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Julius Assmann

« Ein Original aus Glashütte »

Uhrmacher, Unternehmer, Legende: Der Aufstieg Glashüttes zu einer der berühmtesten Städte der Horologie ist untrennbar mit dem Namen Julius Assmann verbunden. Seine Deutsche Anker-Uhren-Fabrik erschuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts international renommierte Zeitanzeiger, die zum Synonym für höchste Qualitätsstandards und puren Luxus wurden. Heute, mehr als 130 Jahre nach dem Tod des Pioniers, sind seine Spuren in der sächsischen Uhrenindustrie noch immer sichtbar.

Die Anfänge: Vom Bergbau zur Uhrmacherei

Genau wie zahlreiche Musiker, Sportler oder Schauspieler der Moderne begann Julius Assmann seine Karriere schon in jungen Jahren: 1827 in Stettin geboren, wandte er sich im Alter von 16 Jahren seiner Leidenschaft für mechanische Konstruktionen zu und entschloss sich zur Uhrmacherlehre bei einem lokalen Meister. Diese Ausbildung ergänzte er anschließend in Berlin, wo er sein Fachwissen als Gehilfe eines Chronometer-Produzenten vertiefte.

Assmanns Ehrgeiz sollte sich 1850 auszahlen, als er sich erfolgreich bei einem der größten Uhrmacher seiner Zeit bewarb. Sein Name: Ferdinand Adolph Lange.

Heute vor allem als Gründer der 1990 wiederbelebten Traditionsmarke A. Lange und Söhne bekannt, legte er im Jahr 1845 den Grundstein für die später florierende Uhrenindustrie der sächsischen Kleinstadt Glashütte. Damit folgte er dem Wunsch der königlich-sächsischen Regierung, die den jahrhundertelang vom Bergbau geprägten Ort nun in ein Zentrum der Zeitmessung verwandeln wollte und Lange mit einer kräftigen Anschubfinanzierung unterstützte. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten sollte es dem ursprünglich aus Dresden stammendem Unternehmer gelingen, die Kompetenz des deutschen Uhrenbaus in diesem unscheinbaren Ort zu ballen und damit den Nährboden für junge Talente wie Assmann zu schaffen.

Julius AssmannUnternehmer mit 25: Fall und Aufstieg des Julius Assmann

Bereits nach kurzer Zeit erkannte Lange, dass er mit dem begabten Stettiner nicht irgendeinen Uhrmacher, sondern ein Ausnahmetalent eingestellt hatte. So empfahl er Assmann nach nur zwei Jahren Beschäftigung die Gründung eines eigenen Unternehmens und bot ihm für dieses Vorhaben seine finanzielle Unterstützung an.

Ein Angebot, das der 25-jährige Angestellte beim besten Willen nicht ausschlagen konnte.

1852 rief er seinen eigenen Betrieb unter dem Namen „Deutsche Anker-Uhren-Fabrik“ ins Leben und spezialisierte sich zunächst auf die Forschung und Entwicklung neuer Uhrwerke. Was vielversprechend aussah, entwickelte sich allmählich zu einem wirtschaftlichen Desaster. Zwar verfügte der Jungunternehmer über zahlreiche Komponenten, die bei der Ausbildung neuer Facharbeiter entstanden, konnte diese jedoch nicht zu ganzen Uhren zusammenfügen.

Zudem wurden sämtliche Anfragen eines Darlehens an die sächsische Staatsregierung abgewiesen, sodass die neue Firma sieben Jahre nach ihrer Gründung vor dem Untergang stand.

Erst eine Bitte Adolph Langes, mit dem Assmann nach wie vor eine vertrauliche Beziehung führte, erzielte die Bewilligung des Kredits und ebnete nicht nur für die Deutsche Anker-Uhren-Fabrik, sondern für die gesamte Glashütter Uhrenindustrie den Weg zu erfolgreichen Jahrzehnten.

Höhepunkt und internationaler Erfolg

Den Auftakt zu dieser goldenen Ära lieferte ein echter Klassiker des sächsischen Ortes: Die bis heute prominente Glashütter Präzisionstaschenuhr. Im Jahr 1865 erstmals fertiggestellt, entstand sie in Kooperation von Assmann, Lange sowie den ebenfalls renommierten Fabrikanten Moritz Großmann und Adolf Schneider.

