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Jean-Claude Biver

« Manager-Legende der Luxusuhren im Portrait »

Er gilt als einer der Retter mechanischer Uhren und wird als ein Genie modernen Marketings gefeiert. Im Jahr 1949 in Luxemburg geboren, drückte der Wahl-Schweizer Jean-Claude Biver wie kein Zweiter der modernen Horologie seinen Stempel auf. Als Chef der Sparte Uhren im LVMH-Konzern und als CEO bei TAG Heuer ist er nun seit ein paar Monaten auch direkt für die Uhren von Zenith verantwortlich. Die konzerneigene Uhrenmarke war in letzter Zeit ein wenig ins Hintertreffen geratenen.

Mut zur Führung

Es sei ein kurzfristiger Entscheid gewesen, sagt Biver heute: In den Ferien habe er sich spontan dazu entschlossen, die operative Führung bei Zenith zu übernehmen. Noch vor ein paar Jahren freilich wollte Biver kürzer treten. Das ist nun nicht mehr drin für den Mann, den sie ehrfurchtsvoll den Doyen der Uhrenbranche nennen. Geärgert habe er sich, so begründet Jean-Claude Biver im Rückblick seinen Entschluss. Für drei Uhrenmarken habe er die Verantwortung. Eine davon, TAG Heuer, blickte 2016 vom Umsatz her auf das seit Gründung 1860 erfolgreichste Jahr zurück. Hublot, die zweite Marke, verzeichnete zur selben Zeit ein Rekordjahr. Warum geht das mit Zenith nicht, habe er sich gefragt, bevor er in die Bresche sprang, um die Marke persönlich zu führen.

Es muss diese besondere Kraft zur Führung sein, die Jean-Claude Biver bereits als Junge während seiner Jahre im Internat entwickelte und die ihn jetzt erneut an die Spitze trieb. Kraft und Verantwortung sind für den Manager im Rentenalter, der sich nach der Trennung der Eltern schon zu Internatszeiten um seinen Bruder kümmern musste, zwei Grundpfeiler eines gelungenen Lebens. Aber ohne Mut, so ist Biver überzeugt, sind die Herausforderungen des Lebens nicht zu meistern.

Kein Erfolg ohne Risiko

Schade findet Biver es, dass vielen Menschen in der heutigen Zeit ausgerechnet dieser Mut zum Risiko nicht mehr zu Eigen ist. Er selbst hat in seinem Leben das Wagnis nie gescheut. Zusammen mit dem Hersteller von Uhrwerken, Jacques Piguet, kaufte er im Jahr 1981 die Markenrechte von Blancpain Uhren. 22.000 Franken legte er mit gerade mal etwas mehr als 30 Jahren für ein Unternehmen auf den Tisch, das bereits seit 1970 nicht mehr in der Lage war, Uhren selbst zu produzieren.

Mit ihrer gewagten Unternehmung begannen Biver und Piguet ausgerechnet zu der Zeit, als die Quarzkrise auch den Herstellern im Mutterland der Uhren, der Schweiz, arg zu schaffen machte.

Ein Risiko war das selbstverständlich. Und schwer zu kalkulieren war es. Doch mit der Übernahme der beiden Unternehmer bei der Marke Blancpain erlebte der Stolz der Schweizer Uhrmacherkunst, das mechanische Uhrwerk, endlich seine verdiente Renaissance. Die Rückbesinnung Bivers auf die Leidenschaft und das Können der Schweizer Uhrmacher kommt nicht von ungefähr. Er ist der unerschütterlichen Meinung, dass Uhren zwar unbedingt Charakter haben müssen, ihnen das allein aber nicht zum verdienten Erfolg verhilft. Was sie außerdem brauchen, ist eine Seele. Nur eine Uhr mit einem mechanischen Kaliber besitzt diese Seele, ist der außergewöhnliche Unternehmer spätestens seit dem Tag überzeugt, an dem ihm sein Vater eine alte Jaeger-LeCoultre gab. Die bekam Bivers Vater von seiner Frau als Zeichen der Liebe. Getragen hat sie Biver danach über Jahrzehnte mit Stolz.

Hublot Big Bang Evolution in der Version 301PX1180RX1704 in 18K Rosegold

Als die seelenvollste Uhr bezeichnet er sie bis zum heutigen Tag. Vielleicht stellt deshalb auch die Uhrenmanufaktur Blancpain bis heute nur mechanische Kaliber her. 60 Millionen Franken war die Firma wert, als sie 1992 an die Swatch Group ging. Bevor Jean-Claude Biver ab dem Jahr 2004 mit einem großen Knall, der berühmten Hublot Big Bang zurück in die Erfolgsspur schickte, verhalf er noch den Armbanduhren von Omega zu neuem Glanz, der bis heute anhält.

