Hour Angle Uhr nach Lindbergh

« Funktion und Nutzen einfach erklärt »

Die Stundenwinkeluhr (engl. Hour Angle) zählt zu den seltensten horologischen Kreationen aller Zeiten. Erstmals von Charles Lindbergh nach seinem berühmten Atlantikflug skizziert, ermöglicht sie eine schnelle Bestimmung des Längengrads und dient damit als wertvolles Navigationsinstrument. Wir bringen Klarheit in die mysteriöse Komplikation, erklären ihren genauen Nutzen und zeigen, wie man eine Stundenwinkeluhr lesen sollte.

Navigation am Handgelenk: Die Anfänge

Spricht man von einer Hour Angle, ist der Weg zur Longines Stundenwinkeluhr nicht weit: Sie war es, die 1931 aus den Entwürfen Lindberghs entstand und zuletzt im Jahr 2017 als Neuauflage erschien.

Obwohl sich im Verlauf der Geschichte auch andere Hersteller an der Komplikation versuchten (wie etwa Patek Philippe im Jahr 1936), gilt die Longines bis heute als faktischer Monopolist unter den Stundenwinkeluhren. Ihre Idee reicht bis in die 1920er-Jahre zurück, als Flugzeuge zunehmend größere Entfernungen zurücklegen konnten und dadurch umso präzisere Instrumente zur Navigation benötigten.

Ein Pilot dieser Ära war auf drei wesentliche Geräte angewiesen: Erstens einen Kompass, zweitens einen Sextanten zur Bestimmung des Breitengrads und drittens einen exakten Zeitmesser zur Längengradberechnung.

Anfangs dienten dazu sogenannte Beobachtungsuhren (kurz: B-Uhren) – große Vorrichtungen, die von speziell ausgebildeten Navigatoren wegen der Bewegung des Flugzeugs möglichst schnell abgelesen werden mussten. Um den Aufwand zu reduzieren, entwickelte Charles Lindbergh – der die Schwierigkeiten einer komplexen Navigation nur allzu gut kannte – zusammen mit Longines die Stundenwinkeluhr.

Ihre Konstruktion ist so genial, weil sie ein direktes Ablesen des Stundenwinkels von Greenwich ermöglicht – dem wichtigsten Maß zur Berechnung des eigenen Längengrads.

Aber was ist ein Stundenwinkel überhaupt?

Der Stundenwinkel erklärt

Spricht man vom Stundenwinkel (Hour Angle) eines Ortes, so ist damit stets der Winkel zwischen einem Himmelskörper und dem jeweiligen Ortsmeridian gemeint. Diese Angabe wird als Zeit ausgedrückt, wobei 15 Grad einer Stunde entsprechen. Da es sich um eine relative Angabe handelt, sind sowohl positive als auch negative Angaben möglich. So wird immer von Süden aus positiv in Richtung Westen gezählt, aber negativ in Richtung Osten.

Einfaches Beispiel: In unserem Greenwich-Fall dient die Sonne als Bezugspunkt. Ist nun von einem Stundenwinkel in Höhe von -1 die Rede, so wird die Sonne in einer Stunde ihren Höhepunkt in Greenwich erreichen (denn die Erde dreht sich in einer Stunde um 15 Grad). Heißt es hingegen 1, so wurde dieser Höhepunkt vor einer Stunde erreicht. Intuitiv kann man sich die „0“ als jenen Stundenwinkel denken, bei dem die Sonne ihren Höhepunkt am jeweiligen Ort erreicht, weil sie in perfekt „gerader“ Relation zum dortigen Meridian steht.

Längenberechnung mit der Hour Angle: Grundlagen

Die Logik, dass 15 Grad einer Stunde entsprechen, findet sich eins zu eins im Zifferblatt der Stundenwinkeluhr wieder. Ihre Skala reicht von 0 bis 180 Grad, wobei 180 Grad zwölf Stunden entsprechen – also genau einer halben Erddrehung um ihre eigene Achse. Dabei ermöglichen Minuten- und Sekundenzeiger eine noch genauere Positionsbestimmung: So dreht sich die Erde in einer Minute um genau 15 Bogenminuten, wobei eine Bogenminute nichts anderes ist als 15/60 oder 1/4 Grad.

