© Boonchai / Fotolia.com

Omega Dynamic

« Drei Generationen Vintage-Klassiker »

Mit dem Namen Omega Dynamic können heute allenfalls noch Uhren-Historiker oder Liebhaber von Vintage-Uhren etwas anfangen. Schließlich ist es mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her, dass die letzten Uhren dieses Namens auf den Markt gelangten – und bald wieder von dort verschwanden. Zumindest einige von ihnen wirken heute jedoch wieder überraschend modern und lassen Retro-Fans von einer Neuauflage der Omega-Klassiker träumen. Wir werfen für unsere Leserinnen und Leser einen Blick auf ein interessantes Kapitel von Omegas Unternehmensgeschichte.

Omega Dynamic – die falsche Uhr zur falschen Zeit?

Drei Anläufe hat Omega unternommen, um Uhrenmodelle mit dem Namen „Dynamic“ am Markt zu etablieren. Doch ausgerechnet bei den Modellen mit dem vielleicht „dynamischsten“ Namen der Unternehmensgeschichte ließ die Dynamik der Umsatzentwicklung insgesamt zu wünschen übrig. Vor allem bei der dritten und letzten Modellgeneration blieben die Verkäufe weit hinter den Erwartungen zurück. Wer sich die drei Generationen heute ansieht, kann dies möglicherweise schwer nachvollziehen, denn aus heutiger Sicht wirken die Entwürfe bemerkenswert modern.

Omega Seamaster Railmaster Co-Axial Master Chronometer 40mm in der Version 220-10-40-20-03-001

Vielleicht trafen die Uhren zu ihrer Zeit einfach nicht den Geschmack des Publikums, lägen aber bei einer Neuauflage im aktuellen Trend? Als Vintage-Uhr wird die Dynamic jedenfalls durchaus geschätzt und gerne getragen.

Retro-Design mit Eisenbahn-Minuterie: Die dritte Generation

Legt man Exemplare der insgesamt drei verschiedenen Generationen der Omega Dynamic nebeneinander, dann fällt auf, dass die jüngste Modellgeneration vom Design her am „ältesten“ wirkt.

Ihr Zifferblatt mit der charakteristischen Eisenbahn-Minuterie und die Gestaltung ihrer Ziffern, Zeiger und Indizes erinnern an frühere Militär- und Pilotenuhren. Und in der Tat knüpft das Modell gestalterisch an einen heute nur noch wenig bekannten Omega-Klassiker aus den 1950er Jahren an: die RAF Pilots‘ Watch von 1953.

Im Unterschied zu dieser wurde die 1997 lancierte dritte Generation der Dynamic jedoch nicht nur als Drei-Zeiger-Version mit Datumsfenster, sondern auch in einer Ausführung mit Chronographenfunktion geliefert. Letztere verfügt über zwei Hilfszifferblätter bei drei beziehungsweise neun Uhr.

Sie mag aus heutiger Sicht die perfekte Vintage-Uhr sein und viele Hersteller führen vergleichbare Modelle in ihren aktuellen Kollektionen.

Umso bedauerlicher ist es, dass sich das Modell seinerzeit nicht besonders gut verkaufte und vermutlich durch andere Omega-Klassiker wie beispielsweise die Speedmaster oder die Seamaster etwas in den Schatten gestellt wurde. Die relativ sportlich wirkende Uhr besaß ein robustes Edelstahlgehäuse und ein Armband aus demselben Material, war aber auch mit Lederbändern lieferbar. Angetrieben wurde sie von einem mechanischen Uhrwerk des Kalibers 1138 mit automatischem Aufzug.

Wie bei Militär- und Fliegeruhren üblich, waren ihr Stunden- und Minutenzeiger sowie die Stundenziffern mit reichlich Leuchtmasse beschichtet, um auch bei Dunkelheit eine gute Ablesbarkeit der Uhrzeit zu gewährleisten.

