© Spectral-Design – stock.adobe.com

Tag Heuer Autavia Isograph

Präziser, moderner, robuster: Anfang 2019 präsentierte Tag Heuer erstmals eine Spiralfeder aus Carbon-Verbundwerkstoff und markierte damit eine innovative Neuerung gegenüber bisherigen Automatikwerken. Jetzt feiert die aufwendige Technologie in der Autavia Isograph ihre Serienreife und liefert dem COSC-zertifizierten Calibre 5 eine robuste Mischung aus Magnetschutz und Bruchfestigkeit. Aber auch optisch distanziert sich die Isograph von der bisherigen Modellfamilie.

Exklusiv und teuer: Das Debüt der Carbon-Spirale

Die Geburtsstunde der fortschrittlichen Entwicklung schlug in den hauseigenen Laboren der Schweizer Marke. Als wäre die gewöhnliche Komplexität der hauchdünnen Spiralfeder nicht genug, begann man hier vor wenigen Jahren mit ihrer konsequenten Verbesserung.

Noch präziser, noch stabiler als die ebenfalls modernen Silizium-Spiralen sollte das Ergebnis sein. Auf den vielversprechenden Namen CNTMC (Carbon Nano Tubes Matrix Composite) getauft, erblickte es im Rahmen des SIHH 2019 das Licht der Welt. Doch die Innovationskraft aus La Chaux-de-Fonds hatte ihren Preis: Ganze 23.200 Euro waren für den Carrera Calibre Heuer 02T Tourbillon Chronograph mit der neuen Spirale fällig.

Die Kunst liegt in der Fertigung

Für das stolze Preisschild des Carrera-Überfliegers waren aber nicht nur sein Tourbillon und die skelettierte Titanbauweise, sondern auch die komplexe Herstellung der CNTMC-Unruhspirale verantwortlich.

Sie entsteht, indem winzige Kohlenstoffnanoröhrchen aus Graphen mit zusätzlichen Kohlenstoffatomen angereichert werden. Bildlich gesprochen, werden dabei die natürlichen Löcher in der Gitterstruktur des Carbons aufgefüllt – das Ergebnis ist ein deutlich festerer Verbund als zuvor.

Tag Heuer Autavia Isograph Automatik 42mm in der Version WBE5110-FC8266 Tag Heuer Autavia Isograph Automatik 42mm in der Version WBE5112-FC8266

Die dadurch weitestgehend reißfesten Röhrchen werden anschließend zur Spirale geformt, welche in das Schwing- und Hemmungssystem des Uhrwerks integriert werden kann. Neben der hohen Stabilität zählt ein starker Magnetschutz zu den wesentlichen Vorteilen der Technologie. Letztendlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das System in erschwinglichere Regionen vordringen würde.

Den entscheidenden Schritt markierte die Autavia Isograph nur zwei Monate später auf der Baselworld: Mit einem Herstellerpreis von 3.250 Euro verleiht sie der Graphen-Spirale einen massentauglichen Charakter und punktet mit zusätzlichen Vorzügen wie etwa einer Wasserdichtigkeit bis 100 Meter oder der begehrten Chronometer-Zertifizierung.

Calibre 5: Ein stabiler Rahmen

Angesichts des bewährten Innenlebens der Isograph verwundert diese Auszeichnung allerdings kaum: Auf dem Sellita SW 200 oder dem fast baugleichen ETA 2824-A2 basierend, genießt das automatische Kaliber 5 in der Fachwelt einen nahezu unzerstörbaren Ruf. Zwar geht der robuste Charakter mit einer relativ dicken Kaliberhöhe von 4,6 Millimetern einher, doch im Gegenzug wird der Besitzer mit einer stets verlässlichen Kraftgewinnung des Kugellagerrotors belohnt. Die Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde ist stattlich, steht damit aber im Gegensatz zur bescheidenen Gangreserve von 38 Stunden.

