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Tudor Royal

« Die neue Uhrenlinie der Rolex-Schwester »

Mit der neuen Tudor Royal lanciert die Genfer Luxusmarke eine preisgünstige Alternative zu den Rolex-Uhren Datejust und Day-Date. In vier Größen von 28 bis 41 Millimetern erhältlich, umfasst die breite Herren- wie Damenkollektion neben reinen Edelstahl- auch Bicolor-Varianten und schöpft ihre Kraft aus Automatikwerken von ETA und Sellita. Wir haben uns Tudors Newcomer näher angesehen und erklären, warum die Royal zu den spannendsten Dresswatches ihrer Preisklasse gehört.

Royal: Rückkehr eines bekannten Namens

Zugegeben, eine gänzliche Neuheit ist die sportlich-elegante Linie nicht mehr. Denn bereits im Juli 2020 präsentierte Tudor die royalen Zeitanzeiger auf dem asiatischen Markt, während die restliche Welt noch bis zum Herbst warten musste. Von Betagtheit kann bei der Modellreihe – im Gegensatz zu ihrem Namen – jedoch keine Rede sein. Letzterer erinnert an die 1950er, als Rolex-Gründer Hans Wilsdorf mit der Oyster Prince eine erschwinglichere Alternative zu den Editionen der Muttermarke herausbrachte und 26 der ersten Exemplare an die Grönland-Expedition der britischen Royal Navy auslieferte. Ob die Bezeichnung der königlichen Streitkräfte als Vorlage für die anschließend lancierten Royal Modelle diente, wissen wir nicht. Fest steht allerdings, dass Editionen wie die Damen-Referenz 8533 von 1961 als Blaupause für die 2020er-Serie dienten: Weiche Linien, markante Tonneau-Gehäuse und aufs Wesentliche fokussierte Zifferblätter bauen eine Brücke zwischen Alt und Neu.

Sportliche Eleganz mit gekerbter Lünette

Ein anderes Merkmal sticht uns bei der frischen Tudor Royal jedoch zuerst ins Auge: Ihre gekerbte Lünette. Das abwechselnde Muster aus geriffelten und polierten Oberflächen erzeugt nicht nur einen hochwertigen Eindruck, sondern hebt die Genfer Familie auch spürbar von ihren Rolex-Verwandten Datejust und Day-Date ab. Diese (dringend benötigte) Eigenständigkeit wird durch zwei weitere Auffälligkeiten verstärkt: Einerseits das kissenförmige Gehäuse im Stil der Siebziger. Zweitens das integrierte und fünfreihige Metallband mit Sicherheitsfaltschließe. Beide Komponenten gehen fließend ineinander über und liefern eine gute Begründung dafür, warum die Royal in der Sport Kollektion und nicht etwa in der Tudor Klassik Reihe gelistet ist. Trotz der sportlichen Züge finden wir aber, dass die eleganten Aspekte der neuen Modellreihe überwiegen und eine Kategorisierung als Dresswatch ebenfalls plausibel machen.

Vier Größen, fünf Zifferblattfarben: Eine große Familie

Über 50 Varianten der umfangreichen Serie stehen zur Wahl, beginnend bei den 28 und 34 Millimeter schlanken Damenmodellen. Genau wie die mächtigeren Editionen mit 38 und 41 Millimetern Durchmesser, erreichen sie dank verschraubter Krone eine Wassertiefe von bis zu 100 Metern und vermitteln einen extrem robusten wie hochwertigen Eindruck. Alle Größen können entweder in reinem Edelstahl oder einer Kombination aus Edelstahl und 18-karätigem Gelbgold bestellt werden. Letztere wirkt aufgrund der satinierten Elemente deutlich bodenständiger als erwartet, sticht in einer Welt voller Rot- und Roségold aber trotzdem aus der Masse hervor. Ein gemäßigter Exot also, die zweifarbige Royal.

