Christian Pfeiffer-Belli

« Erinnerungen an einen Uhrenfachmann der ersten Stunde »

Der einflussreiche Münchner Uhrenfachmann, -sammler und -autor Christian Pfeiffer-Belli ist am 9. Dezember 2021 verstorben. Berühmt geworden als Chefredakteur der Zeitschriften „Alte Uhren“ und „Klassik Uhren“, prägte er die Welt der Zeitanzeiger seit den 1970er-Jahren mit beispiellosem Wissen und über 50 Fachbüchern. Weggefährten beschreiben Pfeiffer-Belli als hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, der auf jede Uhrenfrage eine kompetente Antwort wusste.

Verbündete der Uhrenwelt: Pfeiffer-Belli und Gisbert L. Brunner

Bereits in den frühen Jahres seines Schaffens schnitt sich der Weg Pfeiffer-Bellis mit der Laufbahn Gisbert L. Brunners, dem heutzutage wohl prägendsten Uhrenjournalisten Deutschlands. Kennengelernt haben sich die beiden Koryphäen der chronometrischen Passion im Jahr 1978, als Brunner auf dem Münchner Kunst- und Antiquitätenmarkt Auer Dult eine Pendeluhr erwarb. Getrieben von dem Wissenshunger nach mehr Informationen über sein wertvolles Stück, wurde er über einen Freund auf Christian Pfeiffer-Belli aufmerksam, der sich selbst gern „CBP“ nannte und zu diesem Zeitpunkt ein neues Buch veröffentlichte – den „Klaus Erbrich Präzisionspendeluhren“ im Münchner Callwey Verlag. Man muss dazu wissen, dass es keine horologischen Konstruktionen gab, über die der Uhrenspezialist kein spektakuläres Wissen besaß. Kaum angerufen, stand er schon bei Brunner vor der Tür und zeigte großes Interesse an der Pendeluhr. Der Grundstein für eine außergewöhnliche Uhrenfreundschaft war gelegt.

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Wettstreit der Uhrensammler

Sitzt die Leidenschaft an der tickenden Mechanik tief, entwickelt sich jeder Uhrenliebhaber eines Tages zum Sammler. Brunner, ein studierter Jurist, war besonders fleißig und startete in den 1960er-Jahren eine Kollektion, die während der 70er auf über 800 Exemplare anwuchs. Das muss Christian Pfeiffer-Belli – selbst ein passionierter Uhrensammler – beeindruckt haben. Vor allem das Thema Armbanduhren schweißte die beiden zusammen und entfachte einen freundschaftlichen Wettstreit der Sammler. Dieser „Kampf“ wurde vielmehr miteinander statt gegeneinander ausgetragen; an einem Tag kauften die beiden Uhrenkenner zusammen einen halben Laden leer.

Asrmbanduhr-Kollektion
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„Klassik Uhren“: Das Meisterwerk Pfeiffer-Bellis

Auch war es Pfeiffer-Belli, der den Juristen Brunner mit seiner Überzeugungskraft dazu brachte, im Jahr 1981 dessen ersten Artikel über Armbanduhren zu schreiben. Die Arbeit erschien im Magazin „Alte Uhren“, einer 1978 von CPB ins Leben gerufenen Fachzeitschrift für historische Zeitanzeiger. Als Chefredakteur prägte der Uhrenkenner das Magazin, welches 1994 vom Ebner Verlag übernommen und in „Klassik Uhren“ umbenannt wurde, über 40 Jahre. Bis zu ihrer Einstellung im Jahr 2020 war die alle zwei Monate erscheinende Zeitschrift die einzige im deutschsprachigen Raum, die sich explizit auf ältere Zeitanzeiger fokussierte.

