© ra2 studio / Fotolia.com

Sind Smartwatches die Luxusuhren der Zukunft

Smartwatches sind zweifellos stark im Kommen. Wurden sie anfangs vor allem Smartphone-Anbietern und anderen Elektronikherstellern auf den Markt gebracht, so sind sie heute immer häufiger auch in den Sortimenten von Uhrenherstellern zu finden. Doch wie positionieren sich die stark auf mechanische Uhren fokussierten Luxusuhrenhersteller in diesem Marktumfeld? Und ist die Luxusuhr von morgen womöglich sogar eine Smartwatch?

Luxusuhren und Smartwatches: zwei Welten mit Gemeinsamkeiten

Zugegeben, der Versuch, einem überzeugten und langjährigen Liebhaber mechanischer Uhren den besonderen Reiz einer Smartwatch zu vermitteln, hat auf den ersten Blick sicher wenig Aussicht auf Erfolg. Und umgekehrt dürfte jemand, der sich für mehrere hundert Euro einen kleinen Supercomputer ans Handgelenk bindet, nicht leicht von der Sinnhaftigkeit des Kaufs einer mechanischen Uhr für Tausende Euro zu überzeugen sein, wenn diese trotz Chronometerzertifikat noch nicht einmal dieselbe Genauigkeit erreicht. Auf den zweiten Blick allerdings scheint dieses Unterfangen gar nicht mehr so aussichtslos, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es zwischen diesen beiden so verschiedenen Welten durchaus eine Reihe von Gemeinsamkeiten gibt.

hublot-big-bang-referee-2018-fifa-world-cup-russia-49mm-limited-editionDa ist zum einen die Lifestyle-Komponente. Eine hochwertige Luxusuhr ist niemals nur ein beliebiger Gebrauchsgegenstand, sondern immer auch Ausdruck einer bestimmten Lebensart. Und in gewisser Weise gilt dies auch für die Smartwatch, wenngleich diese allmählich den exklusiven Charakter der ersten Modellreihen verloren hat und mehr und mehr zum Massenartikel wird. Auch hinsichtlich ihrer hohen Qualitätsansprüche sind die Träger von Smartwatches denen von Luxusuhren möglicherweise ähnlicher als sie es selbst voneinander glauben. Und last, but not least, verbindet sich mit hochwertigen Smartwatches ebenso ein gewisses Prestige wie mit einer edlen Luxusuhr. Fakt ist zudem, dass es längst einige renommierte Luxusuhrenhersteller gibt, die ganz selbstverständlich auch die eine oder andere Smartwatch anbieten.

Die Hublot Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia

Ein besonders spektakuläres Beispiel dafür aus jüngster Zeit ist die Hublot Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia. Mit diesem limitierten Sondermodell hat die für ihre ungewöhnlichen und markanten Uhrendesigns bekannte Manufaktur einen bemerkenswerten Brückenschlag zwischen dem Smartwatch- und dem Luxusuhren-Segment vollzogen. Dass das Modell den Schiedsrichtern der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland gewidmet ist, setzt das inzwischen schon seit einigen Jahren zu beobachtende Engagement dieser Marke als Partner und offizieller Zeitnehmer bei großen internationalen Fußballturnieren fort.

Vor der WM 2018 war Hublot unter anderem schon bei der WM 2014 in Brasilien und bei der Europameisterschaft 2016 in dieser Funktion tätig.

Das Gehäuse der Hublot Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia besteht aus satiniertem Titan und auf der Lünette sind einmal mehr die bereits von ihren mechanischen Schwestermodellen bekannten sechs Schrauben. Der Durchmesser dieser Smartwatch liegt bei stattlichen 49 Millimetern, was eine für die problemlose Bedienung ausreichende Größe des Touchscreens erlaubt.

