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Hamilton PSR

« Digitales Kultmodell kommt wieder »

Als Hamilton im Jahr 1970 die weltweit erste elektronische Armbanduhr mit Digitalanzeige präsentiert, steht die Branche vor einem massiven Umbruch. Jetzt, genau 50 Jahre später, tritt die PSR in die Fußstapfen der legendären Pulsar und erneuert die Technik des Klassikers durch ein modernes Hybrid-Display. Geblieben sind das kissenförmige Design und die kompakten Ausmaße des Zeitanzeigers.

Fortschritt zum hohen Preis: Die originale Pulsar

Frische Designs, günstige Preise und hohe Stückzahlen: Elektronische Armbanduhren beherrschen seit Jahrzehnten weite Teile des Uhrenmarktes. Obwohl ihre technischen Fundamente bereits in den 1920er-Jahren gelegt wurden, startete die Kommerzialisierung der frühen Modelle erst in den Sechzigern und wird größtenteils dem japanischen Hersteller Seiko zugerechnet.

Dass die westliche Hemisphäre einen ebenso wichtigen Beitrag zum Fortschritt der Technik leistete, wird allerdings häufig vergessen. Wie Science-Fiction muss es ausgesehen haben, als Hamilton 1970 im New Yorker Four Seasons Hotel vor die Presse trat und einen futuristisch anmutenden Zeitanzeiger namens Pulsar lancierte.

Benannt nach den rotierenden und extrem massereichen Neutronensternen des Universums, zeigt er die Uhrzeit per Knopfdruck in roten Leuchtdiodenpunkten an – geräuschlos, präzise und ohne jegliche Mechanik. 1972 erscheint die serienreife Version namens P1, eingehüllt in 18-karätiges Gelbgold und satte 2.000 Dollar teuer – nach heutigem Wert wären das über 12.000 Dollar.

Nicht der gewöhnliche Verbraucher, sondern Weltberühmtheiten wie US-Präsident Gerald Ford, Keith Richards von den Rolling Stones, Elton John und Schauspieler Jack Nicholson zieren ihr Handgelenk mit einem der 400 Exemplare.

Hybrid-Anzeige und erschwingliche Preise: Die PSR

Ihre prominenten Käufer dürfte es kaum gestört haben, dass die Batterielaufzeiten der P1 und ihres 1973 vorgestellten Nachfolgers P2 wegen der ständig benötigten LCD-Hintergrundbeleuchtung sehr gering ausfielen.

Ein Kritikpunkt, der fünf Jahrzehnte später Geschichte ist:

So verfügt die neue Hamilton PSR über ein Hybrid-Display, das die Uhrzeit mithilfe organischer Leuchtdioden (OLED) auf einem LCD-Bildschirm darstellt. Diese Kombination stellt eine gute Ablesbarkeit bei niedrigem Stromverbrauch sicher.

Auch preislich schlägt sich die PSR deutlich besser als einst die Hamilton Pulsar: Während das unlimitierte Edelstahl-Modell mit 695 Euro zu Buche schlägt, sind für die vergoldete und auf 1970 Exemplare begrenzte Ausführung vermutlich 945 Euro fällig.

Maximale Simplizität beim Design

Optisch eng an die spätere Version P2 von 1973 angelehnt, präsentiert sich die PSR als moderne Retro-Uhr in Reinform. Charakterisiert durch die breite Umrandung ihres Displays, punktet sie mit angenehmen Ausmaßen von 40,8 mal 34,7 Millimetern und eignet sich damit auch für schlanke Handgelenke.

Wie damals, ist die Bedienung ebenso simpel wie ergonomisch: Mit einem kurzen Druck auf den rechts befindlichen Knopf erweckt man die Uhrzeit der Hamilton PSR zum Leben, während ein langer Druck die laufenden Sekunden hervorruft. Was ins Auge sticht, ist das saubere und klare Erscheinungsbild der Quarzuhr.

Ein wenig Dresswatch, ein wenig Futurismus – die Mischung der PSR gefällt zu alltäglichen wie feierlichen Anlässen.

Besonders gelungen ist der fließende Übergang zwischen gewölbtem Gehäuse und Metallband, wobei letzteres – wie bei Hamilton üblich – für hochwertige Haptik und gute Ergonomie sorgt. Stichwort Qualität: Saphirglas ist bei der Retro-Digitaluhr ebenso vorhanden wie eine Wasserdichtigkeit bis 100 Meter. Damit ist ein bedenkenloser Alltagsgebrauch garantiert.

Die PSR ist Reminiszenz statt Revolution

Für Fans der neuen PSR dürften praktische Erwägungen allerdings eher eine Nebenrolle spielen. Wenn es danach ginge, wäre die Zeitanzeige auf dem Smartphone mehr als ausreichend. Nein, die Hamilton PSR begeistert als Hommage an eine Ära, in der die Welt vom Analogen ins Digitale wechselte.

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Als die Apollo- Mondlandungen für Aufsehen und die ersten Computer für eine grundlegende Veränderung der Arbeitswelt sorgten, schien alles möglich. Kaum eine andere Innovation symbolisiert diese Revolution so stark wie die Pulsar, die ihrerzeit auch als „Computer fürs Handgelenk“ bezeichnet wird.

Im Vergleich dazu ist die heutige PSR meilenweit von einer Revolution entfernt. Mit Absicht. Denn das neue Modell will die Horologie nicht verändern, sondern lediglich an ein bedeutendes Kapitel erinnern. Quarzkrise, Absturz, Wiedergeburt – wahrscheinlich wäre der Verlauf der jüngeren Uhrengeschichte ein ganz anderer gewesen, hätten Vorreiter wie die Pulsar oder zahlreiche Seiko-Modelle nie das Licht der Welt erblickt. Wer ein Gefühl für die Anfänge des digitalen Uhrenbaus bekommen möchte, wird keine bessere Hommage als die Hamilton PSR bekommen.

Hinzu kommt das seltene Konzept des Zeitanzeigers: Nicht nur die limitierten Goldmodelle mit PVD-Beschichtung, sondern auch die Idee einer Quarz-Reminiszenz ist eine Rarität in der heutigen Uhrenwelt.

Fazit: Ein Exot mit spannenden Facetten

Wer einfach nur die Zeit sehen will, schaut auf sein Handy. Wer eine günstige Quarzuhr sucht, wird bereits im zweistelligen Bereich fündig. Warum also sollte man mindestens 695 Euro für eine Hamilton PSR ausgeben?

Weil die neue Edition des Schweizerisch-Amerikanischen Herstellers viel mehr ist als ein funktionales Instrument: Sie transportiert den Geist eines der historisch einflussreichsten Uhrenmodelle in die Gegenwart und zeigt mit aktueller Technik, dass Quarzuhren auch im gehobenen Preissegment eine Zukunft haben.

Vor allem aber hebt sich die PSR von der Masse ab und bietet Liebhabern eine horologische Erfahrung, die nahezu keinen Vergleich kennt. Der perfekte Exot für eine abwechslungsreiche Sammlung.

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