Deutsche Taucheruhren

« Eine Geschichte mit modernem Ende »

Wie keine anderen Zeitanzeiger begeistern Taucheruhren seit Jahrzehnten als verlässliche Begleiter, funktionale Ikonen und sportliche Hingucker. Mindestens so faszinierend wie die Instrumente selbst ist ihre spannende Historie, die in der Schweiz begann und später auch das Gesicht der deutschen Uhrenindustrie gravierend veränderte. Heute stehen moderne Diver stärker denn je für die horologische Ingenieurskunst Deutschlands und repräsentieren die technische Brillanz der heimischen Branche – von Frankfurt bis Glashütte.

Am Anfang war Nichts

Von der Erfindung des Buchdrucks über das erste Automobil bis zum ersten Computer: Es gibt zahllose gute Gründe, stolz auf die heimischen Pionierleistungen zu sein. Doch blickt man auf die Entstehungsgeschichte der Taucheruhr zurück, dann wird es plötzlich still um die deutsche Innovationskraft. Stattdessen waren es ausschließlich Schweizer Manufakturen, die den frühen Divern zu ihrem Durchbruch verhalfen.

Omega Seamaster Aqua Terra 150M Co-Axial Master Chronometer 34mm in der Version 220-10-34-20-03-001 Rolex Submariner No Date 114060

Der entscheidende Schritt gelang dabei Rolex im Jahr 1927, als der Genfer Hersteller die erste nachgewiesen wasserdichte Oyster lancierte und am Handgelenk der britischen Stenotypistin Mercedes Gleitze durch den Ärmelkanal schwimmen ließ. Das Instrument überzeugte: Selbst nach 15 Stunden im Dauereinsatz zeigte es keinen Wassereintritt.

Blancpain Fifty Fathoms 500 Fathoms Breitling Superocean Automatic 36 in der Version A17316D21A1A1

Man könnte denken, dass deutsche Taucheruhren nach diesem medialen Paukenschlag nicht lange auf sich warten ließen, um den neuen Markt zu erobern. Falsch gedacht. 1931 präsentiert Rolex die ersten wasserdichten „Perpetual“-Modelle mit automatischem Aufzug, 1932 begeistert die Omega Marine durch ihre herausragende Eignung bis 135 Meter Wassertiefe. 1948 folgt die weltberühmte Seamaster, nur fünf Jahre später erblicken die Rolex Submariner und Blancpain Fifty Fathoms das Licht der Welt. Selbst als 1957 die Breitling Superocean vorgestellt wird, lassen deutsche Taucheruhren noch entspannt auf sich warten.

Spät, aber genial: Ein Pilot wagt den Durchbruch

Die Ära der maritimen Zurückhaltung fand hierzulande erst 1961 ein Ende, als Frankfurt am Main um ein junges Unternehmen reicher wurde: Die Sinn Spezialuhren GmbH. Gegründet vom Fluglehrer und Piloten Helmut Sinn, präsentierte der Hersteller bereits in seiner ersten Kollektion einen bis 200 Meter wasserdichten Zeitanzeiger, der den Grundstein für die heutige Modellvielfalt legte. Seitdem produziert die Marke aber nicht nur deutsche Taucheruhren in höchster Robustheit, sondern treibt auch ihre Weiterentwicklung in beispielloser Weise voran.

Sinn U1 in der Version 1010-010 Sinn U1 S E in der Version 1010-023

So verfügt die aktuelle Sinn U1-Kollektion über die 2003 vorgestellte TEGIMENT-Technologie, eine spezielle Oberflächenhärtung zur Erhöhung der Kratzfestigkeit. Um der Angabe von beeindruckenden 1.000 Metern Wassertiefe die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen, wird die Reihe (wie alle anderen Taucheruhren des Herstellers) nach europäischen Tauchgerätenormen zertifiziert.

Sinn U2 S (EZM 5) in der Version 1020-020

Noch extremer zeigt sich die U2-Kollektion, die bis 2.000 Meter abtauchen kann und zusätzlich zur U1 mit der hauseigenen Ar-Trockenhaltetechnik ausgestattet ist. Letztere maximiert dank einer speziellen Schutzgasfüllung und Trockenkapsel die Funktionssicherheit und Robustheit der Gehäuse – nur ein Beispiel für den Erfindergeist des vergleichsweise jungen Unternehmens.

