GMT Uhren mit zweiter Zeitzone

« Eine Funktion, verschiedene Lösungen »

Die Anzeige der Uhrzeit für eine zweite Zeitzone ist eine der beliebtesten Komplikation bei hochwertigen mechanischen Armbanduhren. Sie dokumentiert nicht nur das uhrmacherische Können des Herstellers, sondern hat zudem einen sehr praktischen Nutzen auf Reisen. Beinahe jeder Hersteller von Luxusuhren führt in seinem Sortiment einige Modelle, die mit einer solchen Funktion ausgestattet sind. Bei der technischen Umsetzung sind im Laufe der Zeit mehrere unterschiedliche Lösungen für die häufig auch als GMT-Uhren bezeichneten Instrumente entwickelt worden.

Welchen Sinn hat die zweite Zeitzone bei einer Armbanduhr?

Wer sich auf Reisen in anderen Zeitzonen aufhält, muss den Zeitunterschied zwischen der Heimat und dem aktuellen Aufenthaltsort gut im Blick behalten, wenn er mit den Daheimgebliebenen kommunizieren will. Anderenfalls läuft er Gefahr, seine Angehörigen aus dem Schlaf zu klingeln oder sich auf dem Anrufbeantworter seiner Firma anhören zu müssen, dass das Büro zurzeit leider nicht besetzt sei. Eine Uhr, die neben der aktuellen Ortszeit noch die Uhrzeit für eine zweite Zeitzone anzeigen kann, ist in solchen Situationen sehr hilfreich. Darüber hinaus kann diese Zusatzfunktion an einer Armbanduhr für all jene nützlich sein, die zwar selbst nicht so oft in entfernteren Ländern unterwegs sind, aber regelmäßig mit Verwandten oder Geschäftspartnern im Ausland in Kontakt stehen.

Tag Heuer Carrera Calibre 7 Twin-Time GMT Zweite Zeitzone Rolex Cellini Dual Time GMT Zweite Zeitzone

Einige Liebhaber dieser Dual-Time-Komplikationen schwören zudem auf einen ganz besonderen Nebeneffekt beim Gebrauch dieser Uhr auf Reisen. Die Tatsache, dass die Zeiten am Herkunfts- oder Zielort und die aktuelle Ortszeit immer gleichzeitig zu sehen sind, kann angeblich die Umstellung auf eine andere Zeitzone erleichtern und unangenehme Erscheinungen wie ein Jetlag oder Schlafstörungen zumindest ein wenig lindern.

Woher kommt die Bezeichnung?

Die Abkürzung GMT steht für „Greenwich Mean Time“ und bezeichnet die mittlere Sonnenzeit am Nullmeridian der Erde. Diese galt in den Jahren von 1884 bis 1928 international als Weltzeit, ist aber in dieser Funktion bereits 1972 durch die Koordinierte Weltzeit (UTC) abgelöst worden. Heute ist die Bezeichnung deshalb nur noch in Großbritannien sowie in einigen Ländern Westafrikas verbreitet und steht dort für die Zeitzone der Westeuropäischen Zeit. In Modellbezeichnungen von Armbanduhren, die eine zweite Zeitzone anzeigen können, ist das Kürzel aus traditionellen Gründen jedoch immer noch häufig zu finden und wird bei den betreffenden Modellen meist auf dem Zifferblatt oder am Gehäuse angebracht. Ist dies nicht der Fall, enthält der Name der Uhr oft einen entsprechenden Hinweis.

Beispiele dafür sind etwa die Carrera Calibre 7 Twin-Time von Tag Heuer oder die Cellini Dual Time von Rolex.

Welche Arten von GMT-Uhren gibt es?

Uhrenkenner sind in der Regel nicht auf einen expliziten Hinweis auf der Uhr oder in deren Namen angewiesen. Vielmehr genügt ihnen meist ein Blick aufs Zifferblatt, um Dual-Timer als solche identifizieren zu können. Denn um eine zweite Zeitzone anzeigen zu können, benötigen Uhren – je nach Modell – einen zusätzlichen Zeiger und eine 24-Stunden-Skala, ein zusätzliches kleines Hilfszifferblatt oder einen verstellbaren Ring mit Angabe der verschiedenen Zeitzonen. Letztere erfolgt dabei typischerweise in Form von Städtenamen, bei denen es sich jeweils um die Referenzorte der einzelnen Zeitzonen handelt.

Breitling Avenger II GMT Zweite Zeitzone Omega Seamaster Planet Ocean Good Planet Foundation GMT Zweite Zeitzone

Bei vielen Modellen fällt die Anzeige für die zweite Zeitzone zudem durch besondere farbige Akzente auf. Bei einigen Modellen wie der Breitling Avenger II GMT oder der Omega Seamaster Planet Ocean GMT Good Planet Foundation sind die zusätzlichen Zeiger in einem auffälligen Rot- beziehungsweise Orangeton gehalten.

Rolex GMT-Master II GMT Zweite Zeitzone Tag Heuer Formula 1 Calibre 7 GMT Zweite Zeitzone

Die Rolex GMT Master II oder die Tag Heuer Formula 1 Calibre 7 GMT Automatik 41 mm sind dagegen mit zusätzlichen Stundenzeigern ausgestattet, die dank der dort verwendeten blauen oder grünen Farben weniger auffällig wirken. Die zugehörige 24-Stunden-Anzeige kann dabei – wie im Falle der Formula 1 oder der GMT-Master – auf der Lünette oder auch am äußeren Rand des Zifferblatts angebracht sein.

