Uhrwerk - Uhrwerkshersteller ETA im Portrait
© FERNANDO - stock.adobe.com

Die bekanntesten Uhrwerkshersteller

« Wer beliefert wen »

Im unteren und sogar gehobenen Preissegment ist eine Uhrenwelt ohne die Großserienproduktion mechanischer Kaliber unvorstellbar. Von spezialisierten Uhrwerksherstellern gefertigt, punkten sie mit bewährter Zuverlässigkeit und Hochwertigkeit bilden das Fundament der gesamten horologischen Einsteigerklasse. Valjoux, Seiko, Miyota – wir präsentieren die größten Player der Branche und zeigen, welche Uhrenmarken auf welche Lieferanten zurückgreifen.

Die Nummer eins der Uhrwerkshersteller: ETA

Als größter und wohl berühmtester Uhrwerkshersteller blickt ETA auf eine Firmengeschichte bis ins Jahr 1793 zurück und beschäftigt heutzutage mehr als 8.000 Angestellte an elf Produktionsstandorten. Vollständig zur Swatch Group gehörend, beliefert das Schweizer Unternehmen neben den Marken des eigenen Konzerns – unter ihnen Tissot, Certina, Hamilton und Longines – auch externe Luxusmarken wie Breitling, TAG Heuer und IWC. Daran wird deutlich, dass die Qualitätsstufen ETAs eine hohe Bandbreite umfassen: So stehen die Präzisionsgrade „Standard“ und „Elaboré“ für eher einfache Kaliber, während Antriebe der Stufen „Top“ und „Chronomètre“ über eine höhere Genauigkeit und ein detailreicheres optisches Finish verfügen. Es wäre also ein grober Fehler, alle Werke des Lieferanten in eine Schublade zu stecken.

Das wohl bekannteste Uhrwerk des Branchenprimus heißt 2824-2. Als Dreizeigerwerk mit Datum konzipiert, treibt es in modifizierten Varianten unzählige Berühmtheiten wie etwa die Breitling Superocean („Caliber 17“), Tudor Heritage Black Bay („Tudor 2824“) oder Tag Heuer Carrera („Calibre 5“) an. Auch das beliebte „Powermatic 80“ zahlreicher Tissot- wie Hamilton-Kollektionen basiert auf dem 2824-2 und verrichtet dort seine oft erwähnte Gangreserve von 80 Stunden. Im höheren Preissegment hingegen dominiert das flache 2892, welches von der Omega Seamaster mit 1120 bis hin zur IWC Aquatimer ein breites Spektrum luxuriöser Modelle antreibt.

TAG Heuer Carrera Calibre 5 Automatik 36mm - Uhrwerkshersteller ETA Omega Aqua Terra 150M Co-Axial Master Chronometer 34mm - Uhrwerkshersteller ETA

Valjoux: Der Chronographen-Spezialist

Als hundertprozentige ETA-Tochter zählt Valjoux ebenfalls zur Swatch Group und erfreut sich eines ähnlich umfangreichen Kundenkreises wie seine Muttermarke. Einen großen Teil seines Erfolges hat der Uhrwerkshersteller dem Kaliber 7750 zu verdanken, das als erfolgreichstes Chronographenwerk aller Zeiten gilt und seit Jahrzehnten nur geringfügig verändert wurde. Das Arbeitstier ist für seine hohe Robustheit wie Präzision bekannt und findet sich beispielsweise im Junghans Meister Chronograph, der Breitling Super Avenger II („Caliber 13“), dem Oris Artelier Chronograph und der Sinn 103 wieder. Handaufzugskaliber wie das 7760, das Kalenderwerk 7751 und das komplizierte 7770 für Schleppzeiger-Chronographen runden ein äußerst vielseitiges Produktportfolio ab, ohne das die heutige Uhrenwelt sicherlich ganz anders aussehen würde.

