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Leichte Uhren

« Luxusklasse trotz geringem Gewicht »

Wer beim Stichwort Luxusuhr zuerst an einen schweren „Klunker“ denkt, kennt ganz offensichtlich nur einen kleinen Ausschnitt dieses Marktsegments. Denn entgegen diesem Klischee finden sich gerade unter luxuriösen Armbanduhren zahlreiche Modelle, die besonders leicht sind. In diesem Beitrag erläutern wir unseren Leserinnen und Lesern, wie es den Herstellern gelingt, Uhren mit besonders wenig Gewicht zu konstruieren und stellen einige besonders leichte Uhren verschiedener Luxusmarken vor.

Weniger ist manchmal mehr…

Grundsätzlich klingt es logisch, dass Uhren mit massiven, hochwertigen Metallgehäusen ein höheres Gewicht aufweisen als billige Massenware und dass eine Uhr umso mehr wiegt, je aufwendiger und komplexer die darin verbaute Technik ist.

Allerdings trifft das keineswegs immer zu und gerade im Luxussegment sind durchaus zahlreiche Uhren zu finden, die sich durch ein besonders geringes Gewicht auszeichnen.

Zum einen gibt es leichte Uhren, deren geringes Gewicht ihrer besonders flachen oder kompakten Bauweise zu verdanken ist. Und zum anderen kommen bestimmte Materialien, die ein niedriges Gewicht mit großer Widerstandsfähigkeit und Robustheit verbinden, vorzugsweise bei hochwertigen Luxusuhren zum Einsatz, die im Fokus dieses Beitrages stehen.

Titan: leichte, feste und beständige Eigenschaften

Titan war noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nur Fachleuten ein Begriff, ist inzwischen aber weithin bekannt und als Uhrenmaterial relativ häufig zu finden. In Modellbezeichnungen von Uhren findet sich häufig auch die englische Schreibweise Titanium, doch gemeint ist in jedem Fall dasselbe Material. Preislich liegen Titaniumuhren meist etwas höher als baugleiche Modelle aus Edelstahl, sind aber bei Weitem nicht so teuer wie Uhren aus Gold oder Platin.

Hublot Classic Fusion 38mm Automatic Titanium in der Version 565-NX-1171-LR Hublot Classic Fusion 42mm Automatic Chronograph in der Version 541-NE-2010-LR-1104

Dass Titanium als Material – nicht nur für Uhren – so hochgeschätzt wird, verdankt es in erster Linie seinen bemerkenswerten physikalischen Eigenschaften. Im Unterschied zu Gold oder Platin ist Titan jedoch nicht besonders selten. Es gehört vielmehr zu den zehn Elementen, die in der Erdkruste am häufigsten zu finden sind. Allerdings ist das leichte Metall in der Natur praktisch nie in Reinform anzutreffen, sondern nur in verschiedenen chemischen Verbindungen als Bestandteil bestimmter Mineralien. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Titan erst Ende des 18. Jahrhunderts – und damit für ein so häufiges Element relativ spät – entdeckt wurde.

Ein für die industrielle Anwendung infrage kommendes Verfahren, mit dem sich das begehrte Material in größerem Stil gewinnen lässt, wurde sogar erst um 1940 entwickelt.

Die hohe Beständigkeit des Titans gegenüber mechanischen Beanspruchungen und chemischen Umwelteinflüssen beruht in erster Linie darauf, dass es an der Luft oxidiert und auf seiner Oberfläche eine dauerhafte Schutzschicht bildet. Darüber hinaus ist Titan außerordentlich fest, weist aber gleichzeitig nur eine geringe Dichte auf. Erst bei Temperaturen oberhalb von 400 Grad Celsius büßt es seine Festigkeit ein. Mit diesen Eigenschaften wird Titanium überall dort gerne verwendet, wo gleichzeitig hohe Festigkeit und geringes Gewicht gefragt sind. Neben zahlreichen technischen Anwendungen kommt es beispielsweise auch in der Medizin, in der Augenoptik – als Werkstoff für Brillengestelle – und in der Schmuckindustrie zum Einsatz.

Die besonders leichte, ästhetische Wirkung von Titan

Bei der Herstellung von Titaniumuhren und -schmuckstücken spielt, neben den vorteilhaften physikalischen Eigenschaften, die besondere ästhetische Wirkung eine wichtige Rolle. Sie beruht darauf, dass Titanoberflächen zwar einen silbrig-metallischen Farbton aufweisen, der sich jedoch deutlich von Metallen wie Edelstahl oder Silber unterscheidet. Titan wirkt dabei meist etwas matter und grauer, was oftmals erwünscht ist, um Gegenständen wie etwa einem sportlichen Chronographen einen „High-Tech-Look“ zu verleihen. Teilweise werden Uhren und Schmuck aus Titan in Bicolor-Optik hergestellt, indem Titan und Gold miteinander kombiniert werden. Neben Titaniumuhren, bei denen das leichte Gehäuse aus diesem Material gefertigt ist, gibt es auch verschiedene Modelle, bei denen Uhrwerksbestandteile oder andere Details aus Titan gefertigt sind, während das Gehäuse aus einem anderen Material besteht.