Üppiger Funktionsumfang und reichlich Individualisierungsmöglichkeiten

Zur Ausstattung dieses mit „Uhr“ nur unzureichend beschriebenen Instruments gehören neben diversen Funktionen zur Zeitanzeige und -Messung ein Beschleunigungsmesser, ein Gyroskop, ein Neigungsdetektor, ein Mikrofon, eine Vibrationsfunktion sowie GPS. Zudem gibt es fußballspezifische Features wie Benachrichtigungen zu Spielständen, Statistiken, Namen von Torschützen und dergleichen mehr. Bei der Wahl des Hintergrundes können sich die Besitzer einer Hublot Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia für die Flagge eines der 32 WM-Teilnehmerländer oder für die Optik des ersten markeneigenen Manufakturwerkes entscheiden. Eine weitere Besonderheit ist das Manschettenarmband aus Frottee, das jeweils zusätzlich zu dem klassisch schwarzen Kautschukband mitgeliefert wird und mit dem Herstellerlogo sowie dem offiziellen Logo der WM versehen ist.

Neben den genannten Funktionen lässt sich die Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia natürlich noch mit unzähligen Apps an die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten ihres Trägers anpassen. Sie kann leicht mit einem Android- oder iOS-Smartphone synchronisiert werden, eignet sich für das kabellose Aufladen und besitzt ein brillantes AMOLED-Display.

Gefuelltes Stadion mit russischer Flagge
© Csaba Peterdi / Fotolia.com

TAG Heuer Connected – der Pionier auf dem Feld der Luxus-Smartwatches

Wenngleich Hublots Smartwatch dank ihrem besonders markanten Design und ihrer Präsentation im Umfeld der Fußball-WM zuletzt besonders viel Aufmerksamkeit auf sich lenkte, handelt es sich dabei keineswegs um die erste Smartwatch im Segment der Luxusuhren. Diese stammte von TAG Heuer und war bereits im November 2015 in New York erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Tag Heuer Connected in der Version SAR8A80-BF0605

Eine Besonderheit der TAG Heuer Connected besteht darin, dass sie einerseits eine vollwertige Smartwatch ist, andererseits aber von ihrem Besitzer nach Ablauf der Garantiezeit gegen eine moderate Zuzahlung in eine Sonderversion der mechanischen Carrera Calibre 5 umgetauscht werden kann. Bei der Entwicklung der TAG Heuer Connected hatte sich die Schweizer Uhrenmanufaktur die beiden Unternehmen Intel und Google als Kooperationspartner für die Lieferung der Elektronikkomponenten und der Android-Software mit ins Boot geholt.

Im Unterschied zu anderen Smartwatches zeigt die TAG Heuer Connected auch im Sparmodus kein schwarzes Display. Vielmehr ist dann auf dem Touchscreen die äußerst detailgetreue Darstellung eines analogen Zifferblattes zu sehen. Für dessen Design stehen verschiedenen Varianten zur Auswahl, darunter neben einer Drei-Zeiger-Version mit Tagesdatum auch ein GMT-Display mit zusätzlichem 24-Stunden-Zeiger und ein Chronographenzifferblatt. Smartphone-unabhängige Funktionen wie Stoppuhr, Timer und Alarm werden via Knopfdruck gesteuert.

Tag Heuer Connected in der Version SAR8A80-FT6045

Abgerundet wird das Angebot durch sensorbasierte Funktionen zur Schlafkontrolle und zur Geschwindigkeitsmessung sowie eine riesige Auswahl an Apps im Play Store von Google. Das 46-Millimeter-Gehäuse entspricht in etwa dem eines größeren Sportchronographen und ist aus Titan hergestellt.

Erfolgreiche Markteinführung motiviert TAG Heuer

Aufgrund der sehr positiven Marktresonanz lancierte TAG Heuer bereits im Frühjahr 2017 ein Modell-Update mit der Bezeichnung Connected Modular 45.

