John Harwood

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Automatikuhren bieten eine Vielzahl an Vorteilen. Weder werden Batterien benötigt, was diese Uhrengattung umweltschonend macht, noch müssen Sie selbst die Triebfeder aufziehen. Diesen Vorgang übernimmt ein automatisches Aufzugssystem, das alleine durch das Tragen der Uhr ausgelöst wird. Die Energie, die durch die Armbewegungen des Trägers freigesetzt wird, treibt einen Rotor an, der die Feder des Uhrwerks selbstständig aufzieht. Die Feder wiederum gibt die Bewegung des Rotors an den Aufziehmechanismus weiter, der bei normalen Uhren manuell durch die Krone betrieben werden muss. Selbst wenn die Automatikuhr nicht getragen wird, verfügen moderne Modelle über eine Gangreserve bis zu 45 Stunden, sodass die Uhr über Nacht nicht stehen bleibt. Es ist ein sehr komfortabler Mechanismus, den diese speziellen Uhren bieten. Zurück geht dieser Mechanismus auf den Ideenreichtum eines visionären Mannes. Der Name dieses Mannes ist John Harwood.

Wie John Harwood auf die Idee für die erste Automatikuhr kam

@wikipedia – Onnahfarg

Lange Zeit war der Uhrenmarkt von Taschenuhren beherrscht, die meist mit Ketten befestigt waren. Armbanduhren erschienen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Markt und waren zunächst nur für Damen gedacht. Allerdings erwiesen sich die bis dahin gängigen Taschenvarianten für militärische Zwecke als unhandlich, weshalb eine andere Lösung her musste und die Armbanduhren sich schnell verbreiteten. Schon bald nach der Entwicklung schafften sie es auch in den privaten Bereich. Im Jahr 1922 wiesen die gängigen Armbanduhren jedoch noch erhebliche Mängel auf. Gerade Verschmutzungen und Feuchtigkeit stellten große Probleme dar, die zu Ungenauigkeiten und Funktionsmängel führten. Daher machte sich John Harwood auf der Isle of Man daran zu schaffen, seine Vorstellung einer möglichst genauen und zuverlässigen Uhr zu verwirklichen. Ziel war es, einen Aufziehmechanismus zu entwickeln, der sich im Inneren der Uhr befand und die Gehäuseöffnung überflüssig machte.

Inspiriert von einer einfachen Wippenbewegung, kam John Harwood auf die Idee, den Mechanismus für die eigenständige Aufziehung durch die Zuführung von Bewegungsenergie zu bewerkstelligen. Es sind natürliche, physikalische Gesetze, die die Automatikuhren antreiben.

Automatikuhren gehen in Serie

1924 wurde John Harwood für seine revolutionäre Erfindung das Patent in Bern ausgestellt. Seine neuartige Kreation in Serie anzufertigen wurde ihm in Zusammenarbeit mit der Firma Fortis möglich. Die erste Serienanfertigung von Automatikuhren wurde 1926 auf der Baseler Messe für das große Publikum präsentiert. Die HAARWOOD Automatik legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die sich bis heute durchzieht. Optisch kennzeichnend für die Kreation war der geriffelte Glasreif, der auch zum Stellen der Zeiger diente sowie das Zifferblatt aus versilberten Metall in Verbindung mit den arabischen Leuchtzahlen und den gebläuten, mit Leuchtfarbe beschaffenen Zeigern. Später kam als weiteres Modell die Autorist hinzu, die sich über einen Mechanismus mit Bandanstoß aufzog. Diese Funktion in Verbindung mit dem stilvollen, rechteckigen Design, entwickelte sich zu einem echten Verkaufsschlager auf internationaler Ebene.

