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Exit Watch

« Die spannende Suche nach der einzig richtigen Uhr »

Wohl kaum eine Frage fasziniert leidenschaftliche Uhrensammler mehr als jene nach der Exit Watch: Gibt es ihn, den perfekten Zeitanzeiger, der die eigene Sammlung krönt und nie wieder vom Handgelenk weichen wird? So reizend der Gedanke auch ist – die Suche nach der horologischen Liebe des Lebens stellt sich häufig als unlösbares Rätsel heraus. Wir sind dem Mythos der Exit Watch auf den Grund gegangen und erklären, welche Kriterien die persönliche Superuhr erfüllen sollte.

Reine Vision oder doch Realität?

Die Begeisterung für das Unantastbare, ja fast schon Geheimnisvolle prägte bereits unsere mittelalterlichen Vorfahren. Damals, vor etwa 1.000 Jahren, entstand die bis heute berühmte Legende des heiligen Grals, jenes wundersamen Gefäßes, das ewige Lebenskraft versprach. Über Jahrhunderte versuchte man vergeblich, dem mystischen Kelch auf die Spur zu kommen – kein Wunder also, dass seine Existenz von Beginn an infrage gestellt wurde.

Junghans Max Bill Chronoscope in der Version 027-4600-00

Mit der Exit Watch, aufgrund ihrer Parallelen zum heiligen Gral auch als „Grail Watch“ bezeichnet, verhält es sich sehr ähnlich. Sie soll das Höchste, Begehrenswerteste zum Ausdruck bringen, was sich ein Uhrensammler erträumen kann. Eine Uhr, die es wert ist, der jahre- oder jahrzehntelangen Passion ein feierliches Ende zu bereiten.

Eine Uhr, deren Verkauf ausgeschlossen ist.

Das Besondere an der Idee der Grail Uhr ist ihr schleierhafter Charakter – man kennt sie einfach nicht. Und selbst, wenn es einen würdigen Kandidaten gibt, könnte es ja irgendwo ein noch mitreißenderes Meisterstück geben.

Nicht der Preis, sondern die Faszination entscheidet

Was also macht eine Exit Watch aus? Sind es möglicherweise ihre High-End-Komplikationen wie beispielsweise ein ewiger Kalender oder ein Tourbillon? Oder stehen prestigeträchtige Materialien wie Gold oder Platin im Vordergrund? Tatsächlich müssen keine dieser Eigenschaften auf die eigene Traumuhr zutreffen. Vielmehr geht es um die persönliche Begeisterung des Enthusiasten, sodass es sich beim heiligen „Grail“ durchaus um ein simples Edelstahl-Modell handeln kann.

nomos-glashuette-zuerich-weltzeit-805

Nicht der Preis selbst, sondern die individuell wahrgenommenen Vorzüge, zu denen außer dem Design auch die Funktionalität und Mechanik des Modells zählen, sind auf der Suche nach der Exit Watch entscheidend.

Schöne Formen, elegante Linien: Das Design zählt

Es löst Emotionen aus, ermöglicht uns den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und ist das erste, mit dem wir eine Uhr verbinden: Ihr Design. Kein anderes Kriterium ist so subjektiv, gleichzeitig aber so relevant für die Frage, ob man einen Zeitanzeiger mag oder nicht. Dadurch wird klar: Eine Exit Uhr muss ihrem Besitzer nicht nur gefallen, sondern sein Herz erobern.

Rolex Submariner Date

In der Regel stammt das Masterpiece aus jener Kategorie, die bereits bei anderen Uhren bevorzugt wurden. Doch welche Modelle sind besonders begehrt? Unter den Liebhabern robuster Taucheruhren besitzt die Rolex Submariner eine besondere Stellung: Im Jahr 1953 lanciert und seitdem unzählige Male nachgeahmt, gilt sie als Erfinderin des modernen Divers. Ihr Erfolg basiert nicht nur auf ihrer renommierten Widerstandsfähigkeit, sondern vor allem auf ihrem simplen Design: Schnörkellos und zweckorientiert, zählt es sie den berühmtesten Kreationen der modernen Uhrenwelt.