Omegas erste „Dynamic“: preisverdächtiges Design zum Auftakt

Ganz anders als die nostalgische Fliegeruhr der dritten Generation hatte die erste Modellgeneration der Omega Dynamic nicht für einen Rückblick in die Vergangenheit gestanden, sondern bot vielmehr ein für ihre Zeit aktuelles Design. Ursprünglich als Beitrag von Omega zum Wettbewerb um den Preis der Stadt Genf im Jahr 1965 entwickelt, gelangte sie ab 1968 in den Verkauf. Bis zum Produktionsende im Jahr 1972 hatten immerhin mehr als eine Million Exemplare davon einen Käufer gefunden. Es handelte sich um eine mechanische Drei-Zeiger-Uhr mit einem Datumsfenster bei der Drei, die in einem markanten, leicht querelliptischen Edelstahlgehäuse untergebracht war. Liebhaber des Designs der 1970er Jahre dürften beim Anblick des Zifferblatts regelrecht ins Schwärmen geraten.

Dieses wirkt grafisch besonders reizvoll und erfreut das Auge zudem mit Akzenten wie einem – je nach Version – hellblauen oder orangefarbenen zentralen Sekundenzeiger und einem von Minuterie und Stundenindizes gebildeten Strahlenkranz. Auf Ziffern wurde verzichtet, ohne dass dies die Ablesbarkeit beeinträchtigen würde. Die Uhr strahlt eine moderne, zurückhaltende Eleganz aus, wirkt aber zugleich auch sportlich und frisch. Sie wurde mit einem Edelstahlarmband und einem Band aus schwarzem Corfam geliefert. Bei Letzterem handelte es sich um eine bestimmte Art von Kunstleder. Um eine gute Atmungsaktivität des Armbandes zu gewährleisten, war dieses mit einer an Autofahrerhandschuhe erinnernden Perforation versehen. Ein ebenfalls mitgeliefertes Bandwechselwerkzeug ermöglichte einen unkomplizierten Wechsel des Armbandes.

Bei der Entwicklung der ersten Dynamic hatten Omegas Designer jedoch nicht nur großen Wert auf eine ansprechende und zugleich funktionale Optik gelegt, sondern mindestens ebenso auf eine ergonomische Form, die sich dem Handgelenk optimal anpasst und für hohen Tragekomfort sorgt. Sollte sich Omega irgendwann in naher Zukunft zu einer Neuauflage dieses Modells entschließen, dürfte ihm die wohlwollende Aufmerksamkeit von Händlern und vor allem Uhrenliebhabern sicher sein.

Originell, genial oder gewöhnungsbedürftig? – die zweite Generation der Dynamic

Nicht ganz so sicher wäre dies vermutlich bei der zweiten Modellgeneration, die 1984 lanciert wurde. Sie ist sowohl im Hinblick auf das Design als auch auf die technischen Parameter ein typisches Kind ihrer Zeit. Alles in allem würde man in diesen Modellen beim ersten Anblick wohl eher eine Swatch-Uhr als ein Exemplar aus Omegas Kollektion vermuten. Das spricht allerdings weder gegen die Uhr noch gegen einen der beiden Hersteller, sondern zeigt vielmehr auf, dass sich auch und gerade die Schweizer Uhrenindustrie um die Mitte der 1980er Jahre in einer Orientierungsphase befand.

Diese war durch die Quarzkrise ausgelöst worden und ging für viele Hersteller mit einem Ausprobieren neuer Wege einher – sowohl im Hinblick auf das Design als auch auf die Technik ihrer Uhren.

