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Guillochierung – Finissierung – Perlierung

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Kanten anglieren, Zifferblätter guillochieren, Zeiger von Hand fertigen – das macht die große Uhrmacherkunst mitunter aus. Hier zeigen sich menschliche Kreativität, Leidenschaft und Hingabe von Ihrer edlen Seite. Was die vielen Fachbegriffe aus der Welt der Luxusuhren bedeuten, erfahren Sie hier!

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Was kennzeichnet Luxusuhren und macht sie zu etwas Besonderem? Es sind vor allen Dingen die Feinheiten, die aus einem gewöhnlichen Zeitanzeiger eine außergewöhnliche Uhr werden lassen. Dazu gehören die mechanischen Finessen, die kleinen und großen Komplikationen, aber auch besonders schöne Kompositionen. Luxusuhren tragen ihre Schönheit nicht nur in ihrem Inneren, wo sich das filigrane Uhrwerk bewegt, sie geben sich auch durch optische Details zu erkennen. Dazu kann eine Guillochierung des Zifferblattes ebenso gehören, wie eine Perlierung, Genfer Streifen oder eine Skelettierung. Wer nicht genau weiß, was diese Begriffe bedeuten, bekommt sie jetzt ausführlich erklärt:

Finissierung

Tudor Heritage Chrono Herrenuhr Stahl FinissierungSämtliche Luxusuhren werden formvollendet aufbereitet – nichts anderes bedeutet „Finissierung“ in seinem Ursprung. Finissage ist die Veredlung der einzelnen Teile, nichts anderes meint das französische Wort. Sollen Luxusuhren das Qualitätssiegel der Genfer Punze erhalten, müssen sie dessen strenge Regeln einhalten. Es kommt bei den Luxusuhren auf die herausragende Bearbeitung sämtlicher Oberflächen an. Diese werden beispielsweise durch spezielle Schlifftechniken bearbeitet, zu denen die Genfer Streifen, der Perlschliff und der Sonnenschliff gehören. Weiterhin sind Prägungen, Ziselierungen, Gravuren, wie die Guillochierung, oder die Anglage, wie die feine Entfernung sämtlicher Grate bezeichnet wird, bei Luxusuhren gebräuchlich. Zu guter Letzt zählen auch Vergoldungen, Chatons, gebläute Schrauben oder Rhodinierungen zu den feinen Merkmalen, mit denen sich Luxusuhren von normalen Uhren unterscheiden können.

Guillochierung

Bulgari Date Rétrograde Herrenuhr Stahl GuillochierungWerden geometrische Figuren aus ganz feinen Linien in das Ziffernblatt oder das Gehäuse einer Uhr gestochen, wird dies Guillochieren genannt. Das Werkzeug, mit dem die feinen Linien in das Werkstück gestochen werden, wird von einer ruhigen Hand geführt. Je nachdem, wie das Licht auf die Uhr fällt, glänzt die Oberfläche unterschiedlich. Ein französischer Mechaniker und Goldschmied mit Namen Guillot soll das Verfahren erfunden haben, vielleicht diente aber auch die französische Bezeichnung für das dabei verwendete Werkzeug als Namensgeber. Hans Schwanhardt, der bis 1621 gelebt und in Nürnberg als Kunsthandwerker gewirkt hat, hat diese Technik ebenfalls verwendet. Ursprünglich wurden Wertpapiere mit Guillochen verziert, damit sie schwerer fälschbar waren, doch auch bei Taschenuhrdeckeln, Fingerhüten, Dosen und Bechern war die Verzierung üblich. Besonders Peter Carl Fabergé nutzte die filigrane Technik und verzierte in seiner Werkstatt in St. Petersburg seine berühmten Schmuck-Eier damit. Bis weit in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinein war die Guillochierung eine fast vergessene Technik – erst mit der Renaissance der Luxusuhren wurde sie zu neuer Blüte geführt. Der Meister, der diese Technik beherrscht, gibt sein Wissen Stich für Stich an seinen Nachfolger weiter, bevor er sich verdient in seinen Ruhestand zurückzieht. Allein die Guillochierung eines einzigen Zifferblattes kann sich über Stunden und Tage hinziehen, je nach Härte des Materials, welches bearbeitet werden soll. Da Silber und Gold wesentlich leichter als Platin sind, ist hier die Bearbeitung leichter. Trotzdem ist für diese Technik mehr als nur eine ruhige Hand vonnöten: Geht ein Schnitt daneben, kann der Guillocheur von vorne beginnen. So ist es kein Wunder, dass sich nur die Hersteller echter Luxusuhren an dieses Unterfangen wagen können.

