Glashütte

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„Glashütte – hier lebt die Zeit!“ Dieser Spruch, der anlässlich der Feierlichkeiten zum 500-jährigen Stadtjubiläum entstand, spiegelt die Besonderheit des im östlichen Erzgebirge gelegenen Ortes perfekt wider: Die kleine Stadt im Osterzgebirge, unweit der Elbmetropole Dresden, bildet das Zentrum der deutschen Uhrenindustrie. Hier wurden und werden Zeitanzeiger kreiert, die weltweit ihresgleichen suchen.

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Tauchen Sie ein in die herausragende Historie eines faszinierenden Ortes deutscher Uhrenkunst. Wir nehmen Sie mit auf eine spannende Zeitreise in frühere Jahrhunderte, um zum Schluss in der Gegenwart des sächsischen Uhrmacherortes mit seinen modernen Herstellern – von „Nomos“, „Union“ und „Original“ bis hin zu „Bruno Söhnle“ – anzukommen.

Meilensteine der Glashütter Geschichte

Am 10. Februar erhält Glashütte (um 1400 gibt es hier Berichten zufolge kurzzeitig Glashütten) das Stadtrecht durch Herzog „Georg den Bärtigen“. Drei Jahrhunderte lang prägt der Bergbau das Städtchen, ehe Anfang des 19. Jahrhunderts die Erzquellen allmählich versiegen und auch die Strohflechterei und Landwirtschaft keine großen Erträge bringen, sodass die Gegend verarmt.

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1845 erblickt die dortige Uhrenindustrie das Licht der Welt. Der wichtigste Geburtshelfer ist Ferdinand Adolf Lange (1815 – 1875), der einige Jahre zuvor die 1828 gegründete „Technische Bildungsanstalt zu Dresden“ besuchte und bei Johann Christian Friedrich Gutkaes (1785 – 1845; damals als königlicher Hofuhrmacher tätig) das Uhrmacherhandwerk erlernte. Nach seiner Ausbildung begab er sich auf große Wanderschaft, die ihn unter anderem ins Schweizer Vallée de Joux, das berühmte „Tal der Uhrmacher“ unweit von Genf, führte. Dort entdeckte er die als Verlagssystem bekannte typische Schweizer Fertigungsmethode, bei der die Uhrenhersteller die Einzelteile für ihre Uhren von verschiedenen Fremdfirmen beziehen, die jeweils auf Uhrenteile, Werkzeuge oder Messmittel spezialisiert sind. Schließlich werden die aus Einzelteilen zusammengesetzten Uhren vom sogenannten „Verleger“ auch verkauft. Mit seinem neu erworbenen Wissen kehrte F. A. Lange nach Hause zurück und handelte mit der sächsischen Regierung ein Darlehen aus, das es ihm ermöglichte, seinen Traum von der heimatlichen Uhrenindustrie nach Schweizer Vorbild in Glashütte zu verwirklichen. Am 7. Dezember des Jahres 1845 beginnen er und sein Mitarbeiter Adolf Schneider (1824 – 1878; ebenfalls einstiger Schüler der Technischen Bildungsanstalt zu Dresden und Lehrling von J. C. F. Gutkaes) also die ersten 15 Lehrlinge auszubilden. Schon 36 Monate später machen sich einige derselben selbständig: Sie fertigen die gewünschten Uhrenteile und liefern sie an ihren Meister F. A. Lange.

Ein Prädikat betritt die Weltbühne

Manufakturkaliber DUW 10011851 wagt sich F. A. Lange mit seinen Uhren erstmals auf internationales Parkett. Er präsentiert die präzisen Uhren im Rahmen der Weltausstellung in London und findet große Anerkennung – insbesondere bei Engländern und Nordamerikanern. So verwundert es nicht, dass F. A. Lange mit gefüllten Auftragsbüchern heimkehrt und dem Namen Glashütte zu weltweitem Ruhm verhilft.