Longines Heritage Avigation GMT Zweite Zeitzone Omega Seamaster Auqa Terra 150 M GMT Zweite Zeitzone

Bei anderen Uhren, wie der Hamilton Jazzmaster Traveler GMT, der Longines Heritage Avigation oder der Omega Seamaster Aqua Terra 150 M GMT wiederum befindet sie sich innerhalb der normalen Stundenindizes auf dem Zifferblatt, sodass der vierte Zeiger bei diesen Modellen kürzer ausgeführt ist. Ein weiteres auffälliges Merkmal dieser Uhrengattung mit einer am Zifferblattrand oder auf dem Gehäuse platzierten Anzeige für eine weitere Zeitzone ist die unterschiedliche farbige Markierung der Tages- beziehungsweise der Nachtstunden.

Sie ist beispielsweise der Grund für die charakteristische blau-rote oder schwarz-rote Farbgebung der Lünette bei den Versionen der GMT Master, die mitunter eben wegen dieser Farbkombinationen scherzhaft als „Pepsi-“ oder „Coca-Cola-Rolex“ bezeichnet werden.

Zweite Zeitzone auf dem Hilfszifferblatt

Zwei Beispiele für ein kleines zusätzliches Hilfszifferblatt, auf dem die zweite Zeitzone mittels zweier Zeiger dargestellt wird, sind die TAG Heuer Carrera Calibre 8 GMT Automatik 41 mm sowie die bereits erwähnte Cellini Dual Time von Rolex.

Tag Heuer Carrera Calibre 8 GMT Zweite Zeitzone Rolex Cellini Dual Time Weißgold GMT Zweite Zeitzone

Handelt es sich um einen Chronographen mit zweiter Zeitzone, dann muss diese nicht zwangsläufig auf einem der Hilfszifferblätter abzulesen sein, sondern kann auch – wie etwa bei dem Modell Omega Seamaster Aqua Terra Chronograph – durch einen zusätzlichen Stundenzeiger auf dem Hauptzifferblatt angezeigt werden.

Omega Seamaster Aqua Terra 150 M Chronograph GMT Zweite Zeitzone Breguet Classique GMT Zweite Zeitzone

Eine besonders exklusive Vertreterin jener Uhren, die die zweite Zeitzone durch die Namen von Referenzorten anzeigen, ist die Breguet Classique GMT. Die entsprechende Anzeige erfolgt bei diesem Modell jedoch in einem eigenen Fenster bei der Sechs, sodass jeweils nur eine Ortsangabe vollständig zu sehen ist. Dagegen sind die Namen der Zeitzonen-Referenzorte bei ähnlichen Modellen anderer Hersteller auf dem Zifferblatt oder auf dem Rehaut angebracht und daher stets vollständig sichtbar.

Uhren für Piloten und Navigatoren: ein Blick in die Uhrengeschichte

Als Pionier unter den Uhren mit zweiter Zeitzone gilt übrigens die Rolex GMT Master. Dieses Modell ging im Jahr 1953 aus einer Kooperation zwischen der renommierten Schweizer Uhrenmanufaktur mit dem Kronen-Logo und der amerikanischen Fluggesellschaft Pan American World Airways (PanAm) hervor. Es entwickelte sich schnell zu einer der beliebtesten Modelle, die von Piloten in der Zivilluftfahrt getragen wurden – und auch heute noch gern getragen werden.

Da Zeitzonen übergreifende Berechnungen bis zur Einführung von Bordcomputern von Piloten und Navigatoren selbst ausgeführt werden mussten, ist es nicht erstaunlich, dass sich auch im Sortiment eines so betont Luftfahrt-affinen Uhrenherstellers wie Breitling zahlreiche Modelle mit GMT-Funktion finden.

Breitling Chronomat GMT Zweite Zeitzone Breitling Navitimer GMT Zweite Zeitzone

Ob Avenger, Chronomat oder Navitimer – all diese Breitling-Klassiker gibt es auch in Versionen mit zusätzlichem Zeiger für eine zweite Zeitzone. Eine technische Herausforderung bei der Entwicklung von mechanischen Uhren mit zweiter Zeitzone bestand übrigens darin, das Einstellen der zweiten Uhrzeit zu ermöglichen, ohne dass dafür ein Anhalten des Uhrwerks und ein erneutes Stellen der Anzeige für die „Hauptzeit“ notwendig ist.

Für Sammler mechanischer Luxusuhren haben Modelle mit GMT-Funktion oft einen ganz besonderen Reiz, denn sie ermöglichen ihnen einen Einstieg in die faszinierende Welt der Komplikationen, und das zu Preisen, die im Vergleich zu denen von Masterpieces mit Ewigem Kalender oder Tourbillon durchaus erschwinglich sind. Es gibt also eine ganze Reihe guter Gründe für den Kauf einer Dual Time, auch wenn man nicht ständig auf Reisen ist, – sei es nun die Faszination der Uhrentechnik oder einfach nur der Wunsch nach einer Uhr mit einigen besonderen optischen Akzenten.

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