Longines Heritage Lindbergh Hour Angle Watch in der Version L2-730-4-11-0 hour-angle-uhr-nach-lindberg

Solch genaue Angaben sind schön, aber warum zeigt die Hour Angle ausgerechnet den Greenwich-Stundenwinkel und nicht etwa die Angabe eines beliebigen anderen Ortes auf der Erde? Das ist eine reine Definitionssache, denn der Längengrad von Greenwich ist null. Steht ein Beobachter genau mittags auf dem Greenwich-Meridian, so sieht er die Sonne exakt im Süden. Ihr Stundenwinkel ist dort also null Grad. Darauf aufbauend, lassen sich die Längengrade anderer Orte auf der Erde genau erfassen, wenn man die jeweilige Uhrzeit kennt.

Beispiel: Stundenwinkeluhr lesen

Ein simples Beispiel zeigt, wie man den Greenwich-Stundenwinkel mithilfe der Longines Stundenwinkeluhr berechnet. Nehmen wir an, der Zeitanzeiger steht genau bei 5 Uhr und null Sekunden (nachmittags). Folglich beläuft sich der Stundenwinkel in Greenwich auf 15*5 = 75 Grad. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Erde seit Mittag bereits 75 Grad um sich selbst gedreht hat, was eine genaue Bestimmung des eigenen Längengrades ermöglicht. So viel zur Theorie.

In der Praxis besteht jedoch eine Differenz zwischen der wahren und mittleren Sonnenzeit, die abhängig vom Datum zwischen plus 16 Minuten am 3. November und minus 14 Minuten am 11. Februar schwankt.

Um für diese Ungenauigkeiten zu korrigieren, verfügt die Hour Angle über eine spezielle Drehlünette: Beläuft sich die Verschiebung zwischen wahrer und mittlerer Sonnenzeit beispielweise auf plus 10 Minuten, so drehen wir die Lünette um 10 Minuten nach rechts und erhalten eine korrigierte Angabe des Stundenwinkels.

Gibt es Alternativen zur Hour Angle?

Die einzigartige Konstruktion der Stundenwinkeluhr macht sie zu einem Unikat, das zumindest in der klassischen Uhrenwelt keinen Vergleich kennt. Während Piloten seit Jahrzehnten auf GPS-Technik als deutlich präzisere Alternative setzen, müssen sich Liebhaber klassischer Zeitanzeiger mit dem stark begrenzten Angebot aus dem Hause Longines abfinden. So wurden von der neuesten Re-Edition aus 2017 gerade einmal 90 Exemplare gefertigt. Wer sich aber für Navigationsinstrumente im Allgemeinen interessiert, hat durchaus Alternativen:

Sinn 856 B in der Version 856-012

So zum Beispiel die Sinn Beobachtungsuhr 856 B oder das High-End-Modell „Équation du Temps Marchante“ aus der Villeret-Kollektion von Blancpain. Über 150.000 Euro teuer, erlaubt letztere eine genaue Bestimmung der wahren und mittleren Sonnenzeit.

Blancpain Villeret Equation du Temps Marchante in der Version 6638 3431 55B Blancpain Villeret Equation du Temps Marchante in der Version 6638 3631 55B

Für die Hour Angle sehen wir jedoch keine Perspektive auf größere Stückzahlen: Ihrer hohen Faszination und reichen Geschichte steht eine komplexe Funktionsweise gegenüber, die wohl für niemanden einen alltäglichen Nutzen besitzt. Es ist ihre exotische Seltenheit, die sie für einige Sammler so begehrenswert macht. Nichtsdestotrotz lieben wir die Hour Angle: Sie zeigt uns einmal mehr, wie groß die Vielfalt und historische Relevanz der Uhrenwelt wirklich ist.

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