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Bildquelle: Baselworld

Baselworld 2019

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Bis zur Baselworld 2019 sind es zwar noch einige Monate, doch schon jetzt steht fest, dass es bei der nächsten Uhrenmesse in Basel einige gravierende Veränderungen gegenüber den vorangegangenen Jahren geben wird. Namhafte Aussteller haben angekündigt, dass sie dieses Mal nicht mehr dabei sein werden. In diesem Beitrag verraten wir unseren Leserinnen und Lesern, welche Marken dies betrifft, was die Gründe dafür sind und was auf der Baselworld 2019 sonst noch anders sein wird als bisher.

Seit dem „100.“ im Krisenmodus – Baselworld kämpft mit Abwanderungstendenzen

Über viele Jahrzehnte hinweg war die seit 2003 als Baselworld firmierende Uhren- und Schmuckmesse in Basel eine der weltweit führenden Messen der Branche – wenn nicht gar die globale Leitmesse für hochwertige Uhren schlechthin. Die Zahl der Aussteller wuchs lange Zeit ebenso wie die der Messebesucher. 2008 kamen insgesamt 106.800 Besucher aus 100 Ländern, um die Stände und Exponate von 2.087 Ausstellern zu sehen. Anlässlich der Baselworld 2013 konnte die Messe nach fast sechsjähriger Bauzeit einen modernen Neubau des Architekturbüros Herzog & de Meuron beziehen und 2015 waren es bereits rund 150.000 Besucher aus mehr als 100 Ländern, allerdings nur noch 1.500 Aussteller.

2016 lag die Besucherzahl mit rund 145.000 Personen geringfügig niedriger, während die Zahl der Aussteller etwa konstant blieb. 2017 konnte die Baseler Uhrenmesse, die 1917 erstmals im Rahmen der Basler Mustermesse stattgefunden hatte, zwar ihren 100. Geburtstag feiern, musste aber bereits einen deutlichen Rückgang der Besucher- und Ausstellerzahl hinnehmen. Das Interesse der Fachpresse war zwar nach wie vor enorm und es hatten sich rund 4.400 Medienvertreter aus mehr als 70 Ländern akkreditieren lassen. Die Zahl der Aussteller lag mit rund 1.300 allerdings deutlich niedriger als in den vorangegangenen Jahren, und die Zahl der Fachbesucher ging um vier Prozent auf 106.000 Personen zurück. Zur Gesamtzahl der Messebesucher wurden in diesem Jahr keine Angaben veröffentlicht. Dass die Messe offensichtlich mit Abwanderungstendenzen zu kämpfen hatte, lag dennoch auf der Hand.

Bestätigt wurde dies nicht zuletzt durch die Entscheidung der Messeleitung, die Dauer der Baselworld im Jahr 2018 um zwei Tage zu verkürzen. Dass dies Entscheidung keineswegs voreilig war, zeigte sich spätestens bei der Bekanntgabe der Ausstellerzahl des Jahres 2018, die mit 650 Firmen nur noch halb so hoch war wie 2017. Parallel dazu gaben im Laufe des Jahres mehrere renommierte Uhrenhersteller bekannt, ihre Produkte 2019 nicht mehr in Basel präsentieren zu wollen. So steht zum Jahresende 2018 zwar bereits fest, dass die Baselworld 2019 vom 21. bis zum 26. März 2019 stattfinden soll, doch was die Besucher dann vor Ort in Basel erwarten wird, ist bislang nur schwer abschätzbar.

Abgang mit Sogwirkung: die Swatch Group verlässt die Baselworld

Mehrere renommierte Uhrenmarken, die 2018 nicht in Basel dabei waren, hatten sich stattdessen für einen Auftritt auf der zweiten großen Schweizer Uhrenmesse, dem Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf, entschieden. Zu dieser Gruppe gehörten so klangvolle Namen des Luxusuhrenmarktes wie Girard-Perregaux, Hermès und Ulysse Nardin.

Der wohl mit Abstand schmerzhafteste Verlust für die Messe dürfte aber wohl die im Sommer 2018 bekannt gegebene Entscheidung der Swatch Group gewesen sein, 2019 nicht mehr in Basel auszustellen.

Deren Name wird zwar in der breiten Öffentlichkeit überwiegend mit preisgünstigen und modischen Schweizer Uhren in Verbindung gebracht, doch Uhrenkennern ist die Marke längst auch als Konzernmutter von zahlreichen anderen prestigeträchtigen Schweizer Luxusuhrenlabels ein Begriff. So bilden die für den Konzern namensgebenden Swatchuhren zusammen mit Flik Flak das Basissegment der Gruppe, während diese in den höheren Preissegmenten jeweils mit mehreren anderen Marken vertreten ist. Unter diesen sind etwa Balmain, Blancpain, Breguet, Calvin Klein, Certina, Glashütte Original, Hamilton, Longines, Mido, Omega, Rado, Tissot und Union Glashütte, um nur eine Auswahl der bekanntesten Marken des Konzerns zu nennen. Konzernchef Hayek hatte seine Entscheidung gegen die Baselworld mit dem Argument begründet, traditionelle Uhrenmessen seien für seine Unternehmensgruppe nicht mehr sinnvoll.

Was für einen dramatischen Einschnitt dies für die Baseler Messe bedeutet, lässt sich etwa daran ermessen, dass mit dem Wegbleiben der Swatch Group nicht ein Umsatzausfall von rund 50 Millionen Schweizer Franken verbunden ist, sondern zudem auch etwa ein Viertel der bisherigen Ausstellungsfläche seine angestammten Aussteller verliert. Zudem äußerten Branchenkenner nach dem Bekanntwerden von Swatchs Rückzug die Vermutung, dass nun auch deutlich weniger Händler die Messe besuchen würden und andere Uhrenhersteller künftig ebenfalls auf eine Präsenz in Basel verzichten könnten.

Raymond Weil folgt dem Beispiel Swatch – und was bedeutet dieser Trend für die Besucher?

Bestätigt wurden derartige Vermutungen spätestens im September 2018, als mit Raymond Weil in weiterer namhafter Uhrenhersteller, der bereits seit 40 Jahren an der Messe teilgenommen hatte, verkündete, auf der Baselworld 2019 nicht mehr ausstellen zu wollen. Unternehmenschef Elie Bernheim äußerte in diesem Zusammenhang, er habe bereits länger darüber nachgedacht und spätestens die Entscheidung der Swatch Group dürfte ihn in seinem Entschluss maßgeblich bestärkt haben.

Für die verbleibenden Aussteller und für Messebesucher könnte diese Entwicklung allerdings auch eine gute Seite haben.

Sie bekommen dann in Basel zwar nicht mehr das Neueste von Blancpain, Breguet, Certina, Glashütte Original, Hamilton, Longines, Mido, Omega, Rado, Tissot oder Union Glashütte zu sehen, dürften dafür aber auf der Baselworld 2019 mit deutlich attraktiveren Konditionen umworben werden.