Wann ist eine goldene Uhr eine „echte Golduhr“?

Gold – seit Jahrtausenden übt das edel schimmernde Metall eine unvergleichliche Faszination auf die Menschen aus. Als Schmuck begehrt und als Wertanlage geschätzt, spielt es in der Uhrenindustrie eine besondere Rolle. Doch schimmert eine Uhr golden, heißt das noch lange nicht, dass es sich um eine „echte“ Golduhr handelt. Wir erklären, welche Varianten es bei einer Golduhr gibt, was hinsichtlich Preis und Wert zu berücksichtigen ist und welche Modelle besonders gefragt sind.

Gold oder vergoldet? Diese Begriffe sollte man kennen

Eine goldene Uhr kann auf zwei Wegen zu ihrem Glanz kommen: Entweder es handelt sich um ein Edelstahlgehäuse, das mit einer dünnen Goldschicht überzogen ist, oder das Gehäuse besteht aus massivem Gold. Während man im ersten Fall von einer Vergoldung spricht, handelt es sich bei der Massivgold-Variante um das, was man üblicherweise als „echte“ Golduhr bezeichnet.

Das „echt“ ist dabei bewusst in Anführungszeichen gehalten: Sind hochwertige Modelle vergoldet, so besteht diese Schicht aus dem originalen Material und nicht etwa einer anderen Substanz.

Allerdings weisen Vergoldungen üblicherweise eine äußerst geringe Dicke auf – die Bezeichnung „10 Mikron“ auf dem Gehäuseboden bedeutet beispielsweise, dass die Goldschicht 0,01 mm dick ist. Dadurch wird klar, dass eine Vergoldung einen wesentlich geringeren Materialeinsatz des teuren Metalls bedeutet.

Tissot T-Gold aus der Serie Carson in der Version T907-410-16-033-00 Tissot T-Gold aus der Serie Goldrun in der Version T922-410-16-011-00

Wenden wir uns den „echten“ Modellen zu, taucht häufig die Einheit „Karat“ für den Feingehalt auf. Ein Karat (kt) hat die gleiche Bedeutung wie „eins von 24 Teilen“. Folglich bedeuten 24 Karat Gold, dass die Materialmischung zu 100% aus dem Edelmetall besteht, wobei aufgrund der niemals perfekten Reinheit von 99,99% gesprochen wird. Eine „echte“ goldene Armbanduhr kann verschiedene Anteile des Metalls besitzen, wobei 18 kt (750er-Gold), 14 kt (585er-Gold) und 8 kt (333er-Gold) die geläufigsten Größen sind. Also sind selbst im „echten“ Bereich die Unterschiede groß, wodurch sich Preisunterschiede allerdings kaum erklären lassen:

Tissot T-Gold Fascination 18K Gold in der Version T924-210-16-111-00 Tissot T-Gold Fascination 18K Gold in der Version T924-410-16-051-00

So bietet beispielsweise die Tissot T-Gold Kollektion bereits im niedrigen vierstelligen Bereich 18 kt-Modelle an, während deutlich teurere Uhren anderer Marken häufig 585er-Mischungen aufweisen.

Ob Gelb-, Rosé- oder Weißgold: Die Vielfalt ist groß

Obwohl man eine goldene Uhr meist mit Gelbgold assoziiert, stehen mit Rosé- und Weißgold elegante Alternativen zur Wahl. Um die Sorten und ihre Unterschiede näher zu betrachten, stellt die Rolex Cosmograph Daytona ein hervorragendes Beispiel dar, denn die Legende unter den Chronographen ist in allen nur denkbaren Variationen erhältlich – Gehäuse, Lünette und Armband können wahlweise in dem königlichen Material gehalten sein oder aber nicht.

Rolex Cosmograph Daytona 116505 Rolex Cosmograph Daytona 116509

Wer ein Statement setzen möchte, ist mit Gelb- oder Roségold am besten beraten, während Weißgold einen eher zurückhaltenden Auftritt bewirkt. Für Laien kaum von Silber zu unterscheiden, handelt es sich dabei um eine spezielle Legierung, der aufgrund der Beimischung anderer Edelmetalle die goldene Farbe genommen wurde.