Ein spektakuläres Beispiel dafür ist die Hublot Classic Fusion Tourbillon Skull, bei der das Gehäuse aus glasperlgestrahltem keramisiertem Aluminium besteht, während die für Hublot typischen markanten Schrauben auf der Lünette aus Titan bestehen. Nicht weniger spektakulär als die ungewöhnliche Materialkombination sind die technischen Parameter und das auffällige Design der Tourbillon Skull aus der Kollektion Hublot Classic Fusion. Das skelettierte Manufakturwerk vom Kaliber HUB6014 ist mit einem Tourbillon kombiniert worden und bietet eine Gangreserve von bis zu 120 Stunden.

Das Wort „skelettiert“ haben die Designer in diesem Fall besonders wörtlich genommen: Die Brücken des Uhrwerkes erinnern von ihrer Form her an Knochen und die Tourbillonbrücke zeigt einen stilisierten Schädel.

Leichte Uhren aus Keramik

In dem Bestreben, Uhren mit wenig Gewicht, aber hoher Festigkeit und Widerstandsfähigkeit zu produzieren, setzen mehrere Hersteller nicht nur auf leichte Metalle wie Titan, sondern auch auf Keramik. Dieses Material dient ebenfalls zur Herstellung kompletter Uhrengehäuse, wird aber auch für einzelne Komponenten wie Armbänder oder Lünetten verwendet.

Eine der führenden Marken bei der Fertigung hochwertiger Keramikuhren ist das Unternehmen Rado, das seit 1983 zur Swatch Group gehört und bereits 1962 mit seinem Modell D-Star, der weltweit ersten kratzfesten Uhr, für Furore gesorgt hatte.

Rado D-Star Automatic 42mm in der Version R15760102 aus plasmabehandelter Hightech-Keramik Rado D-Star Quarz Chronograph 42mm in der Version R15937102 aus Ceramos

Zu den Marken, die Keramik vor allem aus ästhetischen Gründen gern verwenden, gehört Chanel. So werden die Modelle der Damenuhrenkollektion Chanel J12 beispielsweise aus einer Kombination von Edelstahl mit extrem widerstandsfähiger Keramik in Weiß oder Schwarz gefertigt.

Chanel J12 Black Ceramic in der Version H2014 in schwarzer Hightech-Keramik mit 120 Diamanten auf der Luenette und 12 Diamantindizes Chanel J12 Black Ceramic in der Version H2980 in schwarzer Hightech-Keramik

Die glänzenden und praktisch unverwüstlichen Oberflächen dieser Keramikuhren sorgen für den hohen Wiedererkennungswert der Chanel J12.

Neue Materialien für leichte Uhren

Ein besonders beeindruckendes Beispiel für die enorme Kreativität von Herstellern auf der Suche nach neuen Materialien für Uhren mit wenig Gewicht ist Breitling. Der Fliegeruhrenspezialist setzt bei einigen seiner Uhren wie der Breitling Avenger Hurricane einen selbst entwickelten neuen Werkstoff namens Breitlight ein, der besonders angenehmen Trageeigenschaften hat.

Das Polymerfasermaterial fühlt sich auf der Haut nicht kalt an, ist kratzfest und fast sechsmal leichter als Stahl. Und verglichen mit dem ohnehin schon leichten Titan, bringt ein aus Breitlight bestehendes Uhrengehäuse gleicher Größe nur ein Drittel von dessen Gewicht auf die Waage. So ist es möglich, dass eine Uhr mit beachtlichen 50 Millimetern Zifferblattdurchmesser lediglich leichte 69 Gramm wiegt.

Breitling Avenger Hurricane 45 in der Version XB0180E41B1S1 aus Breitlight Breitling Avenger Hurricane 45 in der Version XB0180E41I1W1 aus Breitlight

Wer statt einer Breitling Avenger Hurricane oder einer Hublot Classic Fusion Tourbillon Skull lieber ein dezenteres Uhrenmodell bevorzugt und dabei Wert auf geringes Gewicht legt, kann mittlerweile aus einem relativ großen Angebot wählen. Einige renommierte Hersteller wie Tissot oder Junghans bieten Titaniumuhren oder Keramikuhren schon zu dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Preisen an.

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