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Uhrenmessen zu Zeiten von Corona

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Bereits vor der Covid-19-Pandemie stand die Zukunft der Schweizer Uhrenmessen aufgrund sinkender Aussteller- und Besucherzahlen in den Sternen. Anfang 2020 dann der Funke im Pulverfass: Absage der Baselworld und Watches and Wonders, Trennung vieler Marken, Unsicherheit für die nächsten Jahre. Wie es mit den Uhrenmessen 2021 weitergeht und welche Schritte für eine erfolgreiche Zukunft der horologischen Messewelt nötig sind, erklären wir im Folgenden.

Rückblick: Die Entwicklungen bis 2020

Es wäre gelogen, die Zeit vor 2020 als glänzende Ära der Uhrenmesse zu bezeichnen. Vor allem bei der Basler Veranstaltung ging es steil bergab: 2018 musste sie einen 50-prozentigen Rückgang der Aussteller auf rund 650 verzeichnen, gefolgt vom dramatischen Ausstieg der Swatch Group mit ihren 18 Marken im nachfolgenden Jahr. Viele der Aussteiger wanderten zum Genfer Uhrensalon SIHH ab, welcher ebenfalls vor einschneidenden Veränderungen stand. So leitete der Organisator FHH (Fondation de la Haute Horlogerie) nicht nur die Umbenennung zu Watches and Wonders, sondern auch den Abschied vom gewohnten Messekonzept in die Wege.

Papier an Tür: "Veranstaltung wegen Corona abgesagt"
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Ab 2020 sollte die Veranstaltung offener werden und beispielsweise mit Events in der Genfer Innenstadt ein breiteres Publikum erreichen. Außerdem entschied man sich in Kooperation mit der Basler Messe für eine zeitliche Zusammenlegung beider Ausstellungen ab 2020 bis mindestens 2024, um dem internationalen Publikum eine doppelte Reise in die Schweiz zu ersparen. Doch die Pandemie machte allen guten Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Nachdem beide Veranstaltungen im Frühjahr 2020 abgesagt wurden, entscheid sich der Baselworld-Organisator MCH Group absurderweise für einen Rückkehr zur Trennung der Uhrenmessen in 2021. Statt dem vorerst auf April 2021 verschobenen Genfer Event zu folgen, wurde die Basler Messe zunächst auf Januar 2021 verlegt.

Baselworld Eingang
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Zusammen mit den ohnehin schon starken Auseinandersetzungen zwischen Messeleitung und Ausstellern sorgte diese Entscheidung für die Vertreibung der letzten treuen Schafe: So verkündeten Rolex, Tudor, Patek Philippe und Chopard im Mai 2020 ihren Abschied aus Basel. Nach Ansicht vieler Branchenexperten der Todesstoß für die über 100 Jahre alte Traditionsveranstaltung. Dementsprechend kam die Nachricht, dass auch 2021 keine Uhrenmesse am Rhein stattfinden wird, wenig überraschend.

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Geneva Watch Days: Vorbild für Uhrenmessen 2021?

Derweil entwickelten die Hersteller neue Konzepte für die Zukunft der horologischen Messewelt. Wie letztere aussehen könnte, demonstrierten die Geneva Watch Days Ende August 2020: Von Breitling bis Girard-Perregaux schlossen sich 17 Marken zusammen, um ein völlig neues Messekonzept am Genfersee zu realisieren. Statt ihre Neuheiten an einem einzigen Ort zu präsentieren, ermöglichten die Manufakturen ihren Besuchern ein abwechslungsreiches Flair in verschiedenen Genfer Hotels und Boutiquen.