Nicht alle dieser Versuche waren erfolgreich und viele von ihnen sind aus heutiger Sicht nicht mehr als kleine, mitunter interessante, aber selten prägende Anekdoten der Uhrengeschichte. Das gilt mehr oder weniger auch für die zweite Dynamic-Generation. Sie basierte auf einem sehr modern anmutenden modularen Konzept, das einen Wechsel zwischen verschiedenen Armbändern erleichtern sollte. Zu diesem Zweck war in jedes Armband, ganz gleich, aus welchem Material, ein Metallring integriert, in den das Uhrengehäuse eingesetzt und von unten mit einem weiteren Ring und einer Art Bajonettverschluss arretiert wurde. Hierfür wurde jedem Exemplar der Uhr ein spezielles Werkzeug zum Festziehen und Lösen des Befestigungsringes beigegeben.

Die Gestaltung von Gehäuse und Zifferblatt ließ noch Anklänge der ersten Generation erkennen, ohne jedoch deren faszinierende Wirkung zu erreichen. Statt eines Automatikwerkes wurde sie von dem ETA-Quarzkaliber 1430 angetrieben. Als Produkt einer offensichtlichen Selbstfindungsphase von Omega nach den schweren Jahren der Quarzkrise hielt sich der Erfolg der zweiten Dynamic-Generation in Grenzen und ihre Produktion wurde bereits nach wenigen Jahren wieder eingestellt.

Zu dynamisch für den großen Markterfolg?

Dass ausgerechnet von der dritten, eingangs beschriebenen, Generation der Omega Dynamic die wenigsten Exemplare verkauft werden konnten, dürfte das Schicksal der etwas glücklosen Modelllinie besiegelt haben.

Constellation Chronnometer 35 mm in der Version 123-10-35-20-06-001 in Edelstahl

Obwohl der Preis durchaus erschwinglich und das Retro-Design in sich stimmig waren, sollen insgesamt keine 8.000 Stück davon verkauft worden sein. So blieb die Dynamic nur eine Episode in der Geschichte eines Unternehmens, das mit Modellen wie der Speedmaster, der Constellation oder der Seamaster mehrfach bewiesen hat, dass es durchaus in der Lage ist, regelrechte Ikonen des Luxusuhrensegments zu erschaffen.

Omega Speedmaster Moonwatch Co-Axial Chronograph in der Version 311-90-44-51-03-001

Gerade der Vergleich mit einem Omega-Klassiker wie der Speedmaster und der daraus hervorgegangenen legendären Moonwatch gibt aber auch einen deutlichen Hinweis darauf, wo eine wesentliche Ursache für die geringe Akzeptanz der Dynamic gelegen haben könnte. Drei grundlegend verschiedene Uhren innerhalb von drei Jahrzehnten waren offenbar zu viel, um sie glaubwürdig unter ein und demselben Modellnamen am Markt platzieren zu können. Möglicherweise wäre eine behutsamere und kontinuierlichere Weiterentwicklung der bessere Weg gewesen.

Denjenigen, die sich eine Neuauflage der gegenwärtig nur mit viel Glück als Vintage-Uhr erhältlichen Dynamic wünschen, dürften einige Omega-Revivals aus den letzten Jahren zumindest etwas Hoffnung machen, sei es nun die zur Baselworld 2017 präsentierte „1957 Trilogy“ oder die ebenfalls zu neuem Leben erweckte Seamaster Bullhead von 1969. Gut möglich also, dass Omega irgendwann auch der Dynamic ein zweites Leben beschert – und dass die Dynamik im Verkauf dann auch den Erwartungen des Herstellers gerecht wird.

überprüfen Sie auch

Gentleman mit Armbanduhr - Jérôme Lambert im Portrait

Jérôme Lambert

« Der Richemont CEO im Portrait » Charismatisch, kompetent und visionär: Jérôme Lambert zählt zu …

Von Uhren, Namen und Spitznamen

«Die kuriosen Bezeichnungen von Uhrenmodellen» Unzählige Referenzen, breite Modellfamilien und lange Geschichten: Bei den meisten …

Longines Lindbergh Stundenwinkeluhr

Paris, 21. Mai 1927: Charles Lindbergh schreibt mit dem weltweit ersten Nonstop-Transatlantikflug Geschichte. Nur wenig …