Eigenständiges Design: Distanz zum Autavia Chronograph

Diesen Wermutstropfen kompensiert die Isograph durch eine kraftvolle Optik und überzeugende Haptik. Dabei setzt das Design auf maximale Unabhängigkeit innerhalb der Autavia-Familie: Arabische Ziffern, eine schmalere Lünette mit Minuten- statt Stundenbeschriftungen und anders geformte Zeiger schaffen eine deutliche Grenze zum 2017 lancierten Chronographen. Zwar sticht die Datumsanzeige bei sechs Uhr als Gemeinsamkeit der Modelle hervor, doch die Verwendung des modernen Tag Heuer-Logos anstelle des historischen „Heuer“-Emblems bei der Autavia Isograph markiert eine weitere Differenz.

Tag Heuer Autavia Isograph Automatik 42mm in der Version WBE5110-EB0173 Tag Heuer Autavia Isograph Automatik 42mm in der Version WBE5112-EB0173

Ein Blick aufs Gehäuse des Zeitanzeigers rückt vor allem seine Krone in den Vordergrund: Während ihre mächtige Größe wie eine Einladung zur Bedienung wirkt, erinnert die mittige Rille an die historischen Heuer-Borduhren aus den 1930er-Jahren. Auch sonst zeugt die 42 Millimeter große Hülle von reicher Erfahrung, wie an der soliden Haptik aller Details deutlich wird. Die Autavia Isograph fühlt sich einfach gut an. Für Enthusiasten dürfte aber nicht nur das Gehäuse, sondern auch der Name des Meisterstücks für Emotionen sorgen.

Rennsport und Aviatik vereint – seit 1962

Denn die Bezeichnung steht seit über 50 Jahren für eine Symbiose aus AUTomobilsport und AVIAtik. Im Grunde geht der Name bis ins Jahr 1933 zurück, doch der große Durchbruch gelang der Schweizer Marke erst 1962 mit dem berühmten Chronographen. Ausgestattet mit Valjoux-Handaufzugswerk und hervorstechend durch seine kontrastierten Totalisatoren, bildet er gewissermaßen das Urmodell zur modernen Isograph. Vor allem die Jo Siffert-Edition von 1969, benannt nach dem legendären Schweizer Rennfahrer, verhalf der Kollektion zu ihrer heutigen Popularität.

An ihre historische Bedeutung erinnert eine harmonische Gravur auf der Unterseite der Autavia Isograph: Während der mittige Propeller für die Flugwelt steht, wird die automobile Komponente durch einen Reifen repräsentiert. Mit der Wahl des Armbands lässt sich die Ausstrahlung des Zeitanzeigers übrigens sehr erfolgreich beeinflussen: Während braunes Kalbsleder eine klare Verbindung zur originalen Edition von 1962 schafft, geht massiver Edelstahl mit einer sichtbar moderneren Ausstrahlung einher.

Ist die Isograph ihren Aufpreis wert?

Wer sich für den Kauf einer Autavia Isograph interessiert, steht vor der Qual der Wahl. Denn ein Verzicht auf die Carbon-Spiralfeder in Form der regulären Autavia Automatik 42 mm (Kostenpunkt: 2.750 Euro) bringt eine Ersparnis von 500 Euro. Ist das innovative Bauteil den Mehrpreis wert? Es kommt ganz darauf an.

Tag Heuer Autavia Isograph Automatik 42mm in der Version WBE5111-FC8267

Wer auf der Suche nach einem charakterstarken Begleiter für den Alltag ist und das Gesamtpaket der Kollektion schätzt, macht mit der günstigeren Alternative keinen Fehler. Technikbegeisterte hingegen sollten über die Autavia Isograph nachdenken: Ihr fortschrittliches Schwingsystem ist in dieser Preisklasse einzigartig und hebt den Zeitanzeiger sehr erfolgreich von der Masse ab. Wie so oft in der edlen Uhrenwelt, dürfte die letzte Entscheidung aber das Herz treffen.

überprüfen Sie auch

Business Mann mit Quarzuhren für Herren

Die luxuriösesten Quarzuhren für Herren

« Die Uhrinstinkt Top 5 » Seit den frühen 70ern feiert die Quarztechnologie eine beispiellose …

Premium-Quarzuhren für Damen

« Die Uhrinstinkt Top 5 » Ihre Flachheit ist Weltklasse, ihre Präzision unschlagbar: Quarzuhren für …

Tissot PRX

« Kompromissloser Klassiker lässt den Charme von 1978 neu aufleben » Selten erregte ein Newcomer …