GPHG Challenge Watch Price für die Black Bay P01

Mit der Black Bay P01 bringt Tudor einen militärischen Prototypen der 1960er-Jahre in Serienproduktion und erhält dafür den GPHG Challenge Watch Price 2019. Die Auszeichnung ist Teil eines jährlich stattfindenden Wettbewerbs, der als „Oscars der Uhrenindustrie“ bekannt ist und die bemerkenswertesten Kreationen der Branche prämiert. Nicht nur ihr historisches Erbe, sondern auch ihre markante Gehäuseform mit Lünetten-Verriegelung und das Manufakturwerk MT5612 bringen die Tudor Black Bay P01 aufs Podium.

Was ist die GPHG?

Das Kürzel GPHG steht für „Grand Prix d’Horlogerie de Genève“ und bezeichnet eine 2001 gegründete, in Genf ansässige Organisation mit dem Ziel der weltweiten Bekanntmachung und Förderung der Uhrmacherkunst. Dazu vergibt sie jeden November auf einer feierlichen Zeremonie – vergleichbar mit den Academy Awards der Filmindustrie – mehrere Preise an die spektakulärsten Uhren des vergangenen Jahres, wobei über 15 Kategorien berücksichtigt werden. Das Spektrum reicht vom „Lady´s Watch Price“ für Damenuhren über den „Diver´s Watch Price“ bis hin zu außergewöhnlichen Rubriken wie etwa dem „Calendar and Astronomy Watch Price“.

Der an die Black Bay P01 vergebene „Challenge Watch Price“ wird für neue Modelle mit besonderen historischen oder mechanischen Leistungen ausgestellt.

Weitaus größer als die Anzahl der prämierten Uhren ist die Menge der nominierten Zeitanzeiger. So kommen jährlich hunderte neue Modelle für eine der begehrten Auszeichnungen in Betracht und werden der Öffentlichkeit im Voraus der Preisverleihung auf einer weltweiten Tour durch die größten Metropolen – unter ihnen London, Paris und New York – vorgestellt.

Auf diese Weise möchte der Grand Prix d’Horlogerie de Genève zur Erhaltung der traditionellen Uhrmacherkunst beitragen, ihre Werte hervorheben und jene Menschen honorieren, die an der Entwicklung und Herstellung edler Zeitanzeiger beteiligt sind.

Erst verworfen, dann zurück: Die Black Bay P01

Aufgrund des hohen Wettbewerbs bedarf es schon einer besonderen Leistung, um einen der prestigeträchtigen Preise zu bekommen. Um den Sieg der Black Bay zu verstehen, müssen wir die Historie der Schweizer Taucheruhr betrachten: Sie reicht bis ins Jahr 1967 zurück, als Tudor – seit den Fünfzigern Lieferant der US Army – an einem Nachfolgemodell der damals standardmäßigen Oyster Prince Submariner Ref. 7928 arbeitet. Um die neuen Anforderungen der amerikanischen Regierung zu erfüllen, startet die Marke eine Entwicklungsphase unter dem Codenamen „Commando“ und erprobt neue Prototypen zur Steigerung von Funktionalität und Ergonomie.

Doch der Aufwand ist zunächst vergebens, weil sich die US Army letztendlich für die reguläre Ref. 7016 als Ersatz für die Ref. 7928 entscheidet.

Inspiriert von einem der fortschrittlichen Prototypen, lanciert Tudor 2019 die Black Bay P01 („Prototyp 01“) und bringt ein über 50 Jahre vergessenes Konzept in die Serienproduktion. Markenzeichen der P01 ist ihre bullige Gehäuseform, die für Aufsehen in der Welt der Taucheruhren sorgt.

Asymmetrisches Gehäuse mit Lünetten-Verriegelung

Denn obwohl die standardmäßige Größe von 42 Millimetern beibehalten wurde, wirkt die Tudor P01 deutlich massiver als ihre Black Bay Schwestermodelle. Dafür ist das markante Anschlagsystem der Lünette verantwortlich: Auf der Ober- und Unterseite sorgen klappbare Verriegelungen zwischen den Bandanstößen für die Sicherung des bidirektionalen, in 12 Stunden unterteilten Drehrings. Wie Klauen greifen sie in das Muster der Lünette und verhindern auf diese Weise jegliche Bewegung.

Eine weitere Besonderheit, der bis zu 200 Meter wasserdichten Black Bay P01 stellt die Positionierung der Krone bei 4 Uhr dar, was dem Gehäuse einen asymmetrischen und damit noch auffälligeren Look verleiht.

Im Kern eine echte Black Bay

Aber nicht nur historische Aspekte und Besonderheit, sondern auch Originalität spielt bei der Preisvergabe der GPHG eine Rolle. Im Kern also die Frage, ob die P01 noch eine „echte“ Tudor Black Bay ist oder möglicherweise zu weit von der Essenz des Standardmodells entfernt. Mehrere Details offenbaren eine unverkennbare Nähe: So finden wir den typischen „Snowflake“-Stundenzeiger, die Wölbung des schwarzen Zifferblatts und des Saphirglases sowie die funktionale Datumsanzeige bei drei Uhr aus den berühmten S&G-Editionen wieder.

Beim Armband jedoch trennen sich die Wege: So wird die Black Bay P01 an einem innovativen Hybridband aus Leder und Kautschuk geliefert, das sicherlich einen Beitrag zur Preisvergabe leistete. Wie beim Prototyp aus den Sechzigern, verfügt es über ein metallenes Verbindungsstück zum Gehäuse und glänzt darüber hinaus mit einem „Snowflake“-Muster auf der Rückseite – ein originelles Detail.

Das sagt die Jury zum Kaliber der P01

Hinzu kommt die mechanische Leistungsstärke der Tudor P01, welche spürbar höher als bei den meisten Damenuhren oder S&G-Modellen des Genfer Herstellers ausfällt. So bewertete die Jury des Challenge Watch Price nicht nur die hauseigene Fertigung, sondern auch die Gangreserve von 70 Stunden als deutlichen Vorzug des Kalibers MT5612. Sie ermöglicht es, den Zeitanzeiger freitagabends abzulegen und ohne zwischenzeitliche Bewegung am Montagmorgen wieder einzusetzen.

Tudor Black Bay P01

Von der offiziellen Schweizer Chronometer-Kontrollstelle (COSC) für seine hohe Präzision ausgezeichnet, punktet der Antrieb zudem mit einer schönen und detailreichen Dekoration. Schade nur, dass der verschlossene Gehäuseboden keine Einblicke in den filigranen Aufbau ermöglicht.

Fazit: Eine verdiente Auszeichnung

Der Tudor Black Bay P01 gelingt es, eine reiche Historie und außergewöhnliche Gestaltung mit den Kerneigenschaften einer guten Taucheruhr zu verbinden: Präzision, Robustheit, einfache Lesbarkeit und hoher Tragekomfort. Wer einen Diver mit sicherer Distanz zum Massengeschmack sucht, freut sich zudem über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – laut Hersteller werden für die wuchtige Tudor Tudor Taucheruhr 3.720 Euro fällig. Ein Gesamtpaket, das die Entscheidung der GPHG nachvollziehbar macht; die Black Bay P01 hat ihren horologischen Oscar mehr als verdient.

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