In den Folgejahren entstehen in der Kleinstadt viele weitere Uhrenmanufakturen. Erwähnenswert sind vor allem jene von Julius Assmann (1827 – 1886) und Carl Moritz Großmann (1826 – 1885), die beide von F. A. Lange unterstützt werden. J. Assmann gründet seinen Betrieb 1852. Seine Taschenuhren erhalten zahlreiche Auszeichnungen bei nationalen wie internationalen Ausstellungen. Zwei Jahre nach J. Assmann eröffnet C. M. Großmann seine Fabrik, die sich auf die Fertigung von Werkzeug spezialisiert. Darüber hinaus produziert sie Gangmodelle und feine Taschenuhren. Auch die Entwicklung der Glashütter Präzisionspendeluhren und Chronometer ist maßgeblich auf Großmanns Wirken zurückzuführen. 1855 gründet A. Schneider, der bisherige Mitarbeiter von F. A. Lange, seine eigene Uhrenfabrikation.

Union Glashütte SerisUnion Glashütte wird gegründet

Wir schreiben das Jahr 1874. Der Kaufmann Johannes Dürrstein (1845 – 1901) handelt mit F. A. Lange einen Exklusivvertrag für den Vertrieb der Uhren aus dessen Manufaktur aus. Die Zusammenarbeit bringt beiden Parteien großen Erfolg ein. Dennoch entscheidet sich J. Dürrstein, im Jahr 1893 seine eigene Uhrenmanufaktur zu eröffnen. Sie heißt Union und fertigt einfache Taschenuhren, Taschenchronometer und komplexe Taschenuhren mit Tourbillon. Zur Erläuterung: Der Tourbillon (französisch für „Wirbelwind“) bezeichnet eine spezielle Vorrichtung, die dazu dient, einen Fehler der Ganggenauigkeit durch die Schwerkraft auszugleichen.

Deutsche Uhrmacherschule

So, wie die Uhrenindustrie in Glashütte ihren Anfang nahm, ist es nur folgerichtig, dass dort im Jahr 1878 die „Deutsche Uhrmacherschule“ gegründet wird. Als Initiator fungiert C. M. Großmann, die Umsetzung liegt in den Händen des Zentralverbandes der deutschen Uhrmacher. In den Zimmern des Gemeindeschulhauses werden die Lehrlinge unterrichtet. Auf die rasch steigenden Schülerzahlen hin kommt es – dank der immensen Unterstützung von Staatsregierung, Kommune und einer Stiftung – 1881 zur Einweihung der neuen Uhrmacherschule im heutigen „Deutschen Uhrenmuseum“ der Stadt. Bis 1951 werden hier mehr als 4.000 Uhrmacher und Feinmechaniker ausgebildet. Die folgenden 40 Jahre befindet sich die „Ingenieurschule für Feinwerktechnik“ im Haus. Heute beherbergt das geschichtsträchtige Gebäude neben dem erwähnten Museum auch die Uhrmacherschule „Alfred Helwig“. Sie ist die Lehrausbildung der Manufaktur Original Glashütte.

Jede Uhr ist hier ein Original

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1918 vereinen sich mehrere Uhrmacher, um die „Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik e.G.m.b.H.“ (DPUG) zu gründen. Das Ziel dieser Produktionsgenossenschaft besteht darin, Taschenuhren möglichst preiswert fertigen zu können. Fortan werden die Zeitanzeiger unter der eingetragenen Schutzmarke „Original Glashütte“ hergestellt. Dieses Zeichen auf dem Zifferblatt ist ab 1921 das Siegel für Wertarbeit aus der Stadt und hebt sich von den Nachahmungen, auf denen beispielsweise „System Glashütte“ steht, ab. Heute werden den Richtlinien entsprechend in der Uhrenstadt gefertigte Armbanduhren mit dem Aufdruck „Glashütte/SA“ gekennzeichnet. Der Schriftzug steht sinnbildlich für viele Jahrhunderte Kunsthandwerk. Mit ihm ist das große Prestige des sächsischen Uhrenzentrums unzertrennlich verbunden.

