Gérald Genta

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Mit der Audemars Piguet Royal Oak, der Omega Constellation und der Rolex King Midas gehen einige der berühmtesten und ikonischsten Uhrendesigns auf einen einzigen Mann zurück: Gérald Genta. Doch wer genau war dieser geniale Konzeptionist, der die Welt der Zeitanzeiger für immer veränderte? Begeben wir uns auf eine Zeitreise in die vergangenen Jahrzehnte, um Genta und seinem großen Lebenswerk auf den Grund zu gehen.

Uhrendesign für 15 Franken

Gérald Genta, 1931 in Genf geboren, begann seine Karriere im Alter von 15 Jahren als Praktikant im Juweliergeschäft. Um 1950, als er seine Lehre abschloss, bahnte sich ein wirtschaftlicher Abschwung an und der junge Schweizer musste sich mit diversen Jobs über Wasser halten. Zu dieser Zeit entwickelte er eine Leidenschaft für Kunst, insbesondere aber für Schmuckdesign.

Jedoch war es ein verwandter, zu Beginn der 1950er-Jahre stark aufstrebender Sektor, der seine Zukunft fortan bestimmen sollte: Die Horlogerie. Genta, der später einmal sagte, dass er Uhren niemals gerne getragen hat, erhielt in diesen Jahren Aufträge diverser Hersteller: Heute ein Armband, morgen ein Gehäuse, ein anderes Mal ein Zifferblatt – bei einem Lohn von lediglich 15 Franken pro Design zählte vor allem die Quantität. Trotz der hohen Menge überzeugten seine Entwürfe, sodass die großen Marken ihm schon bald lukrative Verträge anboten.

Die Royal Oak – kreiert an einem Abend

Einen seiner wichtigsten Auftraggeber prägte der ideenreiche Uhrendesigner über mehr als 20 Jahre: Audemars Piguet.

Ab 1953 lieferte er dem renommierten Hersteller unzählige Entwürfe und war bis in die 1970er-Jahre für dessen gesamte Kollektion verantwortlich.

Eines Nachmittags im Jahr 1970, als ihn der Geschäftsführer Audemars Piguets mit der Gestaltung einer völlig neuen, wasserdichten Sportuhr beauftragte und Gérald Genta lediglich bis zum nächsten Morgen Zeit ließ, sollte dem Designer sein wohl größter Geniestreich gelingen: Inspiriert von der Funktionsweise und Optik eines Taucherhelms, erschuf er die legendäre Royal Oak mit ihren acht sichtbaren Schrauben.

Audemars Piguet Royal Oak Chronograph 41mm mit der Referenz 26331ST-OO-1220ST-02 Audemars Piguet Royal Oak Extra-Thin 39mm mit der Referenz 15202ST-OO-1240ST-01

Zwei Jahre später ging das bis heute nahezu unveränderte Modell in die Serienproduktion und gilt seit über 40 Jahren als Inbegriff einer sportlichen Luxusuhr. Gérald Genta ist also nicht bloß Designer, sondern kann zu Recht als Erschaffer einer eigenen Klasse von Zeitanzeigern bezeichnet werden. Doch auch abseits von Audemars Piguet sollten dem schöpferischen Geist bahnbrechende Erfolge gelingen.

Omega, IWC, Patek Philippe – die Erfolgsgeschichte geht weiter

Neuartig, technisch und irgendwie spannend – mit der IWC Ingenieur zeichnete Genta neben der Royal Oak ein weiteres Masterpiece mit freigelegten Schrauben. Seit ihrer Entwicklung im Jahr 1976 in zahlreichen Varianten erschienen, ist sie die Antwort auf eine simple Frage des Designers: Warum sollten alle Komponenten verdeckt werden, wenn gerade sie den Reiz eines Gehäuses ausmachen? Dass Eleganz und moderne Rundungen hervorragend zusammenpassen, bewies er zur gleichen Zeit mit seinen Entwürfen zur Omega Constellation, die bis heute zu den zeitlosesten Kollektionen der berühmten Luxusmarke Omega zählt.

An die Bedeutung der ikonischen Patek Philippe Nautilus kommt aber selbst das Uhrendesign der Constellation nicht heran: Gérald Genta zeichnete sie auf der Baseler Uhrenmesse, als er die Belegschaft Patek Philippes beim Mittagessen beobachtete. Nach fünf Minuten Arbeit stand der Entwurf, aus dem eine der populärsten Armbanduhren aller Zeiten hervorgehen sollte.

Prägende Formen für Bulgari, Rolex und Cartier

Ein weiteres, bis heute erfolgreiches Meisterstück ist die BVLGARI BVLGARI, deren Idee auf der Gestaltung einer altrömischen Münze beruht. Nicht umsonst ist der Name der italienischen Luxusmarke gleich zweimal in die Lünette eingraviert. Als ausdrucksstarkes Modell bildet sie einen starken Kontrast zur eleganten, 1985 präsentierten Cartier Pasha.

Mit ihr bewies Gérald Genta, dass Cartier neben seinen eckigen Berühmtheiten Tank und Santos auch wunderschöne, runde Gehäuse fertigen kann.

Mit Rundungen hat die charakterstarke, in jeder Hinsicht einmalige Rolex King Midas wahrlich nichts zu tun: Von Berühmtheiten wie Elvis Presley getragen, symbolisiert der nach dem sagenhaften phrygischen Herrscher benannte Zeitanzeiger eine Ära, in der gesellschaftliche Umbrüche an der Tagesordnung waren.

Der Uhrendesigner wird zum Unternehmer

Parallel zu seinen umfangreichen Arbeiten für die Schweizer Uhrenindustrie entschloss sich Genta im Jahr 1969 zur Gründung einer eigenständigen Uhrenmarke, die seinen Namen trug. Besonders populär wurde die Brand 1981, als das Modell Evolution erschien. Die Uhr besaß trotz ihres lediglich 2,72 mm dicken Gehäuses eine automatische Minuten-Repetition und erstaunte damit selbst erfahrene Kenner.

Den Höhepunkt seines Schaffens markierte Gérald Genta im Jahr 1992 mit der Grande Sonnerie, die zu jenem Zeitpunkt die komplizierteste und mit einem Preis von rund einer Million Dollar wohl teuerste Uhr der Welt war.

Ein Leben für die Kunst und Leidenschaft

Nach dem Verkauf seiner Marke im Jahr 1998 widmete sich Genta seiner großen Leidenschaft, der Malerei. Der „erste Uhrendesigner der Welt“, wie er sich selbst aufgrund der Einzigartigkeit seines Berufes zu Beginn der 1950er-Jahre nannte, hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 erfolgreiche Uhren entworfen und in einem halben Jahrhundert vermutlich über 100.000 Entwürfe gezeichnet.

IWC, Rolex, Patek und Audemars Piguet – bis heute kann niemand außer ihm behaupten, das Uhrendesign so vieler renommierter Hersteller beeinflusst zu haben. Im August 2011 starb der Schweizer im Alter von 80 Jahren.

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