Eine zweite Variable zur Justierung der Auffälligkeit markiert die Zifferblattfarbe. Während Champagner eine extrovertierte Note besitzt, zeigen sich Schwarz und Silber deutlich klassischer. Als vierte, für unseren Geschmack attraktivste Option kommt Dunkelblau hinzu, das genau wie die bisher genannten Töne über einen Sonnenschliff verfügt. Dieser kann nur im Falle der beiden kleinsten Gehäusegrößen durch eine fünfte Alternative, nämlich weißes Perlmutt mit Brillantbesatz, ersetzt werden. Wer seiner Royal ein Höchstmaß an weiblichem Charme verleihen möchte, könnte keine bessere Entscheidung treffen.

Day-Date nur für die 41-Millimeter-Version

Lenken wir unsere Konzentration von der Farbe auf die Struktur des Zifferblatts, so wird die Rolex-Verwandtschaft der Tudor Royal unübersehbar: Nicht nur die applizierten römischen Ziffern, sondern auch die balkenförmigen Stunden- und Minutenzeiger sehen der Datejust ähnlich. Unterschiede gibt es bei der Datumsanzeige, welche erstens auf eine Lupe verzichtet und zweitens eine friedliche Koexistenz mit der römischen Drei-Uhr-Markierung erlaubt, statt diese zu verdrängen. Die Tatsache, dass jeder Royal eine weiße Datumsscheibe verpasst wurde, ist Geschmackssache – wir persönlich hätten uns insbesondere bei den schwarzen und blauen Zifferblättern eine farbliche Anpassung gewünscht.

Mehr Komplikationen gehen nur mit der 41 Millimeter großen Herrenvariante einher. Sie erweitert das Datum um eine Wochentagsanzeige auf zwölf Uhr, welche ganz im Stile der Rolex Day-Date auf Abkürzungen verzichtet und eine exzellente Lesbarkeit besitzt. Auch hier fällt der starke Kontrast zwischen weißer Drehscheibe und dunklen Zifferblättern ins Auge, welcher vielen Enthusiasten ein Dorn im Auge sein dürfte. Unterm Strich ist die Integration des Fensters aber gut gelungen. Denkt man über mögliche Erweiterungen der Royal Kollektion in der Zukunft nach, erscheint eine Übernahme des Wochentags in die 38-Millimeter-Version der Tudor Uhr gut denkbar.

  Tudor Style 28mm       Tudor 1926

Zugekaufte Uhrwerke drücken den Preis

Unter den soliden Gehäuseböden aller Editionen schlummern entgegen des fortwährenden Trends bei Tudor keine Manufakturwerke, sondern automatische Antriebe der Großserienhersteller ETA und Sellita. Bei der 41-Millimeter-Variante ist es das Sellita-basierte T603, während die beiden mittleren Größen auf das verwandte T601 zurückgreifen und die 28-Millimeter-Damenuhr vom ETA-Derivat T201 befeuert wird. Alle drei Werke legen eine wenig beeindruckende Gangreserve von 38 Stunden an den Tag und werfen die Frage auf, warum die Schweizer Luxusmarke im Gegensatz zu anderen Reihen wie der Black Bay 58 auf ein hauseigenes Kaliber verzichtet hat.

   Tudor Black Bay GMT      Tudor Black Bay

Die Antwort liegt nicht fern und heißt Kostenreduktion. Nur mittels zugekaufter Antriebe ist es möglich, Rolex-Qualitätsstandards bei den Gehäusen mit erheblich günstigeren Kaufpreisen im Vergleich zur Schwestermarke zu verbinden. Verlockend sind die Konditionen allemal: Das Spektrum der Herstellerpreise reicht von 1.960 Euro für die kleinste Version mit Edelstahl bis 3.620 Euro für die 41 Millimeter großen Bicolor-Editionen. Besonders hoher Nachfrage dürften sich die reinen Edelstahlmodelle der größten Ausführung erfreuen, welche mit moderaten 2.100 Euro zu Buche schlagen. Damit bietet die Royal ein beinahe unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis in einer Liga, die gemeinhin der Mittel- und nicht etwa Luxusklasse zugeschrieben wird. Deshalb sind wir überzeugt, dass die sportliche Eleganz aus Genf zum vollen Erfolg wird.

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