Sinn 103 St Junghans Meister Chronoscope

Sellita: Effiziente Produktion auf ETAs Basis

Obwohl Sellita bereits 1950 gegründet wurde und seitdem im Schweizer La Chaux-de-Fonds ansässig ist, tritt das Unternehmen erst seit 2003 als eigenständiger Uhrwerkshersteller in Erscheinung und produziert fast ausschließlich Antriebe auf Basis von ETAs Konstruktionen. So verbirgt sich hinter dem beliebten SW-200 ein 2824-2, während das SW-300 einem 2892 und das Chronographenwerk SW-500 einem 7750 entspricht. Aber welchen Sinn macht es, dass eine unabhängige Firma praktisch dieselben Produkte anbietet wie der Marktführer? Um den Erfolg Sellitas zu verstehen, müssen wir ins Jahr 2002 zurückblicken: Damals verkündet ETAs Geschäftsführung die Einstellung der Rohwerke-Produktion und ausschließliche Vermarktung fertig montierter Uhrwerke ab 2006 – ein Schock für die bisherigen Kunden des Lieferanten. Da die Patente für alle wichtigen Werke der Swatch-Tochter zu diesem Zeitpunkt bereits abgelaufen sind, nutzt Sellita die Gunst der Stunde und bietet den entsprechenden Abnehmern durch die eigene Produktion derselben Antriebe einen fast perfekten Ersatz.

Uhrwerk Nahaufnahme - Uhrwerkshersteller Sellita
© Christoffer – stock.adobe.com

Die hohe Ähnlichkeit zu ETAs Entwicklungen lässt bereits vermuten, dass Sellitas Konstruktionen ebenfalls sehr weit verbreitet sind. Oris, Sinn, Mühle Glashütte, Maurice Lacroix, Bruno Söhnle, Hanhart – die Liste der Kunden ist lang und dürfte zukünftig noch länger werden, denn der Schweizer Uhrwerkshersteller hat bereits die Entwicklung eigener Antriebe mit entsprechender Vergrößerung der Produktionsflächen angekündigt. Neue Arbeitstiere für die Einstiegsklasse? Wir sind schon gespannt, was uns aus La Chaux-de-Fonds erwartet.

Bruno Söhnle Ares II Hanhart Pioneer Mk I

Seiko: Manufakturkaliber zum erschwinglichen Preis

Verlassen wir die Schweiz, begrüßt uns mit Seiko eine der geschichtsträchtigsten und innovativsten Uhrwerkshersteller des Uhrenmarktes. 1881 gegründet, steht der japanische Hersteller für robuste Qualität zu attraktiven Preisen und bietet seinen Kunden eine Besonderheit, die man in der Einsteigerklasse sonst vergebens sucht: Manufakturwerke. Wie im absoluten Luxussegment von Patek Philippe oder Jaeger-LeCoultre, werden die Antriebe eigenständig entwickelt und produziert. Allerdings verbirgt sich hinter Seikos Namen eine ganze Firmengruppe, die neben den eigenen Zeitanzeigern auch Drittfirmen mit seinen robusten Kalibern beliefert. Dafür ist das Tochterunternehmen TMI Time Module verantwortlich, welches die Werke seines Mutterkonzerns unter neuem Namen vermarktet und damit eine Zuordnung zu speziellen Abnehmern erschwert. Besonders verbreitet dürfte das 4R35 (Originalname) sein, ein simples Automatikwerk mit Sekundenstopp und 40 Stunden Gangreserve. Aber auch die Modelle 7S26, 6R27 und 6R15 zählen zu den beliebtesten Arbeitstieren des japanischen Herstellers.

Citizen Miyota: Simple Mechanik für Newcomer und Microbrands

Neben Seikos Imperium stammt mit Citizen eine weitere, einflussreiche Größe des Uhrenmarktes aus Japan. Während der Name Citizen für massenproduzierte Quarz- und Solaruhren steht, ist das 65-prozentige Tochterunternehmen Miyota für die Fertigung mechanischer Antriebe verantwortlich. Unter ihnen ist das 8215 als universelle Allzweckwaffe bekannt, das seit Jahrzehnten hohe Produktionszahlen erreicht und insbesondere bei Microbrands beliebt ist. Einfache Konstruktion, robuste Bauart, niedrige Kosten – wer sich für neue Uhrwerkshersteller der Uhrenbranche interessiert, wird im Innern häufig das 8215 antreffen.

überprüfen Sie auch

Gehäuseöffner und Gehäuseschließer

Gehäuseöffner und Gehäuseschließer

« Wie Uhrmacher Uhren öffnen » Egal ob Wartung, Batteriewechsel oder Echtheitsprüfung: Viele Arbeitsschritte am …

Wir erklären die Komplikation Minutenrepetition

Das Tourbillon – höchste aller Komplikationen? Nicht ganz. Die wahre Königin des mechanischen Uhrenbaus ist …

Das Uhrinstinkt Magazin erklärt Manufakturwerke

« Was ist ein Manufakturwerk? » Die Faszination dieser Mechanik ist für viele Uhrenliebhaber der …