Erfolgreich mit Hublot und TAG Heuer

Als eine Interims-Aufgabe, eine Herausforderung auf Zeit, bezeichnet Jean-Claude Biver sein Engagement bei Zenith. Bis zu ihrem Erfolg will der erfahrene Manager die Uhrenmarke führen.

Wie dieser Erfolg für den Nimmermüden aussehen muss, lassen nicht nur die Erfolge bei Omega, sondern auch die durchweg hervorragenden Ergebnisse bei Hublot und TAG Heuer erahnen. Denn während die Schweizer Uhrenexporte im vergangenen Jahr 9,9 Prozent verloren und mit 19,4 Milliarden Franken Umsatz auf dem Niveau des Jahres 2011 lagen, steigerten neben Bulgari auch Uhrenmarken wie Hublot und TAG Heuer ihren Umsatz auf 3,5 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von immerhin 5 Prozent. Im letzten Quartal des Jahres 2016 zog das Wachstum noch einmal auf 8 Prozent an.

Ziel bei Zenith ist ein schärferes Profil

Neu positionieren will der umtriebige Mann, der in seinem beruflichen Leben als Unternehmer und als Manager Erfolge feierte, die Marke nicht. Aus seiner Sicht stimmen sowohl die Produkte als auch der Preis der Uhrenmarke. Was er allerdings bezweckt, ist die Ausprägung eines schärferen Profils. Ihn treibt um, dass viele Leute noch nicht einmal wissen, dass es sich bei Zenith um eine Uhrenmarke handelt. Das muss sich ändern, wenn sich Erfolg einstellen soll.

Und deshalb sieht der erfahrene Sanierer und Marketing-Profi eine seiner vorrangigen Aufgaben darin, die Marke grundsätzlich neu zu kommunizieren. Auch auf Synergien zwischen den Marken innerhalb des Konzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) will er setzen. Darauf wurde aus seiner Sicht in der Vergangenheit zu wenig Wert gelegt.

Unbedingter Wille zum Erfolg

An Pensionierung denkt Biver trotz seiner 68 Lebensjahre bisher überhaupt nicht. Zu sehr treibt ihn sein unbedingter Wille zum Erfolg an. Erster möchte er sein, Sieger und natürlich einmalig. Sein Lebensmotto besteht darin, zu führen, zu entwickeln und Schwierigkeiten zu überwinden. Deshalb mache er weiter, sagt Biver, voller Elan und Energie. Er ist und bleibt eben ein Besessener. Wie in seiner Zeit bei Blancpain und Omega. Bei Blancpain hat er in den ersten Wochen seines Wirkens oft in einem Schlafsack übernachtet, sagt er. Nur so glaubte er, das richtige Gefühl für sein Unternehmen zu entwickeln.

Hublot King Power 48mm Unico in der Version 701QX0140RX

Bei seiner neuesten Unternehmung plant er ähnliches. Frühstück mit jedem einzelnen Mitarbeiter soll es sein, um die Menschen zu treffen, mit denen er an die Spitze zurück möchte. Und deshalb bleibt es für den leidenschaftlichen Lenker und Manager, der neben der Begeisterung für Uhren auch eine Leidenschaft für Käse hat und jedes Jahr auf seinem Schweizer Alpenhof rund fünf Tonnen davon produziert, auch bei seinem Arbeitspensum von derzeit immerhin 80 Wochenstunden Arbeit.

Floriert Zenith eines Tages, dann hat der Mann mit Blancpain und Omega, Hublot und TAG Heuer insgesamt fünf weltweit namhaften Uhrenmarken zu neuem Leben verholfen.

Kein wirklicher Ruhestand in Sicht

Vielleicht geht er in sieben Jahren in den Ruhestand, kündigt Biver vage an. Dem Chef von LVMH, Bernard Arnault, habe er das schon mal so gesagt. Dann ist er 75 Jahre alt und habe auch schon handfeste Pläne für den Ruhestand. Nach der Pensionierung habe er nämlich genug Zeit, sich mit einer Beratertätigkeit zu befassen. Startups und junge Unternehmen wären genau das, um was er sich dann kümmern wolle.

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