Julius Assmann Taschenuhr
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Dieses Gemeinschaftsprojekt sollte sich gleich doppelt auszahlen, da es reißenden Absatz in den wohlhabenden britischen Kolonien fand und gleichzeitig die Position Glashüttes gegenüber der Schweizer Uhrenindustrie stärkte. Aber auch ohne fremde Hilfe sollte Julius Assmann zu einer respektablen Größe seiner Branche werden, dessen Zeitanzeiger für hervorragende Zuverlässigkeit und Präzision standen – zahlreiche internationale Auszeichnungen wie beispielsweise von der Londoner Industrieausstellung dokumentieren diesen Erfolg. Während der Absatzmarkt zunächst fast komplett im Ausland lag, sorgten die glorreichen „Gründerjahre“ ab den 1870ern auch auf dem deutschen Markt für nennenswerte Verkäufe.

Zum Glück teilte der älteste Sohn des Pioniers Paul die Leidenschaft für filigrane Meisterstücke, ließ sich im heimischen Betrieb sowie im Schweizer Le Locle zum Uhrmacher ausbilden und führte die Firma seines herausragenden Vaters nach dessen Tod im Jahr 1886 weiter. Es sollte genau jenes Jahr sein, in dem mit Alfred Helwig ein weiteres Genie aus Glashüttes Uhrengeschichte geboren wurde.

Bereit für den Massenmarkt

J Assmann Taschenuhr
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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sah sich Paul Assmann mit einer gänzlich neuen Herausforderung konfrontiert: Nachdem Taschenuhren bisher einer überwiegend reichen Kundschaft vorbehalten waren, stieg der Bedarf nun auch in der Mittelschicht rasant an. Zusammen mit Frederick Gruen, dem Sohn des amerikanischen Uhren-Unternehmers Dietrich Gruen, gründete er deshalb im Jahr 1894 die „Grünsche Uhrenfabrikation Grün und Assmann“, die parallel zu der Traditionsfirma bestand. Durch die Kombination der Glashütter Expertise und des US-amerikanischen Schablonen-Uhren-Systems, einem Verfahren zur einfacheren Herstellung großer Stückzahlen, gelangen auf diese Weise beachtliche Jahresproduktionen von etwa 2.000 Stück.

Bis zum Tod Paul Assmanns im Jahr 1911 genossen seine Firmen außerordentliche Erfolge, gezeichnet durch die Verbindung zum amerikanischen Markt, neue Gesellschafter und die Herstellung von High-End-Komplikationen wie ewigen Kalendern, Minutenrepetitionen und Doppelchronographen.

Keine Frage: Aus dem beschaulichen Betrieb von 1852 war ein international tätiges Unternehmen geworden.

Was bleibt: Das Erbe des Meisters

Der Erste Weltkrieg und seine verheerenden Folgen setzten der Deutschen Anker-Uhren-Fabrik, nun im Besitz des Unternehmers Georg Heinrich, ein jähes Ende: Nachdem der Betrieb zunächst an einen Thüringer Konzern verkauft wurde, erfolgte 1926 die Liquidation und damit der Untergang des Herstellers. Alle bis 1930 unternommenen Versuche Fritz Assmanns, dem Sohn Paul Assmanns, zur Wiederbelebung der Glashütter Firma scheiterten.

Ist Julius Assmann heute also nicht mehr als ein Fall für die Geschichtsbücher? Eine von vielen Karrieren ohne Nachwirkung? Jeder Glashütter Enthusiast wird allein bei diesen Fragen den Kopf schütteln. Denn das Vermächtnis des Pioniers zählt zu den größten der modernen Horologie.

Neben der jahrzehntelangen Weiterentwicklung der Taschenuhr, ihrer stetigen Verbesserung zu einem verlässlichen Präzisionsinstrument, war auch die Deutsche Uhrmacherschule auf die Leistungen Assmanns zurückzuführen. Zusammen mit Lange und anderen Größen des Ortes gründete er jene Akademie, die von 1878 bis 1992 unzählige Meister im Uhrenbau hervorbrachte.

Es verwundert also kaum, dass Glashütte Original den innovativen Unternehmer bereits mehrfach mit High-End-Modellen wie der „Julius Assmann 4“ ehrte: Das spektakuläre Modell symbolisiert dank Tourbillon und skelettiertem Design die Spitze des Uhrenbaus, genauso wie ihr Namensgeber zur Spitze der horologischen Prominenz zählt.

Möge Assmanns Lebenswerk niemals in Vergessenheit geraten und die inzwischen wieder erfolgreiche Uhrenstadt, mit Marken wie Nomos, Mühle, Union Glashütte oder Bruno Söhnle, helfen, das Erbe des Uhrenpioniers bewahren.

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