Auch eine Connected Modular 41 ist inzwischen im Sortiment. Dieses bietet noch wesentlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten als sein Vorgänger und ist – der Modellname deutet es bereits an – im Durchmesser einen Millimeter kleiner. Armbänder, Bandanstöße und Schließen lassen sich mithilfe eines einfachen Stecksystems nach Belieben selbst austauschen und können nachgekauft werden.

Tag Heuer Connected Modular 45 in der Version SBF8A8013-32FT6110 aus beschichtetem Titan mit Keramikluenette

Weitere Neuerungen sind die GPS-Funktion, ein NFC-Chip für mobile Zahlungen und die Möglichkeit, die Uhr nicht nur mit Android-Smartphones sondern auch mit iPhones zu nutzen. Der spätere Austausch gegen eine mechanische Uhr ist weiterhin möglich, wobei nun neben der Drei-Zeiger-Ausführung der Carrera Calibre 5 auch noch die Carrera Calibre Heuer 02 Tourbillon zur Auswahl steht.

Breitling Exospace B55: keine Smartwatch – aber trotzdem ziemlich smart…

Einen etwas anderen Weg ist Breitling gegangen. Die renommierte Uhrenmanufaktur aus Grenchen hat mit der Modellreiche Breitling Exospace B55 Luxusuhren im Angebot, die zwar keine echten Smartwatches sind, aber dennoch eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen sowie ein beeindruckendes elektronisches Innenleben aufweisen und sich über das Smartphone steuern lassen.

Dieses Modell ist organisch aus den äußerst präzisen Piloten-Quarzuhren entwickelt worden, die bei Breitling schon seit mehreren Jahrzehnten einen festen Platz im Sortiment haben, und wird von dem markeneigenen SuperQuartz-Kaliber angetrieben.

Breitling Exospace B55 Connected in der Version VB5510H1-BE45-245S-V20DSA-2

Die Verbindung mit dem Smartphone steigert die Benutzerfreundlichkeit enorm, denn so lassen sich verschiedene Einstellungen an der Uhr deutlich bequemer vornehmen. Darüber hinaus können Daten, die mit der Uhr gemessen wurden, an das Smartphone gesandt und dort verarbeitet werden.

Die Breitling Exospace B55 kann als Flyback-Chronograph, als elektronisches Tachometer, als Sieben-Tages-Wecker sowie als Timer verwendet werden und besitzt zudem einen ewigen Kalender mit einer Wochenanzeige. Damit ist die Breitling Exospace B55 nicht nur für Piloten ein praktisches Hilfsmittel, sondern auch für alle, die im Alltag gern auf die eine oder andere Zusatzfunktion zurückgreifen können wollen, ohne dafür jeweils eigene Instrumente mitführen zu müssen.

Inzwischen wurde die Modellreihe sogar um die Exospace B55 Yachting erweitert.

breitling-exospace-b55-yachting-eb5512221b1s1

Sind Modelle wie die Hublot Big Bang Referee 2018 FIFA World Cup Russia, die TAG Heuer Connected oder die Breitling Exospace B55 nun die Luxusuhren der Zukunft? Dass die Smartwatch in absehbarer Zeit mechanische Luxusuhren komplett verdrängen wird, ist wohl kaum anzunehmen. Dafür ist die Faszination der mechanischen Wunderwerke wohl nach wie vor zu groß.

Die Markterfolge der genannten Modelle lassen es allerdings durchaus als möglich erscheinen, dass auch noch andere Luxusuhren-Hersteller ihre Produktpalette durch Smartwatch-Modelle ergänzen werden.

überprüfen Sie auch

Weiße Uhren für den Sommer

« Braune Haut und robuste Eleganz in Weiß » Hellere Tage, hellere Uhren: Der Sommer …

Unsere Top 5: Damen Chronographen sportlich

Zierlich, schmuckvoll und nicht als ernsthafte Uhren anerkannt: Das typische Klischee des weiblichen Zeitanzeigers hat …

Union Glashütte Averin

« Legendäre Neuauflage  » Bis zum Jahr 2015 verkaufte Union Glashütte die Averin, einen quadratischen …