Junger Mann liest Magazin
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Heute sind die Hefte, in denen während ihrer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte immer wieder Artikel von Pfeiffer-Bellis Weggefährten Gisbert L. Brunner erschienen, Kult. Blättert man durch das Magazin, findet sich ein literarischer Schatz von CBP und ausgewählten Autoren, die in ihren Teilgebieten zu den Besten der Welt gehören. Marken, Modelle, Komplikationen – wer aus erster Hand über Zeitanzeiger lernen möchte und Informationen sucht, die es nicht auf jeder Internetseite gibt, sollte sich die eine oder andere „Klassik Uhren“ zulegen.

Buchprojekte für die Ewigkeit

Zusammen mit Brunner realisierte Christian Pfeiffer-Belli in einem Zeitraum von 40 Jahren dutzende bedeutende Buchprojekte. Vor allem das 1983 erstmals publizierte Werk „Armbanduhren“ (Callwey), das später mehrfach erweitert wurde, bescherte den befreundeten Kennern neben weiteren Büchern großen Erfolg. In jüngster Zeit gilt das über 500 Seiten umfassende „The Watch Book“ (teNeues Verlag) als eines der wichtigsten Uhrenbücher und wurde – wie die früheren Werke – von Brunner und Pfeiffer-Belli in vertrauter Arbeitsteilung kreiert: Brunner machte die Texte, CPB die Bilder. Gleiches gilt für das populäre Watch Book Rolex (teNeues), zu dem Pfeiffer-Belli wichtige Bilder beitrug. Darüber hinaus initiierte der kreative Uhrenfachmann bedeutsame Markenbücher über Patek Philippe und Audemars Piguet, wobei letzteres Werk eine besondere Geschichte besitzt.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver

Die Geschichte ereignet sich 1990 in Mumbai. CPB und Brunner, gerade auf der Suche nach neuen Informationen zum Audemars-Piguet-Buch, laufen über einen Friedhof und werden von einer Gruppe Männer mit Messern bedroht, ihr verstecktes Geld herauszurücken. Dem Duo gelingt die knappe Flucht. Zurück im Hotel, feiern sie ihr Glück mit Champagner und werden noch enger zusammengeschweißt.

Zentraler Kopf im Ebner Verlag

Zu erwähnen ist auch, dass Christian Pfeiffer-Belli neben dem „Klassik Uhren“ eine Reihe weiterer Magazine des Ebner-Verlags mit seinem Wissen versorgte. Neben „Chronos“ profitierte auch das „Uhren-Magazin“, dessen Herausgeber CPB über mehrere Jahre war, von der Fachkenntnis des Experten. In der Redaktion dieser Zeitschriften sowie des Online-Magazins watchtime.net war Pfeiffer-Belli äußerst beliebt und nutzte seine Erfahrung bis weit über das Rentenalter hinaus, um hilfsbedürftige Kollegen mit Bildern, Büchern und Manuskripten zu sämtlichen Themen zu versorgen. Ein Uhrenspezialist mit Herz und Hilfsbereitschaft, der trotz 20-jähriger Erkrankung noch im Alter von 80 Jahren seine ganze Energie in die horologische Passion steckte. CPB war kein gewöhnlicher Uhren-Autor; er hatte eine Mission: Unmengen an Fachwissen zu sammeln und es Enthusiasten in verständlicher Form zur Verfügung zu stellen.

Objektiv einer Kamera zeigt auf den Betrachter
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Ein Werk, das nicht vergeht

Dass der geschätzte Kenner am 9. Dezember 2021 im Alter von 81 Jahren starb, bestürzt die Uhrenwelt. Wohl kein Nachruf ist akkurat genug, um das Wirken und den Charakter Pfeiffer-Bellis angemessen wiederzugeben. Seine Werke hingegen schon: Mit jahrzehntelanger Arbeit hat der Ausnahmespezialist einen unvergänglichen und derartig reichen Fundus an Uhrenwissen in Magazinen und Büchern zusammengetragen, dass noch ganze Generationen von Enthusiasten und Autoren von ihm profitieren werden. Der Meister ist gegangen, sein Werk hingegen bleibt. Möge CPB der Uhrenwelt noch lange in Erinnerung bleiben.

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