Lange Zeit wurde der internationale Uhrenmarkt von den Automatikuhren geprägt – kein Wunder, betrachtet man die immensen Vorteile, die diese Neuerungen mit sich brachten. Immerhin blieben die Uhren nur stehen, wenn Sie über eine längere Zeit nicht getragen wurden und der Aufwand, die Zeitanzeiger selbstständig aufzudrehen, entfiel. Diese spezielle Aufzugsfunktion wirkte sich zudem deutlich auf die Genauigkeit der der damaligen Zeitanzeiger aus. Es dauerte seine Zeit, doch letztendlich setzte sich die neuartige Technik auch bei uns durch.

Als Rolex Automatikuhren auf den Markt brachte

Nach den anfänglichen Erfolgen musste die Einführung des automatischen Mechanismus zwischenzeitlich einen Rückschlag hinnehmen, als 1929 der große Börsenkrach in New York eintrat, der zur Weltwirtschaftskrise führte. Letztlich konnte auch dieser Umstand nicht verhindern, dass die Automatikuhr weiterhin ihren Siegeszug fortführte. Mit der Zeit wurde ihre Technologie von renommierten Uhrenmarken übernommen. Besonders Rolex nahm hierbei eine Vorreiterrolle ein. Wie heute galt Rolex schon damals als eine Manufaktur für luxuriöse Zeitanzeiger der höchsten Klasse. Der legendäre Hersteller entwickelte sein Modell mit dem Perpetual-Aufzug, der sich auf der von John Harwood geschaffenen Technik stützte. Noch heute tragen entsprechende Ausführungen die Bezeichnung „Perpetual“ in ihren Namen. Als Rolex seine Oyster Perpetual auf den Markt brachte, war dies der Startschuss weiterer Serien, die die speziellen Uhren in großem Stil erhältlich machten.

Rolex Lady Oyster Perpetual 26 gruen Rolex Oyster Perpetual 31 rose Rolex Oyster Perpetual 34 gruen
Rolex Oyster Perpetual 36 silber Rolex Oyster Perpetual 39 violett

Wie so viele technische Neuerungen, waren auch Automatikuhren anfänglich sehr teuer und standen insbesondere wohlhabenden Bürgern zur Verfügung. Dieser Umstand änderte sich über die Jahre, als immer mehr Unternehmen sich an den neuen Trend hängten und die Zeitanzeiger in unterschiedlichen Preisklassen produzierten. Auch zu uns kam die revolutionierende Technik mit Verspätung. Die ersten Automatikuhren, die in Deutschland hergestellt wurden, sind am Anfang der 50er Jahre datiert und wurden von namhaften Marken wie Junghans angefertigt.

Junghans Max Bill Automatik Kalbsleder Junghans Max Bill Automatik Stahl

Die moderne Automatikuhr

Zwischenzeitlich ebbte die Nachfrage nach Automatikuhren etwas ab, als die Quarzuhr das Licht der Welt erblickte. Im Konkurrenzkampf mit dieser weiteren Neuerung mussten automatische Uhren für eine Zeit etwas zurückstecken. Als die große Quarzuhrkrise eintrat und bis in die 80er anhielt, konnten sich die automatischen Modelle hinterher wieder entsprechend positionieren und erneut einen wichtigen Platz im weltweiten Uhrenmarkt einnehmen. Seitdem haben sie sich kontinuierlich weiterentwickelt. Eine besonders moderne Version stellt die Quarzuhr mit Automatik dar, bei der das Quarz-Uhrwerk mit der Automechanik betrieben wird und deshalb ohne Batterien auskommt. Ende der 80er hat Fortis zudem die Herstellung der HARWOOD Automatik nach den originalen Konstruktionsplänen von John Harwood wieder aufgenommen. Heute sind diese Modelle mit dem Selbstaufziehmechanismus nicht mehr wegzudenken aus der vielfältigen Welt der Zeitanzeiger. Bequem und aufwandslos zu tragen, sind sie lange haltbar und deshalb treue Begleiter. Ob funktionale, einfache Uhren oder Kreationen im gehobenen Luxussegment – für alle Bedürfnisse stehen unterschiedliche Varianten zur Verfügung. Zu verdanken haben wir dies der visionären Ideenkraft von John Harwood.