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Wie kleine Wölkchen wirken die Kreise, wie sie für die Perlierung typisch sind: Bei der traditionellen Perlierung werden ineinander verlaufende und dadurch perlenförmig wirkende Kreisschliffe angebracht. Dabei werden beispielsweise die Werkplatine oder die Brücke mit der Hand in exakt jene Position gebracht, spezieller Diamantstaub sorgt für den Schliff. Für den Abstand und die Tiefe der dabei entstehenden „Perlen“ wird ein absolut exaktes Fingerspitzengefühl und Augenmaß benötigt. Wurden früher mit Hilfe dieser Technik kleinere Unebenheiten auspoliert, dient sie heutzutage als dekorativer Ausdruck des uhrmacherischen Könnens. Die winzigen Kreise liegen dabei nicht nur dicht übereinander, sondern verdecken sich teilweise sogar. Damit bei einer Uhr sämtliche Komponenten auch zu einem späteren Zeitpunkt noch ausgetauscht werden können, müssen die Muster perfekt gearbeitet und sämtliche Flächen gleichmäßig gestaltet sein. Die Struktur wird dabei über sämtliche Komponenten hinweg geführt.

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Alle flachen Teile eines hochwertigen Uhrwerkes sind verziert. Das kann durch die bereits beschriebene Perlage sein, die mit ihren eng beieinander liegenden und sich teilweise überlappenden Kreisen bei all ihrer Raffinesse noch eines der einfacheren Dekore darstellt. Andere dekorative Schliffe sind beispielsweise Sonnenschliff oder Wendelschliff. Ebenso zählen die Genfer Streifen zu den feinen Verzierungen luxuriöser Uhren. Das sind wellenförmige und gleichzeitig parallele Linien, die dafür sorgen, dass sich das Licht auf eine ganz besondere Weise bricht und vielfältige Reflexionen erzeugen. Wie bei den anderen Finissagen ist auch hier das sichere Können eines Meisters und dessen ruhige Hand gefragt. Die Genfer Streifen sind in der Lage, selbst winzigste Staubkörnchen einzufangen – somit sind sie nicht nur schön, sondern gleichzeitig nützlich. Außerdem entfernen diese Veredelungen sämtliche eventuell noch vorhandenen Spuren der Herstellung.

Skelettierung

Tag Heuer Carrera Calibre HEUER 01 Automatik Chronograph 45 mm Grey Phantom Titanium SkelettierungMechanische Luxusuhren bestehen aus unzähligen kleinen Bauteilen: Zugfeder, Räder, Rotor, Unruh, Ankerhemmung und Zeiger. Sind zusätzliche Komplikationen wie Weckfunktion, Stoppuhr oder eine Anzeige des Datums eingebaut, werden es immer mehr kleine Teile, die mit einer unglaublichen Perfektion ineinander greifen. Wer sehen will, wie filigran das Innere einer Uhr ist und wie sich die Teile bewegen, wählt eine skelettierte Uhr, eine Uhr also, bei der Teile des Uhrwerkes so ausgesägt sind, dass sie den Blick auf die dahinter liegenden Teile freigeben. Dabei werden bis zu achtzig Prozent des in einer Uhr üblicherweise vorhandenen Materials entfernt und sämtliche verbleibenden Teile des Uhrwerks kunstvoll verziert, damit ihre fragile Schönheit noch mehr betont wird. Die Skelettierung macht aus Luxusuhren wunderbar ästhetische Meisterwerke, in denen die hohe Kunst der Haute Horlogerie sichtbar wird. Weltweit gibt es nur wenige Uhrmachermeister, die die Skelettierung in ihrer ganzen aufwändigen Technik beherrschen. Schließlich geht es nicht nur um die Perfektion des Aussehens bei den Luxusuhren, sondern auch um deren Ganggenauigkeit. Schon der Bruchteil eines Millimeters an Material, das zu viel entfernt wird, stört empfindlich deren Genauigkeit. Inzwischen gibt es eine ganze Auswahl an Zeitmessern aus den Luxusmanufakturen, die entweder teilweise oder ganz skelettiert sind. Bei diesen ist deutlich sichtbar, wie aufwändig und präzise alles ineinander greifen und verzahnt sein muss, damit sie immer die richtige Zeit anzeigen. Selbst für erfahrene Uhrmachermeister stellt die Skelettierung die hohe Kunst ihres Handwerkes dar. Jedes noch so kleine Teil wird so sorgfältig und präzise gefertigt, wie das andere und ist für den Träger künftig sichtbar. Deswegen bieten nur die besten Uhrenschmieden solcherart gefertigte Uhren an, in denen sich die hohe Kunst der Haute Horlogerie wiederspiegelt.

Die Finissierung macht aus einer Uhr ein ganz besonderes Luxusobjekt

Prinzipiell könnte man sagen, dass mit der entsprechend ausgesuchten und von Hand vorgenommenen Finissierung aus einem standardisierten Uhrwerk ein wahres Meisterstück werden kann, bei dem die Augen der Liebhaber von Luxusuhren zu leuchten beginnen. Da es in den handwerklichen Techniken nur wenige Meister gibt, die diese so formvollendet beherrschen, dass damit wahre Kunst entsteht, sind die Uhren entsprechend selten und müssen je nach Ausführung auch relativ teuer bezahlt werden. Die Erfahrung eines handwerklich hochbegabten Meisters lässt sich schließlich durch keine Maschine der Welt ersetzen.

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