Omega Seamaster Aqua Terra 150M Co-Axial Master Chronometer 34mm in der Version 220-10-34-20-03-001

Ebenso begehrt, aber bewusst zurückhaltender präsentiert sich seit über 70 Jahren die Omega Seamaster, die heutzutage in über 20 Linien erhältlich ist. Beide Modelle kommen aber nicht an die Zeitlosigkeit der modernen Bauhaus-Uhren heran. Dieses Segment wird vor allem durch die deutschen Manufakturen Junghans und Nomos Glashütte dominiert, wobei die Junghans Max Bill sicherlich das prominenteste Modell ihrer Art ist.

NOMOS Glashuette Ludwig in der Version 201 mit Stahlboden

Sowohl die Max Bill Uhren als auch die Kollektionen Nomos Ludwig und Nomos Zürich aus Glashütte sind hervorragende Beispiele dafür, dass eine Uhrenliebe kein Vermögen verschlingen muss. Ganz im Gegenteil: Liebhaber des funktional-minimalistischen Kunststils werden in höheren Preisregionen keine besseren Bauhaus-Uhren finden.

Die perfekte Exit-Uhr ist ein souveränes Gesamtpaket

Neben Taucher- und Bauhaus-Uhren gibt es natürlich noch viele weitere Kategorien, die eine potenzielle Superuhr bereithalten: So gelten die Breitling Navitimer und das deutsche Pendant, die Sinn 903, als Traumuhren vieler Luftfahrt-Fans, während Motorsport-Enthusiasten eher auf die quadratischen Monaco-Uhren von Tag Heuer zurückgreifen werden. Das Design allein reicht aber noch nicht, um eine Grail Watch zu definieren. Ein weiteres, äußerst bedeutsames Kriterium ist die Mechanik.

Sinn 903 St in der Version 903-040

Wie präzise ist das Uhrwerk? Welches Maß an Handarbeit und menschlicher Geisteskraft ist in das Kaliber eingeflossen? Da ein Großteil der Faszination an den feinen Zeitanzeigern auf ihre komplexen Automatikwerke fällt, sollten die technischen Eigenschaften bei der Exit Watch in jedem Fall berücksichtigt werden.

Da sie für den langfristigen Besitz vorgesehen ist, müssen auch die Kosten und Durchführbarkeit der Wartung berücksichtigt werden – besonders bei sehr kleinen Herstellern besteht die Gefahr der Insolvenz, was die anschließende Instandhaltung erheblich erschweren kann.

Weitere Faktoren wie der richtige Durchmesser, die Notwendigkeit bestimmter Komplikationen sowie das Material des Gehäuses sollten ebenfalls bedacht werden – schließlich ist die Exit Watch nicht für die Aufbewahrung im Tresor, sondern den alltäglichen Gebrauch vorgesehen. Insgesamt zählt also das Gesamtpaket: Eine Grail sollte optisch begeistern, technisch überzeugen und im Idealfall auch ein angenehmer Begleiter im Alltag sein.

Wirklich schon die letzte Uhr?

Zum Schluss bleibt noch eine Frage: Was passiert eigentlich, wenn man seinen heiligen „Grail“ gefunden hat? Tatsächlich fällt es den meisten fortgeschrittenen Uhrensammlern nach dem Kauf des vermeintlich letzten Zeitanzeigers sehr schwer, ihre langjährige Leidenschaft zu beenden. „Eine noch“ – dieses Motto führt häufig dazu, dass sich das Spiel mit der Exit Uhr ein- oder mehrfach wiederholt.

Tag Heuer Monaco Calibre 11 Automatik Chronograph in der Version CAW211P-FC6356

Ist das etwa verwerflich, gar ein Zeichen charakterlicher Schwäche? Keineswegs. Es zeigt bloß, dass die Faszination der edlen Zeitanzeiger eine außergewöhnliche ist – eine, die man nicht von heute auf morgen beenden kann. Vielleicht ist die Grail gerade deshalb nichts anderes als ein verführerisches Gedankenspiel.

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