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Patek Philippe Calatrava 6007A-001

« Uhrenneuvorstellung trotz Pandemie »

Zur Feier seines neuen Manufakturgebäudes im Genfer Stadtteil Plan-les-Ouates präsentiert Patek Philippe im Juni 2020 eine auf 1.000 Stück limitierte Sonderauflage des Klassikers Calatrava. Nach dem Ausfall der großen Uhrenmessen bietet die Ref. 6007A-001 erste Perspektiven auf kommende Neuvorstellungen und distanziert sich durch mehrere Besonderheiten von typischen Dresswatches der Luxusmarke. Aber wie gut passen Edelstahlgehäuse, Leuchtziffern und Carbon-Muster in die traditionelle Linie? Wir haben uns den Newcomer einmal näher angesehen.

Gigantischer Produktionskomplex für 600 Millionen Franken

Um die Bedeutung der frisch eröffneten Produktionsstätte zu verstehen, müssen wir 30 Jahre in die Vergangenheit reisen: Damals greift der Hersteller – wie fast alle Traditionsmarken – auf eine archaische Organisationsstruktur mit weit verstreuten Zulieferern und Werkstätten zurück. Ganz im Stil des 19. Jahrhunderts, befinden sich im Kanton Genf über ein Dutzend verschiedener Betriebe, in denen von Spiralfedern bis Zeiger sämtliche Komponenten gefertigt werden. Ende der 1980er realisiert Philippe Stern, der Vater des heutigen Präsidenten Thierry, dass dieses ineffiziente System der steigenden Nachfrage nicht gewachsen ist und setzt während der 90er umfassende Modernisierungen durch.

Doch die Vision ist größer: In Genf strebt man die vollständige Zentralisierung der Arbeitsabläufe an. 2015 nimmt diese Idee erstmals Form an, als mit dem Bau des neuen Fertigungsgebäudes in Plan-les-Ouates begonnen wird. Fünf Jahre später ist der gigantische Komplex fertiggestellt: 600 Millionen Franken teuer, beheimatet er auf zehn Etagen (von denen vier unterirdisch sind) alle nur denkbaren Aspekte der Haute Horlogerie. Ateliers für die Werkeproduktion und künstlerische Metiers d’art-Studios treffen hier auf ein Penthouse-Restaurant mit über 800 Sitzplätzen und eine Tiefgarage für 700 Autos. Enorme Dimensionen in den Maßstäben der Uhrenbranche. Selbst einem großen Player wie Patek Philippe dürften sie für mehrere Jahrzehnte ausreichen.

Patek Philippe in Edelstahl – eine echte Rarität

Wer vom neuen Manufakturgebäude noch nicht überrascht ist, wird es spätestens beim Anblick der Calatrava 6007A-001 sein. Zusammen mit der ebenfalls auffälligen Ref. 5212A ist sie – abgesehen von den Sportmodellen Nautilus und Aquanaut sowie der femininen Twenty-4 – derzeit die einzige Edelstahluhr im Portfolio des Genfer Herstellers. Wie man es in dieser Klasse erwarten darf, bewegt sich das polierte Finish auf Spitzenniveau und verbindet die typischen Calatrava-Rundungen mit einem Durchmesser von 40 Millimetern. Das Gehäuse übertrifft die von Puristen bevorzugten 37-38 Millimeter zwar deutlich, gewährt in Verbindung mit neun Millimetern Gehäusehöhe aber dennoch einen ausgezeichneten Tragekomfort und schlüpft widerstandslos unter jeden Ärmel.

Trotz ihrer Positionierung als Dresswatch scheut sich die 6007A-001 nicht vor sportlichen Akzenten, wie das blaue Kalbslederband mit Dornschließe unter Beweis stellt. Ausgezeichnet durch weiße Ziernähte, verfügt es über ein ebenso feines wie seltenes Prägedekor im Stil eines Textilbands und verleiht dem Luxusmodell einen gewissen Casual-Look. Besonders gelungen ist die farbliche Abstimmung mit dem graublauen Zifferblatt, welches zweifellos als Highlight der Calatrava 6007A-001 hervorsticht.

Markantes Carbon-Muster im Zifferblatt

Prägendes Merkmal ist seine Unterteilung in mehrere konzentrische Kreise: Den Anfang macht eine klassische 60-Minuten-Skala am äußeren Rand, gefolgt von einem Segment für die weißgoldenen arabischen Ziffern und das Fensterdatum auf drei Uhr. Weiter innen erwartet uns eine Schienen-Stundenskala mit dreieckigen Indizes, welche das zentrale Dekor in Carbon-Optik umrahmt.

Insgesamt wirkt die Ref. 6007A-001 sehr lebendig, aber dennoch wohlstrukturiert und lässt sich dank des hohen Kontrasts aller Markierungen sowie der weißgoldenen Stabzeiger einwandfrei ablesen. Unser Lieblingselement ist das erwähnte Carbon-Muster, weil es einen dynamischen Kontrast zur sonst eher formalen Calatrava-Familie schafft und einfallendes Licht in facettenreicher Weise reflektiert. Zusammen mit der seltenen Farbgebung und dem kreisförmigen Satinschliff macht es die 6007A-001 definitiv zu einer ungewohnten Erscheinung der Genfer Nobelmarke.

Das gilt vor allem bei Nacht, wenn die Leuchtmasse der Zeiger und arabischen Ziffern ihren Dienst verrichtet.

Kontrovers diskutiert, steht sie im Gegensatz zu Patek Philippes Tradition, lediglich Sportmodelle wie die Nautilus oder Aquanaut mit dem nützlichen Super-LumiNova auszustatten. Zu funktional, zu modern scheint es den Designern aus Plan-les-Ouates für den eleganten Charakter einer Dresswatch zu sein. Eine konservative Ansicht, die bei der 6007A-001 zugunsten einer verbesserten Praktikabilität verworfen wurde. Eine gute Entscheidung, wie wir finden.

Sichtboden mit Aufschrift und Calatrava-Logo

Auf der Rückseite begrüßt uns das bewährte Manufakturkaliber 324 SC durch einen Saphirglasboden, der dem besonderen Anlass des Sondermodells gewidmet ist.

Geschaeftskollegen im Buero
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Sein Zentrum ziert das Calatrava-Logo, umgeben von der Aufschrift „New Manufacture 2019“. Der Blick auf die handverzierte Mechanik wird dadurch nur geringfügig beeinträchtigt: Feinstes Finish vom goldenen Rotor über die komplexe Anglage bis hin zu den Genfer Streifen und Perlschliffen zeugen von der gewohnten Perfektion Patek Philippes. Die Maße des aus 213 Teilen zusammengesetzten Automatikwerks belaufen sich auf 27 x 3,3 Millimeter, während 28.800 Halbschwingungen pro Stunde für einen schnellen, nach vollem Aufzug bis zu 45 Stunden andauernden Takt sorgen. Preislich liegt die Patek Philippe Calatrava 6007A-001 bei rund 25.000 Euro.

Fazit: Gelungener Sprung ins Ungewohnte

Die Innovationskraft seiner neuen Fabrik überträgt Patek Philippe auf die Ref. 6007A-001 und hebt sie in vielerlei Hinsicht von ihren Schwestermodellen ab. Edelstahl statt Weißgold, ein prägnantes Carbon-Muster und funktionale Leuchtmasse machen das Sondermodell zu einer spannenden Mischung aus Klassik und Moderne. Wer seiner Sammlung einen Twist verleihen möchte oder einen unkonventionellen Einstieg in die Welt der Genfer Luxusmarke sucht, ist mit einem der 1.000 Exemplare bestens aufgehoben.

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