Sinn EZM 13 in der Version 613-010 Sinn 206 St Ar in der Version 206-010

Was besonders auffällt: Selbst die Fliegeruhren der Marke punkten mit einer Wasserdichtigkeit, von der so mancher „echter“ Diver weit entfernt ist – 500 Meter beim EZM 13 und 300 Meter beim Chronographen 206 sprechen für sich.

Auch im Meer ganz vorn dabei: Glashütte

Von der hessischen Finanzmetropole in die sächsische Provinz: Glashütte steht zweifelsohne für die größte Vielfalt deutscher Traditionsmarken. Auch auf der Suche nach funktionalen Divern erweist sich die ehemalige Bergbaustadt als hervorragende Adresse, wie Glashütte Original unter Beweis stellt. Im Jahr 1969 und damit relativ früh entschied sich die Traditionsmarke zu ihrem ersten Tauchgang, als Instrument diente die charakterstarke und bis heute legendäre Spezimatic Typ RP TS 200. 2019, zum fünfzigsten Jubiläum des Klassikers, erhielt er mit der SeaQ einen optisch beinahe identischen, aber technisch gänzlich modernisierten Nachfahren.

Wahlweise mit dem markentypischen Panoramadatum ausgestattet, soll die SeaQ in Sachen Qualität und Präzision neue Maßstäbe für deutsche Taucheruhren setzen.

Dennoch: Die maximalen Wassertiefen von 200 beziehungsweise 300 Metern wirken im Vergleich zu Sinns Zeitanzeigern eher bescheiden.

Den nautischen Charakter im Blut

Während die Taucheruhr für Glashütte Original keine herausragende Bedeutung besitzt, liegt sie einer anderen Manufaktur des Ortes nahezu in den Genen: Mühle Glashütte. Obwohl die Geschichte des Familienunternehmens bis ins Jahr 1869, also die Ära des Aufstiegs der Bergbau- zur renommierten Uhrmacherstadt zurückreicht, begann man erst 1996 mit der Fertigung hochwertiger Armbanduhren.

MUEHLE Glashuette ProMare Go in der Version M1-42-32-NB

Was zunächst nach einem kleinen Abstecher in die Welt der Zeitmessung oder gar niedriger Erfahrung klingt, entstand aus einem Zufall heraus: Nachdem eine Werft, Kunde des sächsischen Unternehmens, den Bau einer robusten Armbanduhr als Schiffsausrüstung anfragte, entscheid man sich kurzerhand für die Entwicklung eines solchen Modells.

MUEHLE Glashuette Rasmus 2000 in der Version M1-28-82-MB MUEHLE Glashuette Rasmus 2000 in der Version M1-28-83-KB

Basierend auf der jahrzehntelangen Erfahrung mit nautischen Instrumenten, zählen deutsche Taucheruhren von Mühle Glashütte heute zu den fortschrittlichsten des Landes und begeistern vor allem durch ihr faires Preis-Leistungsverhältnis. Während die bis 300 Meter wasserdichte ProMare Go einen sportlichen Einstieg in die Welt der Glashütter Nautik bietet, erreicht die Taucheruhr Rasmus 2000 eine atemberaubende Tiefe von 2.000 Metern.

Wer es betont dunkel mag, entscheidet sich für die moderne Sea-Timer BlackMotion: Beschichtet mit Titancarbid, vereint sie die Robustheit eines Divers mit dem eleganten Auftritt einer Dresswatch. Ganz im Gegenteil zur mächtigen Marinus: Der 44 mm große Gigant macht kein Geheimnis aus seiner Widerstandsfähigkeit und setzt auf eine fast schon überwältigende Präsenz.

Deutsche Taucheruhren – wegweisend und originell

Später Beginn, modernes Ende: Deutsche Taucheruhren markieren im 21. Jahrhundert eine der fortschrittlichsten Kategorien faszinierender Zeitanzeiger. Ihre innovativen Technologien, reichen Geschichten und charakterstarken Designs schaffen die perfekten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft und zeigen uns vor allem eins: Gute Diving-Kollektionen müssen nicht unbedingt aus der Schweiz stammen.

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