Wegen seiner schwierigeren Verarbeitung ist es interessanterweise noch teurer als „normales“ Gold.

Wer seine luxuriöse Uhr golden möchte, steht vor einer schwierigen Entscheidung, denn nahezu alle Hersteller bieten ihre Klassiker in einer entsprechenden Ausführung an.

Omega De Ville Ladymatic in der Version 425-65-34-20-55-004 Omega De Ville Prestige Co-Axial in der Version 424-55-37-20-58-001 in 18K Gelbgold

Die Omega De Ville als echte Golduhr erweist sich als besonders stilvoll, weil das Modell zu feinen Anlässen ohnehin eine hervorragende Figur macht. Allerdings ist, wie bei allen anderen Herstellern, ein enormer Preisaufschlag gegenüber den Stahl-Editionen fällig.

Constellation Day Date in der Version 123-55-38-22-02-002 in 18K Gelbgold Omega Constellation Co-Axial 38mm in der Version 123-55-38-21-52-008 in 18K Geblgold mit Diamantbesatz

Vintage-Modelle, beispielsweise der Omega Constellation, gelten daher als Geheimtipp unter den Liebhabern des edlen Metalls, da gut erhaltene Masterpieces zu wesentlich günstigeren Preisen erhältlich sind als neue Uhren.

Der Preisaufschlag bei Golduhren: Warum ist er so hoch?

Egal ob im Schaufenster oder im Internet: Beobachtet man die Luxusuhren verschiedener Marken, fallen sofort die enormen Preisunterschiede zwischen Stahl- und Golduhr ins Auge. Beispielweise ist die Rolex Cosmograph Daytona als goldene Uhr rund dreimal teurer als das Stahlmodell.

Bei der Omega De Ville ist sogar das Fünffache einzukalkulieren. Bei derartigen Differenzen ist sicher, dass sie nicht allein auf die höheren Materialkosten bei Gold zurückzuführen sind.

Zwei weitere Aspekte sind zur Erklärung erforderlich: Einerseits die schwierigere Verarbeitung, andererseits die gewollte Exklusivität. Da Gold von Natur aus wesentlich weicher ist als Stahl, sind besondere Techniken zur Materialverarbeitung und Herstellung der Uhr erforderlich. Von beinahe noch größerer Bedeutung ist die Exklusivität – einen Teil des Aufschlags bezahlt man schlicht dafür, etwas Seltenes zu erwerben, das sich sonst nur wenige leisten können.

Die Golduhr als Wertanlage – besser als „normale“ Zeitanzeiger?

Insbesondere für Sammler und Anleger stellt sich die Frage nach der Wertentwicklung von Golduhren – könnte sich der hohe Preisaufschlag gegenüber Stahluhren später einmal rentieren? Leider ist darüber keine sichere Aussage möglich, da der Marktwert eines Modells von einer Vielzahl weiterer Faktoren abhängt.

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Entscheidend ist vor allem die Nachfrage: Bei seltenen, begehrten Modellen steigt der Wert unabhängig des Materials, während echte Golduhren im Falle hoher Stückzahlen an Wert verlieren können. Die Rolex Cosmograph Daytona gehört beispielsweise zu den gefragtesten Zeitanzeigern überhaupt und ihre Stahlmodelle konnten in den letzten Jahren kräftig an Wert zulegen. Eine goldene Omega Constellation gehört eher zur zweiten Kategorie – es gibt sie in hohen Stückzahlen und ein Wertzuwachs in nächster Zeit erscheint unwahrscheinlich.

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Es ist also dringend davon abzuraten, beliebige Golduhren in dem Glauben zu erwerben, sie würden sowieso einen Wertzuwachs verzeichnen. Im schlimmsten Fall erhält man nicht einmal den Materialwert zurück. Interessiert man sich für Armbanduhren als Wertanlage, lohnt sich ein tieferes Einsteigen – wer Erfahrungen sammelt und ein Gefühl für den Markt gewinnt, wird tendenziell erfolgreicher sein als ein Anfänger. Unabhängig vom Material.

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