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Breitling und die Fliegeruhren

« Die große Leidenschaft einer Marke »

Breitling und Fliegeruhren – das gehört für Uhrenliebhaber so eng zusammen wie Ferrari und Formel 1 für Motorsportfans. Die Geschichte dieser Verbindung reicht bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Damals schufen wegweisende technische Innovationen die Voraussetzungen dafür, dass die Aeronautik zur großen Leidenschaft der Uhrenmanufaktur wurde und dies bis heute geblieben ist. Und Fliegeruhren aus Kollektionen wie Navitimer, Chronoliner oder Montbrillant begeistern längst nicht mehr nur Piloten oder Navigatoren, sondern eine große und weiter wachsende Schar von Liebhabern hochwertiger mechanischer Uhren, die natürlich weit über diesen Personenkreis hinausreicht.

Der Weg zur perfekten Fliegeruhr

Léon Breitling, der im Jahr 1884 in Saint-Imier sein eigenes Uhrenunternehmen gegründet hatte, spezialisierte sich schon früh auf die Herstellung von präzisen technischen Zeitmessern und Zählern für Industrie, Sport und Wissenschaft. Der hohe Qualitätsanspruch und die ausgeprägte Innovationskraft verhalfen dem Unternehmen schnell zu einer anerkannten Marktstellung in diesem Segment.

So lag es nahe, dass Breitlings Produkte und sein Unternehmen sowohl die sich zunehmend etablierenden internationalen Sportwettkämpfe der Moderne als auch Automobilrennen und erste Meisterleistungen von Flugpionieren begleiteten.

Armbandchronographen

Ein Bereich, auf den sich die Ingenieure und Uhrmacher der Breitlingschen Manufaktur frühzeitig fokussierten, war die Entwicklung von Armbandchronographen. Mehrere Meilensteine in der Geschichte dieser Uhrengattung sind untrennbar mit dem Namen Breitling verbunden. 1915 sorgte das Unternehmen mit der Erfindung des ersten unabhängigen Chronographendrückers in der Fachwelt für Aufsehen.

1923 wurde das System durch die Trennung der Funktionen Start beziehungsweise Stopp und Nullstellung weiter perfektioniert. Zudem wurde es möglich, mehrere nacheinander gemessene Zeiten zu addieren, ohne den Zeiger zwischendurch jeweils wieder auf Null stellen zu müssen.

Das erwies sich nicht nur bei sportlichen Wettkämpfen, sondern auch bei der Erfassung von Flugzeiten als hilfreich.

Mit der Einführung des zweiten unabhängigen Drückers für die Nullstellung im Jahr 1934 wurde schließlich eine Lösung geschaffen, die sich bis heute bewährt und das „Gesicht“ des größten Teils der modernen Armbandchronographen prägt.

Chronographen-Automatik und weitere Fliegeruhren-Meilensteine

Die führende Position im Chronographensegment, die sich die heute in Grenchen ansässige Manufaktur damit erarbeitet hatte, wurde 1969 mit der Präsentation des ersten Chronographenwerkes mit automatischem Aufzug einmal mehr untermauert.

In den 1980er Jahren leisteten die Grenchener einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der sogenannten Quarzkrise und zur Repositionierung der Schweizer Uhrenindustrie an den internationalen Märkten. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Neuauflage des Modells Chronomat im Jahr 1984, das heute als Breitlings Hauptprodukt gilt und entscheidenden Anteil am Revival mechanischer Chronographen hat.

Breitling Chronomat 44 Raven

Neben diesem Klassiker führt die Manufaktur noch eine Reihe von Weiterentwicklungen wie beispielsweise die Chronomat Airborne, die Chronomat Raven oder die Chronomat GMT im Sortiment.

Woher kommt Breitlings Liebe zur Fliegeruhr

Breitlings enge Verbindung zur Luftfahrt ist spätestens seit dem Jahr 1936 dokumentiert. Seit diesem Jahr fungierte die Schweizer Uhrenmanufaktur aus dem Berner Jura als Lieferantin von Borduhren für Flugzeuge der Royal Airforce.

Etwas später, im Jahr 1942, kam Breitlings Chronomat auf den Markt. Dabei handelte es sich um einen Chronographen mit Handaufzug, der mit einer speziellen Rechenschieberfunktion ausgestattet war und von den U.S. Army Air Forces offiziell eingeführt wurde.

Breitling Chronomat 44 GMT Kollektion

Die Verbindung von Armbanduhr und Rechenschieber war für Piloten eine sinnvolle und praktische Lösung, weil sie auf diese Weise auch während des Fluges stets ein Hilfsmittel zur schnellen und unkomplizierten Durchführung wichtiger Berechnungen zur Hand hatten, das nicht extra mitgeführt werden musste und deutlich weniger Platz einnahm als ein herkömmlicher Rechenschieber.

Auf Chronomat folgt der Navitimer

Rund zehn Jahre nach der Einführung des Modells Chronomat konnten die Konstrukteure von Breitling erneut Maßstäbe im Segment der Fliegeruhren setzen, als sie das Modell Navitimer auf den Markt brachten. Bei den Fliegeruhren dieses Namens ist die Lünette noch etwas komplexer gestaltet und erlaubt auch kompliziertere Berechnungen. So ist sie beispielsweise hilfreich, wenn es darum geht, Durchschnittsgeschwindigkeiten, Steig- beziehungsweise Sinkflugraten oder den Treibstoffverbrauch zu ermitteln.

