein besonderes Erfindungsreichtum an den Tag: 1947 zum Beispiel, als hier die erste Armbanduhr mit Handaufzug und integriertem Wecker entstand. Oder 1961 mit der „Cricket Nautical“, der ersten Taucheruhr mit einer über die Krone einstellbaren Dekompressionsskala.

An Prestige fehlt es Vulcain ebenfalls nicht: Oftmals auch als „Präsidentenuhr“ bezeichnet, wurde die Marke von den US-Präsidenten Truman, Eisenhower, Johnson und Nixon getragen.

Fazit: Ein charakterstarkes Zentrum der Uhrenindustrie

Das Herz der heutigen Uhrenbranche schlägt gleich an mehreren Ort: Genf, Le Locle und Grenchen, aber auch Glashütte zählen zu den bedeutendsten Uhrenstädten der Welt. Betrachten wir Geschichtsträchtigkeit und Bedeutsamkeit aller Orte, so sticht das charakterstarke La Chaux-de-Fonds besonders hervor:

Brunnen in La Chaux-de-Fonds
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Kulturelle, architektonische und industrielle Vielfalt prägen die Stadt, ohne die eine moderne Uhrenwelt, wie wir sie kennen, womöglich nie entstanden wäre. Sie ist nicht nur Heimat renommierter Marken, sondern auch Geburtsort vieler kleinerer Hersteller und bahnbrechender Ideen – so muss eine stabile Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft aussehen.

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