Krisenjahre

In den 1920er-Jahren droht der Niedergang der Glashütter Uhrenfabrikation. Gründe dafür sind Inflation, Weltwirtschaftskrise und der verpasste Umstieg auf die Produktion von Armbanduhren. Um das Desaster zu verhindern, springt die Giro-Zentrale Sachsen in die Bresche: Sie finanziert die Gründung zweier neuer Firmen – 1926 entstehen die „Deutsche Uhren-Rohwerkefabrik Glashütte“ (Urofa) und die „Uhrenfabrik Glashütte AG“ (Ufag). Als erstes Glashütter Unternehmen fertigt die Urofa eigene Armbanduhrwerke und gibt damit den Startschuss für die Entwicklung verschiedener Armbanduhrkaliber.

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Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. Mai 1945, wird Glashütte bombardiert – und ein Teil der Uhrenmanufakturen zerstört. Doch die Glashütter Uhrmacher lassen sich von den schwierigen Umständen nicht unterkriegen und beginnen rasch mit dem Wiederaufbau der Zeitanzeigerfabrikation.

Der Neustart

1951 fusionieren alle noch bestehenden Uhrenhersteller der Stadt zum „VEB Glashütter Uhrenbetriebe“ (GUB). Bis zur deutschen Wiedervereinigung erschaffen die Fabriken ein breit gefächertes Sortiment an Armbanduhren und Geräten. Aus dem VEB Glashütter Uhrenbetriebe bildet sich am 16. Oktober 1990 die „Glashütter Uhrenbetrieb GmbH“ heraus. Sie kreiert die Uhrenmarke Glashütte Original.

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Noch etwas Bemerkenswertes ereignet sich im Jahr 1990: Am 7. Dezember, und damit auf den Tag genau 145 Jahre nach der Gründung der Glashütter Uhrenindustrie durch F. A. Lange, meldet dessen Urenkel Walter Lange die „Lange Uhren GmbH“ als Neugründung an. Die Armbanduhren des Unternehmens gehören heute wieder zum Besten, was die internationale Uhrmacherkunst zu bieten hat.

Wir springen ins Jahr 2006. Vor 500 Jahren erhielt der Ort das Stadtrecht. Nun rufen die Stadt und die Manufaktur Glashütte Original die „Stiftung Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek“ ins Leben. Sie fördert Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung im Bereich des Uhrmacherhandwerks. Und 2008 eröffnet schließlich das Deutsche Uhrenmuseum in dem Haus, in das knapp 130 Jahre zuvor die Deutsche Uhrmacherschule einzog. Das Motto des Museums lautet „Faszination Zeit – Zeit erleben“. Vor Ort begegnen Sie der Tradition der Uhrmacherkunst und erhalten einen emotionalen Zugang zum Phänomen Zeit.

Glashütter Uhrenzauber in der Gegenwart

Der Mythos der Uhrenstadt besteht bis heute. Aktuelle Marken mit großer Geschichte wie Nomos, Union, Glashütte Original oder Bruno Söhnle und weitere fertigen dort auch aktuell moderne Produkte erwählter Uhrenkunst für Damen und Herren.

Die Ansätze der Hersteller sind dabei unterschiedlich. Bruno Söhnle manufakturiert beispielsweise elegante Damen- und Herrenuhren mit klassischen Bezügen, hat sich aber auch einer stetigen Weiterentwicklung puristischer Avancen verschrieben. Betont feminin zieren Brillanten beziehungsweise brillantbesetzte Lünetten die edlen Damenuhren von Bruno Söhnle. Auch Nomos setzt vorwiegend auf klassisch-schlichte Designs gepaart mit einem Höchstmaß an uhrtechnischer Funktionalität und kombiniert sichtbar traditionelles Handwerk mit Hightech. Gleiches gilt für die Produkte der Manufaktur Union, die J. Dürrstein einst begründete. Den Schriftzug „Glashütte Original“ gibt es auf Zeitanzeigern, die die alle Facetten deutscher Fertigung darstellen. Die Manufaktur vereint alle Merkmale, die seit Beginn der einzigartigen Stadtgeschichte in Zusammenhang mit dem Thema Zeit auszeichnen: Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, Präzision und Raffinesse, Hochwertigkeit und Schönheit.

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In Glashütte lebt die Zeit – sie tat es vor Jahrhunderten, tut es heute und wird es gewiss auch in der Zukunft tun!