Breitling Montbrillant 01 Kollektion

Mit den Modellen Breitling Navitimer und Montbrillant hat das Label bis heute zwei Fliegeruhren mit dieser speziellen Funktion im Angebot. Dass die Marke nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch bei zivilen Berufs- und Hobbypiloten immer mehr an Ansehen gewann, verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass die Breitling Navitimer Im Jahr 1952 von der AOPA offiziell als Pilotenuhr empfohlen wurde. Und als der Astronaut Scott Carpenter im Mai 1962 mit der Aurora 7 dreimal die Erde umrundete, trug er ebenfalls eine Breitling Navitimer an seinem Handgelenk.

Das Modell Navitimer Cosmonaute verfügte über eine zusätzliche 24-Stunden-Anzeige. Eine solche Funktion, die Piloten bei langen Interkontinentalflügen und Vielreisende ebenfalls zu schätzen wissen, findet sich außer bei der Cosmonaute zudem bei verschiedenen anderen Breitling-Modellen wie der Chronoliner, der Chronomat 44 GMT oder der Transocean Chronograph GMT.

Unternehmer und Pilot: Ernest Schneider führt die Marke zu neuen Erfolgen

Die Führung des Unternehmens lag in all diesen Jahren in den Händen von Willy Breitling, der die Firma 1932 übernommen hatte und in dritter Generation führte, nachdem sein Vater Gaston bereits 1927 verstorben war. Als der Enkel des Unternehmensgründers im Jahr 1979 aufgrund seines Gesundheitszustandes einen Nachfolger suchte, fand er diesen in Ernest Schneider und konnte ihm wenige Wochen vor seinem Tod die Verantwortung für das Unternehmen übertragen. Diese Nachfolgeregelung sicherte nicht nur den Fortbestand einer der renommiertesten Schweizer Uhrenmanufakturen, sondern sorgte zugleich für Kontinuität im Hinblick auf die enge Verbindung des Unternehmens zur Aviatik.

Schneider hatte nach einem technischen Studium zunächst eine erfolgreiche militärische Laufbahn eingeschlagen.

1959 erreichte er den Dienstgrad eines Majors und erhielt das Kommando über ein Schützenbataillon, bevor er wenig später in den Generalstab der 10. Festungsbrigade berufen wurde. Wenig später beendete er jedoch seine militärische Karriere, um nach dem Tode seines Schwiegervaters dessen Uhrenfabrik Sicura in Grenchen zu übernehmen. Da er somit einerseits über mehrjährige Erfahrungen in der Führung eines Uhrenunternehmens verfügte und andererseits selbst Pilot war, schien er geradezu prädestiniert, die Nachfolge Breitlings anzutreten und dessen Marken- und Namensrechte zu erwerben.

Umzug nach Grenchen

Er verlegte die Fertigung nach von La Chaux-de-Fonds nach Grenchen, wo schließlich 1982 die Breitling Montres S.A. ihre Produktionstätigkeit aufnahm. Obwohl zu dieser Zeit die Quarzuhren ihre mechanischen Pendants immer mehr zu verdrängen schienen, war Schneider fest von der Zukunft mechanischer Uhren überzeugt und entwickelte die Marke Breitling entsprechend dieser Überzeugung konsequent weiter. Dabei festigte er zugleich die Beziehungen des Unternehmens zur Luftfahrt, die sich bis heute sowohl in Sponsoring-Aktivitäten als auch in der Modellpalette der Marke widerspiegeln.

Breitling Chronomat 44 Airborne Kollektion

Breitling-Klassiker wie die Chronomat Airborne gehören ebenso dazu wie die Modelle Chronoliner, Navitimer oder Montbrillant. Allerdings beschränkte sich Schneider nicht allein darauf, klassische mechanische Fliegeruhren zu produzieren, sondern setzte auch auf die Verbindung von Mechanik und Elektronik sowie auf neue, für Piloten relevante Funktionen. So mag die Rechenschieberfunktion der Navitimer oder der Montbrillant zwar ein liebgewonnenes nostalgisches Detail sein, hat aber im Computerzeitalter allenfalls noch als Backup-Instrument eine gewisse Relevanz.

Breitling Aerospace Evo Kollektion

Die auf dem 1985 kreierten Modell Aerospace basierenden Fliegeruhren der Modellreihe Emergency dagegen bieten mit einem weithin ortbaren Notrufsignal auf der für den internationalen Flugverkehr vorgesehenen Frequenz von 121,5 MHz durchaus eine Funktion, die für Piloten unter modernen Bedingungen einen Zusatznutzen bietet.

Fliegeruhren der Serien Chronoliner, Montbrillant oder Navitimer

Breitlings Rolle als einer der führenden Anbieter von Fliegeruhren ist auch im 21. Jahrhundert nicht infrage gestellt. Wenngleich hochwertige mechanische Fliegeruhren inzwischen eher einen ideellen und ästhetischen als einen praktischen Wert haben, erfreuen sie sich doch ungebrochener Beliebtheit – nicht nur bei Piloten. Mechanische Chronographenmodelle mit Aviatik-Bezug wie die Chronoliner, die Montbrillant oder die Navitimer finden auch im Hightech-Zeitalter nach wie vor ihre Käufer.

Um die Beziehungen zu seinen treuen Kundenzielgruppen zu pflegen und auszubauen, sponsert die Uhrenmanufaktur mit dem geschweiften B im Logo nach wie vor verschiedene Aktivitäten im Bereich der Luftfahrt.

Breitling Navitimer 01 46 Kollektion

Darunter zum Beispiel die erste erfolgreiche Erdumrundung mit einem Ballon durch Brian Jones und Bertrand Piccard im Jahr 1999 und die letzte Super Constellation der Welt, die noch für Passagierflüge zugelassen ist und ihre Heimatbasis auf dem Flughafen Basel hat.

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