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Das kam wegen der persönlichen Atmosphäre nicht nur gut an, sondern stellte auch die Möglichkeit physischer Veranstaltungen in Pandemiezeiten unter Beweis. Zwar konnte man nicht auf Sicherheitsmaßnahmen wie Temperaturmessungen und Mundschutz verzichten, doch die Unannehmlichkeiten wurden durch die Vorteile mindestens kompensiert. Endlich gab es wieder eine vollwertige, nicht-digitale Zusammenkunft der Uhren-Community. Damit zeichneten die Geneva Watch Days eine mögliche Blaupause für die Uhrenbranche 2021: Präsenzmessen sind unproblematisch, solange die Gesundheit aller Teilnehmer sichergestellt werden kann.

Genf, Luftaufnahme
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Uhrenmessen 2021: Digitale Lösung aus Genf

Dieser Grundsatz betrifft vor allem die Watches and Wonders, welche im Gegensatz zur Baselworld bis vor Kurzem berechtigte Hoffnungen auf eine physische Veranstaltung im Jahr 2021 hatte. Ursprünglich war vorgesehen, das renovierte Konzept vom 7. bis 13. April in Genf zu realisieren. In einer Pressemitteilung vom 17. November 2020 gab die FHH jedoch bekannt, dass wegen der steigenden gesundheitlichen Unsicherheit in Europa auch im kommenden Jahr auf eine vollwertige Messe verzichtet werden müsse. Stattdessen werde man die bereits existierende Digitalplattform „watchesandwonders.com“ ausbauen, um ein weitreichendes Online-Event im selben Zeitraum zu ermöglichen. Marken, Händler und Medien sollen über Live-Chats und Streaming-Angebote in Kontakt treten, um die Neuheiten der Branche zu diskutieren.

Im Vergleich zu den lange herbeigesehnten, physischen Uhrenmessen 2021 ist diese Vorstellung selbstverständlich ernüchternd. Kein noch so gutes Online-Event kann gute Konversationen im echten Leben oder den hautnahen Kontakt mit neuen Zeitanzeigern ersetzen. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass alle der über 30 vorgesehenen Hersteller an der digitalen Veranstaltung teilnehmen werden und Bemühungen zur Anziehung weiterer Marken im Gange sind. So möchte die FHH das „Nummer-Eins-Event der Uhrenbranche 2021“ kreieren, bei dem idealerweise über 50 Manufakturen auftreten. Für 2022 zeigen sich die Organisatoren gleichermaßen kämpferisch wie optimistisch: Nicht weniger als das größte Genfer Uhren-Event aller Zeiten verspricht man der Fachwelt. Wir sind mit Sicherheit nicht die Einzigen, die beim bloßen Gedanken daran eine gewisse Begeisterung verspüren.

Baselworld 2015
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Langfristige Herausforderung ist nicht die Pandemie

Generell empfiehlt es sich, weiter in die Zukunft zu blicken als nur auf die Uhrenmessen 2021. Sicher, die kommende Watches and Wonders wird trotz ihres digitalen Charakters eine wichtige Rolle spielen und weitere Messen, wie etwa eine zweite Auflage der Geneva Watch Days, sind grundsätzlich denkbar. Allerdings werden alle diese Veranstaltungen noch im Zeichen von Covid-19 stehen. Man könnte also meinen, das Virus sei die zentrale Herausforderung der Uhrenbranche 2021.

Schachtel mit 10 Luxusuhren
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In Wahrheit liegt die große Aufgabe aber nicht in der Umsetzung temporär erforderlicher Gesundheitsmaßnahmen, sondern in der Entwicklung eines Zukunftsplans. Moderne Messekonzepte, eine bessere Koordination von Ausstellern und Veranstaltern als bei der (vorerst?) gescheiterten Baselworld sowie eine stärkere Konzentration auf die Wünsche der jüngeren Zielgruppe sind erforderlich, um die generelle Idee einer Uhrenmesse zu erhalten. Physische Veranstaltungen brauchen einen klaren Mehrwert gegenüber digitalen Angeboten, sonst sind sie überflüssig. Sollten den Organisatoren nach der Pandemie wieder attraktive Präsenzkonzepte gelingen, dann schauen wir positiv auf die kommenden Jahre. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja ein überraschendes Comeback der legendären Basler Uhrenmesse.

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